Facebookumfrage: Ballern am See - ja oder nein?

Mehrheit für Seefest-Feuerwerk

Das letzte Seefest im Tal hat erneut die Debatte rund um die Feuerwerke am Tegernsee angeheizt. Initiativen und Schutzgemeinschaften sträuben sich weiter vehement gegen die laute Ballerei. Doch wie sehen das unsere Leser? Wir haben das Ergebnis einer Umfrage.

Das Ergebnis unserer Facebook-Umfrage ist deutlich.

Nach dem Wiesseer Seefest stand erneut das traditionelle Brilliantfeuerwerk unter Beschuss. Vor allem die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal und die Initiative „Feiern statt Feuern“ wollen die aus ihrer Sicht für Natur und Tier erhebliche Belastung beendet wissen. Doch den Gemeinden sind teilweise die Hände gebunden (siehe Ursprungsartikel unten).

Deutliches Ergebnis bei Facebook-Umfrage

Zudem sind sich einige Rathaus-Chefs sicher – nicht nur Gäste, sondern auch die Mehrheit der Einheimischen wollen das Feuerwerk beim Seefest. Wir haben daher eine nicht-repräsentative Umfrage auf Facebook gestartet und unsere TS-Fans gefragt. All unseren Lesern, die kein Facebook haben, wollen wir das Ergebnis natürlich nicht vorenthalten.

Und das war sehr deutlich: Rund 76 Prozent von 1.354 Usern finden, das Feuerwerk gehört eben zu einem Seefest dazu. Lediglich 24 Prozent teilen die Meinung von Natur- und Tierschützern und wären gegen künftiges Geböller. Doch auch die Befürworter machen in den Kommentaren deutlich: Feuerwerke an den drei Seefesten im Jahr – gerne. Aber privates Ballern muss nicht sein.

Ursprünglicher Artikel vom 20. August 2019 mit der Überschrift: „Ballern am Tegernsee – ja oder nein?“

Ballern – ja oder nein? Die Seefeste im Tegernseer Tal haben erneut die Debatte rund um die Feuerwerke angeheizt. Initiativen und Schutzgemeinschaften sträuben sich gegen die laute Ballerei. Den Gemeinden sind teils die Hände gebunden. Doch für die Gegner gibt es nun einen Lichtblick.

Die Initiative “Feiern statt Feuern” kämpft gegen private Feuerwerke im Tal / Archivbild

Sabine Anders aus Bad Wiessee ist sauer. Nach dem Wiesseer Seefest am vergangenen Freitag ging die erste Mail an Talbürgermeister und Schutzgemeinschaften raus. Der Grund: Das große Brillantfeuerwerk. Jedes Jahr wird auf den drei Festen in Wiessee, Rottach und Tegernsee dieses Spektakel zelebriert. Anders ist Mitglied einer Initiative gegen Feuerwerke im Tegernseer Tal. Sie erklärt:

Vorschläge, wie z.B. eine Lasershow oder gar lautlose (aber unsäglicherweise auch teurere..) Feuerwerke, dem immer dekadenter werdenden Publikum am Tegernsee anzubieten, stießen, bis auf den Bürgermeister von Kreuth, bisher auf taube Ohren. Auch unser Landrat Herr Rzehak meint, dass ihn diese Problematik nichts anginge.

Sie ist sich sicher: Zahlreichen Anwohnern gehe die Ballerei auf die Nerven. Sie wolle nun für all diese Bürger sprechen. Gründe gebe es zahlreiche: „Immense Feinstaubbelastung, Lärmschutz und Tierschutz etc. Ich bin es leid, die bekannte Liste weiter zu führen“, so Anders. Die Debatte sei mittlerweile in ganz Deutschland am laufen. „Aber wie steht’s mit dem Tegernseer Tal? Hier darf weiterhin in der von Ihnen ach so angepriesenen Ökoregion geballert und geböllert werden, bis der Arzt kommt“, schreibt sie wütend und appelliert:

Ja, liebe Bürgermeister, meine Wut ist auch nicht mehr im grünen, ökologischen Bereich und noch immer kocht der Kessel. Was lange gärt, wird endlich Wut… Vielleicht denken Sie ja doch noch mal über Alternativen nach?

Ein privates Feuerwerk am Samstag brachte das Fass dann endgültig zum Überlaufen. Anders setzte in einer zweiten Mail nach: „Ja, mittlerweile bin ich mir sehr sicher, dass ich nicht in einer vermeintlichen Öko-Modell-Region, sondern doch am Ballermann lebe.“

Die Debatte rund um Feuerwerke am Tegernsee ist nicht neu. Aber wer ist am Ende in der Verantwortung? Josef Bierschneider aus Kreuth erklärt, dass davon wohl in erster Linie die Gemeinden direkt am See betroffen seien. „Im Übrigen haben wir ja schon im letzten Jahr zu einem freiwilligen Feuerwerksverzicht an Silvester aufgerufen und werden dies auch in diesem Jahr wieder tun“, so Kreuths Bürgermeister weiter. Damit steht er aktuell aber noch alleine da.

