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Brommes Beratervertrag: „ein Meilenstein“

„Zum Wohle der Sparkasse und des Landkreises“

Die Anklage im sogenannten „Amigo-Prozess“ ist der Ansicht, dass der Ex-Sparkassenchef für seinen gut dotierten Beratervertrag „keine nennenswerten Leistungen erbracht” habe. Dem widersprachen heute vehement Georg Bromme wie auch seine Mitangeklagten Kreidl und Mihalovits.

Der derzeitige Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse, der Mitangeklagte Martin Mihalovits (v.l.), sah die Ausgaben- und Personalpolitik seines Vorgängers Georg Bromme kritisch (ganz r.)/Foto: K. Wiendl

Bereits im Jahr 2006 habe er sich als damaliger Vorstandsvorsitzender der Miesbacher Kreissparkasse (KSK) Gedanken gemacht, so Georg Bromme heute vor dem Landgericht München, wie seine Zukunft aussehen könnte, wenn sein Vertrag als Vorstandschef im April 2012 auslaufen würde. Aufs Altenteil wollte sich Bromme noch nicht begeben. „Mit 63 Jahren kann ich mich noch nicht aufs Sofa setzen“, so der inzwischen 69-jährige Angeklagte.

Hinzu kam später, dass ihm bereits Jakob Kreidl als Vorsitzender des KSK- Verwaltungsrats 2011 signalisierte, es gebe im Verwaltungsrat wie im Kreistag Probleme mit dessen Vertragsverlängerung über 2012 hinaus. Ruchbar wurden in den Gremien laut Kreidl Brommes Probleme mit dem „Sparkassen-Personal“ und seiner umstrittenen Ausgabenpolitik. Vor allem die Kreis- und Verwaltungsräte Josef Bierschneider wie Josef Bichler hätten einen Wechsel an der Spitze des Geldinstituts gefordert, weil Bromme nicht mehr tragbar gewesen sei. So habe er, Kreidl, nach einer „Kompromisslösung“ gesucht.

„Bromme war sein Geld wert“

Gefunden wurde ein Beratervertrag ab 1. April 2012. Das Honorar Brommes sollte die Differenz zwischen seinen Ruhestandsbezügen und seinem Einkommen als Sparkassenchef sein. Unter dem Strich wurde ein Stundenhonorar von 180 Euro bei einer Tätigkeit von 22 Stunden pro Monat plus Dienstwagen von 3.000 Euro und Büro vereinbart. Summa summarum waren dies 8.300 Euro monatlich. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren waren damit eine halbe Million Euro genehmigt.

Diese Summe sei es wert gewesen, so Kreidl, dass Bromme weiterhin „zum Wohle des Landkreises“ tätig werden konnte. Der Beratervertrag sei „ein Meilenstein“ gewesen, um „der Lebensleistung von Bromme gerecht zu werden“. Mit seiner Erfahrung und seinem Netzwerk habe Bromme „Grosses geleistet“, wusste Kreidl. Ohne weiteren Vertrag hätte Bromme „eine große Lücke hinterlassen“. Zumal auch die Zeit gedrängte, denn sein Wunschkandidat hätte bereits von anderen Angeboten gesprochen.

Bromme, der Schlichter

Dessen Vertragsentwurf habe er als Verwaltungsratschef von allen übergeordneten Instanzen prüfen lassen, vom Sparkassenverband und der Regierung von Oberbayern. Überall, so Kreidl, sei ihm „grünes Licht signalisiert“ worden. Auch vom Verwaltungsrat der KSK, der einstimmig dafür votiert habe. Es hätte sich auch nicht, wie von der Anklage behauptet, um eine „Abfindung“ gehandelt, denn es gab „konkrete und wertvolle“ Dienstleistungen Brommes. Wieso dies nun in eine „anderes Licht gerückt wird“, so Kreidl, „kann ich nicht verstehen“.

