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Überraschung im Landgericht

Sparkassen-Prozess: Wichtige Aktenordner entdeckt

Mit Beginn der Sitzung nach der Mittagspause wartete der Beigeordnete der Kreissparkasse (KSK), Alexander Schemmel, mit einer Entdeckung auf. Gestern seien im Keller der KSK einige Aktenordner gefunden worden, die den Ermittlern bei der Razzia Anfang 2014 offenbar entgangen sind.

Die Aktenordner sollen gefüllt sein mit Leistungsnachweisen von Brommes Tätigkeit als Berater für die KSK seit Frühjahr 2012. Die Prozessbeteiligten würden die Leitz-Ordner in den nächsten Tagen sichten können. Dass es Ordner dazu gebe, bestätigte auch Brommes einstiger Büroleiter Alexander K. Er habe diese in Brommes versiegeltem Tegernseer Büro 2016 entdeckt.

Tag fünf im Sparkassen-Prozess: Noch immer geht es um Georg Brommes Beratervertrag. / Foto: K. Wiendl

Ursprünglicher Artikel vom 14. November 2018 mit der Überschrift: „Bereits Zwischenbilanz in der Sparkassenaffäre – Landgericht bewertet vorläufiges Ergebnis der Beweisaufnahme“

Am 24. Oktober begann der mit Spannung erwartete Prozess in der Miesbacher Amigo-Affäre. Nach fünf Verhandlungstagen will die Wirtschaftskammer nun am kommenden Montag bereits eine Zwischenbilanz der “bisherigen Beweisaufnahme” abgeben.

Es könnte dabei auch um den Beratervertrag gehen, den der Ex-Sparkassenchef Georg Bromme 2012 für einen geräuschlosen Abgang bekam. Zwar hätte Bromme seinen Vertrag als Vorstandsvorsitzender über 2012 gerne weitere fünf Jahre verlängert, doch beriets ein Jahr zuvor traten Kritiker auf den Plan.

Im Kreistag wie im Verwaltungsrat der Kreissparkasse (KSK) mehrten sich die Stimmen, „die Bromme weghaben wollten“, sagte heute der Verwaltungsdirektor des Landratsamts als Zeuge. Zwar hätten sich „wenige aus der Deckung getraut“, so Martin Pemler, doch das „Ausgabe- und Führungsverhalten“ des Sparkassenchefs sollte „eliminiert“ werden. Gleichwohl sei man sich seiner Verdienste bewusst gewesen.

Bromme gut vernetzt

Deshalb habe der mitangeklagte Jakob Kreidl als damaliger Landrat und Vorsitzender des Sparkassen-Verwaltungsrats in einem Brainstorming nach einer gütlichen Einigung für beide Seiten gesucht. Gefunden worden seien zahlreiche Tätigkeitsfelder, in denen sich der „gut vernetzte“ Ruheständler Bromme als Berater für die KSK einbringen konnte.

Wie die bisherige Beweisaufnahme erbrachte, gab es durchaus „Gegenleistungen“ für Brommes 8.300 Euro pro Monat ab 1. April 2012. „Das war kein Abfindungsvertrag“, wie Kreidl versicherte. Bromme habe sich um Kreditfinanzierungen von Kunden gekümmert, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten waren, oder sich auch um Skigebiete gekümmert.

Ermittler hätten sich eine „Aktenlage“ gebastelt

Dies alles sei den Ermittlern so nicht bekannt gewesen, musste Oberstaatsanwalt Jürgen Rohrmüller einräumen. Bei den Ermittlungen sei man davon ausgegangen, dass der Vertrag „nicht umgesetzt“ wurde. Denn bei den Durchsuchungen seien dazu nur wenige Unterlagen gefunden worden, die „nicht belegen würden, dass der Beratervertrag auch gelebt wurde“.

Brommes Verteidigern, Stefanie Mayer, erwiderte, dass es genügend Ansatzpunkte für die Beratertätigkeit ihres Mandanten gab. Stattdessen habe sich die Staatsanwaltschaft die Aktenlage so geschaffen, dass sie für die Anklage passe. So seien auch keine anderen Beraterverträge der Sparkasse zum Vergleich herangezogen worden.

Erste Einschätzung am kommenden Montag

Der Beigeordnete des Landkreises, Anwalt Christian Dennler, hob vor allem Brommes Verdienste um das Skigebiet Sudelfeld hervor. Die Ausgangslage seien einst eine veraltete Liftanlage, eine inhomogene Eigentümergemeinschaft und eine heftige Diskussion über die Beschneiungsanlage des „größten zusammenhängenden Skigebiets Deutschlands“ gewesen. Mit diesem „extrem wichtigen Projekt“ sei Bromme beauftragt worden, so Dennler.

Dass dies zum Wohle der anliegenden Gemeinden umgesetzt worden sei, hätte die Ermittler leicht erfragen können. „Wenn darüber keine Unterlagen vorhanden sind, muss man mit den Bürgermeistern reden“. Was offenbar nicht geschah. Vermutlich auch deshalb will der Vorsitzende Alexander Kalomiris eine Zwischenbilanz der bisherigen Beweisaufnahme ziehen. Am Montag kommender Woche soll es bereits eine erste vorläufige Einschätzung des Gerichts geben.


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