Statt Feuerwerk gab es dieses Jahr auf dem vierten Winterseefest in Rottach eine Lasershow. / Quelle: TTT

Doch auch die Anderen machen sich Gedanken. So wollte Christian Köck schon im vergangenen Jahr private Feuerwerke in Rottach nicht erlauben und auch übergeordnete Behörden bitten, Genehmigungen zu untersagen. „Die durch Feuerwerke verursachten Emissionen bedeuten eine unnötige Belastung für Haus- und Wildtiere, für Menschen und die Umwelt“, erklärte er damals gegenüber der Gewerbeaufsicht der Regierung von Oberbayern, bei der Feuerwerke anzumelden sind.

Doch Rottachs Bürgermeister und sind die Hände gebunden. Postwendend kam die Antwort: Feuerwerke der Kategorien F3 und F4 dürfen nur von Personen mit einer Erlaubnis oder einem Befähigungsschein nach dem Sprengstoffgesetz (gewerbliche Pyrotechniker) abgebrannt werden. Diese haben ein Feuerwerk dem Gewerbeaufsichtsamt bei der zuständigen Regierung in vorgegebenen Fristen mit vorgeschriebenen Inhalten anzuzeigen.

Eine “Genehmigung” ist dagegen sprengstoffrechtlich nicht vorgesehen.

Das Gewerbeaufsichtsamt könne ein Feuerwerk nur dann untersagen, wenn Verstöße gegen sicherheitstechnische Regelungen des Sprengstoffrechtes erkennbar seien. „Die Einflussmöglichkeiten der Gemeinde sind demnach leider sehr gering“, erklärt Köck. Auch Rottach hatte zuletzt beim Winterseefest auf ein Feuerwerk verzichtet und stattdessen eine Lasershow angeboten. „Beim Seefest im Sommer bleiben wir allerdings bei der gängigen Praxis, weil dies schlichtweg von den Gästen und der Mehrheit der Einheimischen gewünscht ist“, ist sich Köck sicher.

Auch Bad Wiessee genehmigt „schon seit längerem keine privaten Feuerwerke mehr auf gemeindlichen Flurstücken“, erklärt Geschäftsleiter Hilmar Danzinger. Anfragen hierzu gab und gebe es aber genügend. Landrat Wolfgang Rzehak hat ebenso wenig Möglichkeiten, über das Verbot von Feuerwerken zu entscheiden. Weder das Immissionsschutzrecht noch das allgemeine Sicherheitsrecht erlauben es der Kreisverwaltungsbehörde zum Beispiel Silvesterfeuerwerke zu verbieten. Das eigentliche Problem für Natur und Immissionsschutz seien am Ende große Feuerwerke, die das Jahr über von Profi-Firmen zu verschiedenen Anlässen abgefeuert werden. Diese – besonders in See-Nähe – seien problematisch, weil sie brütende Vögel stören, erklärte Pressesprechrin des Landratsamts Sophie Stadler Anfang des Jahres. Bei rechtzeitig angezeigten Feuerwerken kann das Landratsamt hier über das Naturschutzrecht steuernd eingreifen.

Wie geht man künftig mit Feuerwerken an Seefesten um?

Für alle Feuerwerke, die direkt von einem Floß auf dem See abgeschossen werden, ist übrigens die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung zuständig. Hier bestünde durchaus die Möglichkeite private Feuerwerke künftig zu untersagen. Eine Lösung könnte aber auch sein, dass sich alle Tal-Gemeinden zusammentun. Für Silvester oder für ein gemeinsames Sommerfest. Mit einem großen gemeinsamen Feuerwerk oder eben auch ganz ohne Knallerei und einem Alternativprogramm. Die Gemeinden Ramsau und mittlerweile auch Kreuth haben es vorgemacht.

Für alle Feuerwerk-Gegner gibt es jedenfalls Hoffnung. „Wie eine Rücksprache mit der TTT ergab, wird diese die drei Gemeinden, die Seefeste ausrichten, in absehbarer Zeit zu einer gemeinsamen Besprechung einladen. Dort wird darüber diskutiert werden, wie im Jahr 2020 mit den Seefest-Feuerwerken umgegangen werden wird“, so Wiessees Geschäftsführer abschließend.

Feuerwerk an Seefesten – ja oder nein? Hier geht’s zur Facebook-Umfrage


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