In epischer Breite schilderte Bromme seine Beratertätigkeit. In den Sinn gekommen seien ihm „bauliche Maßnahmen“ für die Sparkasse. Weiter habe er sich „erfolgreich“ um die Finanzierung des Skigebiets am Sudelfeld gekümmert, wie auch als Beirat um die Alpenbahnen Spitzingsee AG gekümmert, „die zu 75 Prozent dem Schörghuber-Unternehmen und zu 25 Prozent der KSK gehören“. Für den Privatsender n-tv sei er auch beratend an einer geplanten 50-minütigen Werbesendung über das Tegernseer Tal beteiligt gewesen.

Bromme, der Retter

Auch einen Streit zwischen Talbürgermeistern habe er geschlichtet. Seinerzeit, als sich Peter Janssen und Georg von Preysing bei einer Grundstücksbewertung der Tegernsee Bahn AG in die Wolle kamen. Als Beide sich nicht einig geworden seien, habe man ihn „als Vermittler gerufen“. Sein Büro sei im 2. Obergeschoss der Sparkasse in Tegernsee gewesen, „ohne Lift“, wie Bromme betonte.

Als Beirat im Olaf Gulbransson-Museum hätte er auch dessen Schließung mit einer Finanzspritze von einer Million Euro verhindert. Bei dem Tegernseer Museum sei die KSK „ein ganz großer Sponsor“. Sein Verdienst sei es gewesen, so Bromme, dass er einem Rottacher Hotelier aus dessen „finanzieller Schieflage“ geholfen habe.

Einen großen Immobilien-Makler hätte er von seinen finanziellen Altlasten befreien können. Dies alles sei in den vereinbarten 22 Stunden pro Monat gar nicht möglich gewesen, erklärte Bromme, „ich habe 50 bis 60 Stunden monatlich gearbeitet, ohne Überstunden abzurechnen“.

Bromme klagte gegen seine Kündigung

Brommes Verdienste würdigte auch sein Nachfolger auf dem Chefsessel der Sparkasse, Martin Mihalovits. Als Angeklagter schilderte er in einer persönlichen Erklärung auch sein Verhältnis zu seinem Vorstandskollegen. „Er war nicht mehr der richtige Mann an der Spitze des Vorstands“, so Mihalovits, „denn ich sah seine Amtsführung kritisch, insbesondere seine Ausgaben- und Personalpolitik“. Gleichwohl hielt er Brommes Tätigwerden „als Berater“ für nützlich und wertvoll. Denn er habe auf verschiedenen Gebieten „eine enorme Erfahrung vorzuweisen“.

Bromme habe alle wichtigen Kunden der KSK namentlich und persönlich gekannt. „Und er kannte die familiären Hintergründe“. Die Bindung Brommes an die KSK über einen Beratervertrag „ermöglichte einen Generationswechsel im Vorstand und eine Neuausrichtung der Geschäftspolitik“. Er sei auch allen damaligen Beratern, die weit mehr bekommen hätten, „fachlich überlegen“ gewesen, so Mihalovits. Der auf „seinen Status bedachte Mann“ Bromme „erhielt von mir konkrete Arbeitsaufträge, die er abarbeitete“, versicherte der amtierende Sparkassenchef.

Wo dies denn dokumentiert worden sei, fragte Staatsanwalt Jürgen Rohrmüller Richtung Mihalovits, denn man habe bei den Durchsuchungen „keine Korrespondenz“ gefunden. Für ihn zähle nur das Ergebnis, so Mihalovits, „nicht die Stundenzählerei“. Dennoch beendete Mihalovits Brommes Beratertätigkeit, „nachdem die aufkommenden Meldungen Anfang 2014 eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich machten“. Die Kündigung zum 31. März des Jahres hätte die KSK sogar „zivilrechtlich erstreiten müssen“. Am Ende landeten auf Brommes Konto insgesamt 234.320 Euro. Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt.


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