Das Sozi-Eigentor

von Martin Calsow

Die argumentative Dreifaltigkeit der Dummheit geht so: „Isso“, „doch!“ und: „Du bist ein Nazi!“. Kommt in den besten Diskussionen vor. Jetzt hat es die Sozis im Oberland erwischt.

Ein Kommentar von Martin Calsow:

Der Streit um die Wasserversorgung Münchens und die damit verbundenen Schutzzonen hatte in den letzten Monaten zusehends die Zutaten eines schlechten Bauerntheater-Stücks. Da wurde dem Landrat Befangenheit vorgeworfen, weil er einst in München bei der Bußgeldstelle tätig war. Da wurden vom Anwalt des Wasservereins das Mobiliar bei einer Anhörung kritisiert. Ach, es schien keinen Raum mehr zum Verschieben der Niveaulatte zu geben. Aber nun hat die SPD, jenes zarte Parteipflänzchen, das in Bayern hier und da noch wächst, den Level des Geschmacks nach unten verschoben.

Der Sozi-Abgeordnete Florian von Brunn sah in den Argumenten der Schutzzonen-Gegner „teilweise auch eine Großstadtfeindschaft, die eine bedenkliche Nähe zu antimodernen, völkisch-konservativen Ideen und zur Blut-und-Boden-Ideologie“ habe. Man liest es und denkt: „Die Nazikeule ist doch eigentlich das exklusive Rhetorik-Totschlagwerkzeug der Grünen.

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Miesbacher CSU fordert Entschuldigung

Aber momentan läuft es halt für die Genossen existenziell schlecht. Da greift man in schierer Verzweiflung um Aufmerksamkeit auch mal in die braune Suppe. Nazi geht halt immer, denkt der glücklose Genosse. Zu Recht gackern jetzt die Schwarzen in Miesbach, fühlen sich zu Unrecht in die falsche Ecke gestellt. Die Miesbacher CSU fordert in einem Schreiben an die bayerische SPD-Chefin Kohnen eine Entschuldigung von ihrem Genossen von Brunn. (PM 30.01.2019-2)

Der täte gut daran, dem nachzugeben. Der Wasserstreit hat viele Komponenten. Aber er folgt bestimmt nicht einer braunen Ideologie. Wer mit Beteiligten spricht, weiß das auch. Aber vielleicht liegt hier das Dilemma der Sozen. Sie hören nicht gern zu, fällen lieber schräge Urteile.

Der Streit ums Wasser braucht weniger Gekreische und mehr Sachlichkeit, weniger „wir gegen die“ und mehr Kooperation und Verständnis auf beiden Seiten.

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