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Haus Rheinland: Kahlschlag in Wiessees Ortsmitte

Die Abrissbirne kommt

Von Klaus Wiendl

Wieder wird ein altes Haus aus der Wiesseer Ortsmitte verschwinden. Das Haus Rheinland als Flüchtlingsunterkunft hat ausgedient. Schimmelbefall macht laut Gutachter eine weitere Nutzung unmöglich. Doch es gab im Gemeinderat auch Stimmen, das einstige Hotel noch zu retten.

Nicht mehr zu retten: das Haus Rheinland in Bad Wiessee. / Quelle: Klaus Wiendl

Zuletzt war das Haus Rheinland noch Zufluchtsort für 32 geflüchtete und unbegleitete Jugendliche. Doch länger als bis zum Jahresende hätte das marode Haus ohnehin nicht mehr als Flüchtlingsunterkunft dienen sollen. Der Vertrag zwischen der Gemeinde und dem Landratsamt Miesbach endete am 31. Dezember 2019. Bis dahin durfte das Haus noch genutzt werden, nachdem Gutachter wegen eines starken Schimmelbefalls eine weitere Nutzung als Wohnraum untersagten.

Gekauft hatte Bad Wiessee das Anwesen kurz vor Weihnachten 2014. Bis April 2014 war es noch als Gästehaus in Betrieb. Die Kommune zahlte 1,5 Millionen Euro für das 2.240 Quadratmeter große Grundstück in zentraler Lage. Unter dem Strich hatte die Gemeinde mit dem Kauf ein gutes Geschäft gemacht: Das Grundstück dürfte viel wert sind. Und für die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft hatte das Haus Rheinland jeden Monat 10 800 Euro Miete eingebracht.

Nun aber mache bei diesen hohen Schäden eine Reparatur keinen Sinn mehr, meinte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block). „Es bleibt nur ein Abriss, da brauchen wir gar nicht zu diskutieren“. Doch Rolf Neresheimer (ranBW) hatte noch Diskussionsbedarf, da er gegen einen Abriss war. Denn eine „weitere Brache, die nur so rumliegt“, könne sich die Gemeinde als Leerfläche nicht mehr leisten. Das Haus sei immer noch schöner, als ein „weiterer Schuttplatz“.

Sissi Mereis, zuständig für das Thema Asyl in der Gemeinde, warnte dagegen davor, das Gebäude als Ruine stehen zulassen. Denn sie musste bei einer Begehung feststellen, dass jemand in das Haus eingestiegen sei und sich künftig dort ein Vandalismus breit machen könnte. Diesem könnte man mit einem Abbruch „entgegenwirken“. Ähnlich wie beim ehemaligen Hotel Edelweiß.

Begrünung statt Partyräume

Dass die Gemeinde eine „Verkehrssicherheitspflicht hat“, daran erinnerte Bernd Kuntze-Fechner (SPD). Gerne hätte man das Haus den unbegleiteten Jugendlichen länger zur Verfügung gestellt, so Höß, denn alle hätten in der näheren Umgebung inzwischen Arbeits- oder Ausbildungsplätze gefunden. „Es war eine ganz bittere Zeit im Dezember, das Haus zu räumen“. Die Jugendlichen wären „so traurig gewesen“, weil sie woanders „hinziehen mussten“.

Doch für ein Dableiben habe es „leider keine Möglichkeit“ gegeben. Ihm wäre lieber gewesen, meinte Höß, wenn die Gemeinde noch um drei Monate hätte verlängern können. Aber bei „dieser Schimmelbildung“ sei dies „nicht mehr vertretbar“ gewesen. Thomas Holzapfel vom Bauamt verwies auf die stete Gefahr von Partys in leerstehenden Gebäuden, bei denen Scheiben und Türen eingeschlagen und Gebäude zusehends verfallen würden, ähnlich der Direktoren-Villa unweit der Wandelhalle. Holzapfel schlug nach dem Abriss die Begrünung mit einem Magerrasen vor, damit es „optisch ansehnlicher“ ist.

Dieses Grundstück könne man auch anderweitig nutzen, schlug Höß vor, „das schadet dem Ortsbild nicht“. Er rief dem Gemeinderat das Ortsbild in Gmund mit der Maximilian-Ruine über Jahrzehnte in Erinnerung. „So was brauchen wir nicht im Zentrum“. Markus Trinkl (Wiesseer Block) machte in seiner Nachbarschaft die Erfahrung, dass es bei einem Haus ohne Menschen „im Winter die Leitung zerreißt“. Das sei „wirklich nichts Ansehnliches mehr“, denn der Verfall eines Gebäudes gehe sehr schnell. „Sauber abräumen und fertig“. Die Mehrheit von elf zu zwei Gemeinderäten sah es genauso.


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