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Ratsmitglied Wrba aus Kreuth regt sich auf

Bei Aldi ist Streit im Angebot

Von Martin Calsow

Markus Wrba, Anwalt und Ratsmitglied der Freien Wähler in Kreuth versteht die Welt nicht mehr. Der Aldi-Markt in Kreuth-Weissach will sich verbreitern, und plötzlich schießen Kritiker wie die Schwammerl aus der Erde. Was ist da los, haben wir den Streitbaren gefragt.

Der Aldi in Kreuth soll erweitert werden, nun gibt es Streit im Gemeinderat.

In Kreuth streitet sich der Gemeinderat wegen dem örtlichen Aldi. Der Discounter soll erweitert werden, allerdings gibt es laute Einsprüche. Eine Unterschriftenliste wurde nun – nach dem Fristende am 3. September – eingereicht, die vom Gemeinderat trotzdem berücksichtig wird. Jetzt wird ausgewertet, ob die Aldi-Erweiterung Auswirkungen auf den Kreuther Einzelhandel haben wird. Im Oktober 2021 wird sich der Gemeinderat weiter über das Thema beraten. Wir haben mit Markus Wrba, Anwalt und Ratsmitglied der Freien Wähler, gesprochen: Was passiert da gerade in Kreuth?

Herr Wrba, der Aldi-Markt soll erweitert werden. Kritiker sehen darin einen weiteren Baustein zum Grab des örtlichen Einzelhandels. Was sagen Sie denen?

Markus Wrba: Ich habe der SPD Fraktion insbesondere den Kollegen Gerg (mit dem ich etliche Jahre gekickt habe) vorgeworfen, dass er ein künstliches Problem zu verkappten Wahlkampfzwecken auf kommunaler Ebene aufbläst.

Hat er besser gespielt als Sie? Ernsthaft: Was ist der Kern des Vorwurfs?

Wrba: Ich habe immer noch keine klare Antwort auf die Frage bekommen, worin das Problem bei der „Aldi Erweiterung“ besteht: 328 Quadratmeter mehr Fläche für breitere Gänge, mehr Logistik und eine andere Backstraße bei kaum sichtbaren äußerlichen baulichen Veränderungen – kein Kreuther Grashalm muss gekrümmt werden. Das Argument ‚der Einzelhandel wird ausgetrocknet‘ ist, milde formuliert, Unsinn.

Klären Sie uns auf.

Wrba: Neben dem Aldi gibt’s die Metzgerei Holnburger, an der Weissach die Bäckerbuben, die Tremmel Evi und den Kruppi in Rottach, Herr Gerg mit seinem Weinhandel auch. Die sollen einen guten Umsatz haben. Sanktjohannser in Dorf Kreuth hat nach meinen Informationen kaum Umsatzprobleme wegen des Discounters.

Das betrifft erst einmal die Lebensmittel. Aber Elektrohändler klagen ebenso.

Wrba: Die Non-Food Abteilung vom Aldi hat den Vorteil, dass der Kunde das Zeug nicht bei Amazon kauft.

Naja, ob Amazon oder Aldi, für den Einzelhändler ist es wurscht, wer ihm die Kundschaft nimmt. Aber ihre Kritik an Gerg geht ja weiter.

Wrba: Ursprünglich sollte Aldi nie mehr Fläche bekommen! Was Herr Gerg nicht dazu sagt: Wir hatten damals, als es um die Erweiterungsfrage ging, noch den ‚Netto Markt‘ in Weissach. Im vergangenen Herbst haben wir Korbinian Kohlers Angebot explizit ad acta gelegt, wieder einen Supermarkt in seinen neuen Gebäuden auf dem jetzigen Parkplatzgelände unterzubringen. Das heißt: Wir haben mit der Aldi-Erweiterung weniger Verkaufsfläche, aber weitaus mehr Publikum.

Nun, das ist aber auch nicht tröstlich, weil…

Wrba: Moment… Herr Gerg vergisst auch sein eigenes Klientel. Es gibt in unserem wohlstandsreichen Tal viele, viele Menschen, die auf extrem günstige Einkaufsmöglichkeiten angewiesen sind. Soziale Gerechtigkeit, liebe Sozis, fängt im Einkaufswagen an. Ach ja, da wär noch das bisserl Gewerbesteuer, die das mit vier Millionen Euro verschuldete Kreuth dringend braucht, damit wir die Pflichtaufgaben der Daseinsfürsorge auch nur ansatzweise stemmen. (Stichwort: Riedlerbrücke).

Was befürchten Sie, wenn die Gemeinde Kreuth sich weiter so uneinig und hartleibig gegen den Discounter zeigt?

Wrba: Bad Wiessee hat, soweit ich weiß, dem Aldi-Markt schon einen alternativen Standort angeboten. (Damit könnte das Grühn-Areal gemeint sein. Anmerkung Redaktion)

Was ärgert Sie besonders an der Kritik der SGT?

Wrba: Glauben die ganzen Gscheidmeier wirklich, dass auch nur ein Kunde mehr zum Aldi wegen breiterer Gänge und einer anderen Backstrasse geht? Denn das ist die wirkliche Planung. Es ist so leicht, plakativ gegen etwas zu sein, wenn man Details auslässt. Als Gemeinderat sollte ich das Gemeinwohl im Blick haben und nicht Individualinteressen. Ich habe keinen der Marktschreier in den Arbeitskreisen für das Bergsteigerdorf gesehen. Da müsste man ja FÜR etwas kämpfen, Verantwortung tragen und den Bergdoktor verpassen. Ist natürlich nicht jedermanns/frau Sache.

Aber der Herr Gerg hat’s Ihnen angetan?

Wrba: Herr Gerg hat es endlich auch in Kreuth geschafft, Gräben aufzureißen. Wofür? Um sich und seine Fraktion gut dastehen zu lassen.

Lieber Herr Markus Wrba, vielen Dank für die Antworten.


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