Die Ausflugs-Alm am Westufer wird Event-Ort
“Bauer in der Au” wird Hochzeitslocation

Lange Jahre blieb der “Bauer in der Au” für viele verschlossen. Wartet doch auf der anderen Seite des Söllbachtals die Saurüsselalm. Jetzt stehen neue Pläne an.

Bauer in der Au: Seit über zehn Jahren muss die breite Öffentlichkeit draußen bleiben – das soll sich nun ändern / Quelle: Archivbild

“Eine stilvolle Alm – traumhaft idyllisch gelegen”, gefolgt von: ” … der Bauer in der Au ist ein ganz privater ‘Landsitz’ und zu jeder Jahreszeit die perfekte Location für besondere Feiern.” So beschreiben es die Betreiber auf ihrer Website. Jahrelang zogen Familien den leichten Weg über den Bucherhang hinauf zum “Bauer in der Au”, genossen dort eine gute Alm-Brotzeit und ein Bier. Jetzt soll der Ort einer anderen Nutzung zugeführt werden: “Ganz unter uns” – so das Versprechen, dazu ein Foto der Georgs Kapelle. Sitzpolster und Harfe dürfen nicht fehlen, und auf einem der Bilder lacht und winkt der Pächter, Martin Frühauf, Betreiber der Saurüsselalm.  Der Koch wird auch als Kontakt für Event-Anfragen genannt.

Haslberger: Ausweitung der Party-Zone?

Damit ist ein oft angeführtes Argument vieler Befürworter der Saurüsselalm vom Tisch: Diese sollte als Ersatz für den “Verlust” des “Bauer in der Au” gelten. Jetzt aber wird klar: Auf Tausenden von Quadratmetern werden im Außenbereich bald drei Lokalitäten Tagestouristen und Event-Hungrige bespaßen. Eigentümer und Betonunternehmer ist Franz Josef Haslberger. Robert Kühn, Bürgermeister von Bad Wiessee ist entspannt: “Die Gemeinde hat immer betont, dass der Bauer in der Au eine öffentliche Gastwirtschaft bleiben soll. Wir haben niemals von Ersatz oder Ähnlichem gesprochen.”

Söllbachklause – kurz vor der Fertigstellung im April 2023.

Unten im Söllbachtal befindet sich die Söllbachklause kurz vor ihrer Fertigstellung. Hier soll, so hört man, nach einer langen Bauphase ein Ort für Abend-Events entstehen. Wie immer bei Haslberger: Beste Baustoffe, hochwertige Verarbeitung, nichts ist billig oder schnell hochgezogen. Eröffnung für die Söllbachklause sollte, so heißt es aus dem Rathaus Bad Wiessee, eigentlich schon im Mai sein. Die schlechten Witterungsbedingungen dürften den Start verschoben haben. Ebenfalls ein Haslberger-Klassiker: Es gibt keinerlei Kommunikation zu seinen Plänen. Robert Kühn dazu diplomatisch: “Die Söllbachklause wird dem Ort als Lokalität guttun, so wie es auch bei der Saurüsselalm als Wanderziel der Fall ist.”

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Die Scheibenau-Alm – einst ein besserer Viecherstall, jetzt eine prachtvolle Alm.

Nicht weit von der Saurüsselalm steht eine vierte Alm in neuem Glanz auf einer Wiese: die Scheibenau-Alm. Laut Bauantrag sollen hier nur Tiere untergebracht werden. Bei näherer Betrachtung bleibt Skepsis. Wird das auch eine Party-Location? Dazu ist im Rathaus Bad Wiessee nichts bekannt. Das Landratsamt prüft derzeit, ob alle Baugenehmigungen für den Umbau vorhanden sind und alles mit rechten Dingen zugegangen ist.    

 Das Haslberger-Reich: Es reicht von Kreuth bis Marienstein.

Zurück zum “Bauer in der Au”: Fragt man Hoteliers im Tal, zeigen sie sich durchaus angetan von Halsbergers Hochzeitsplätzchen. Lockt sie doch solventes Klientel an, das dort oben feiert, aber in den Premium-Hotels des Tals nächtigt. Die Ausweitung der Party-Zonen ist nur folgerichtig, wenn man die Nutzungskette nachvollzieht: Mit einer reichen, ständig wachsenden Großstadt vor der Haustür gibt es einen großen Drang nach besonderen Feiern. Fast 800 Ehen werden am See geschlossen, doch die wenigsten Trauwilligen sind aus dem Tal. Und an solchen Events hängen eben nicht nur Gastronomen: Von der Band, den Fotografen, den Event-Managerinnen, den Gästezimmer-Vermietern, Kutschenfahrern, bis hin zu Florist- und Brautmoden-Geschäften – sie alle verdienen am Boom. Haslberger schafft damit ein Mehr an Infrastruktur für diese Kleinst-Unternehmen und sichert sich die Zustimmung der Kommunalpolitik.

Mehrtägige Feiern am Tegernsee

Hochzeiten am See, einst mit überschaubarem Budget im kleinen Familienkreis gefeiert, sind heute mehrtägige Partys, die auch gern mal den Preis für eine Luxus-Limousine toppen.  Tegernsee, man wird im Tal nicht müde, es zu betonen, wird nur mit Sylt vergleichbar sein. Was das Hotel Elisabeth am Starnberger See für die Neunziger-Jeunesse dorée (vergoldete Jugend, Anmerkung der Redaktion) war, ist der Tegernsee für die junge Geld-Klasse aus München und der Rest-Republik. Monate voraus sind die Termine bei den Standesämtern ausgebucht. Und mag Bad Wiessee im Tal auch derzeit eine Baustellen-Landschaft sein, Frühauf und Konsorten schieben die Feier-Gesellschaften einfach hinauf auf 1000 Höhenmetern – den Shuttle Bussen sei Dank. Für Pächter Frühauf mag das endlich ein lohnendes Geschäft werden. Denn die Einschränkungen, für die Zahl der abendlichen Events auf der Saurüsselalm, waren für ihn massiv. Vom reinen Tagesgeschäft lässt sich eine hochwertige Küche, die er bereithält, nicht bezahlen. So ist es nur folgerichtig, dass Frühauf die Event-Zahl mit dem “Bauer in der Au” aufstocken kann.

Der Sommer kommt und mit ihm viel Betriebsamkeit zwischen Bucherhang und dem Söllbachtal.   

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