Die Kehrtwende beim Wiesseer Heizwerk

Schon über ein Jahr war absehbar, dass mangels Abnehmern das geplante Hackschnitzelkraftwerk zum Scheitern verurteilt ist. Dennoch hielt die Gemeinde unbeirrt am eingeschlagenen Kurs fest. Jetzt kam die teure Quittung. Ein Kommentar.

Dampffahnen wie die des Heizwerks in Achenkirch bleiben Bad Wiessee künftig erspart. /Foto Klaus Wiendl

Ein Kommentar von Klaus Wiendl:

Mit dem euphorischen Start der Planungen vor zwei Jahren wollte Bad Wiessee der erneuerbaren Energie eine ökologische Marke über das Tal hinaus setzen, Primus in Sachen Klimaschutz werden. Obwohl man weder einen Standort noch feste Zusagen von Abnehmern am Fernwärmenetz hatte, wurde das etwa 6,5 Millionen teure Projekt auf Biegen und Brechen durchgeboxt, sämtliche Warnungen über den Standort am Badepark in den Wind geschlagen. Idealer könne ein Heizkraftwerk direkt bei den Abnehmern nicht liegen, wurde Kritikern entgegnet. Dass es inmitten des derzeit aufgepeppten Kurviertels liege, spielte keine Rolle. Es käme ja nur Wasserdampf aus dem Kamin.

Die Lärmbelästigung der anrollenden Lkws mit Hackschnitzeln zur Befüllung des unterirdischen Bunkers sei nicht unverhältnismäßig. Wichtig sei, dass die beiden potenziellen Großabnehmer, SME für ihr Aktivitätshotel und die Familie Strüngmann mit ihrem geplanten Luxushotel an der Seepromende, nicht abdriften. Denn nur mit ihnen könne das Millionenvorhaben einem Investor schmackhaft gemacht werden. Keinesfalls wollte die klamme Gemeinde das finanzielle Risiko tragen. Dafür hat sie nun ein Minus von 65.000 Euro für die Projektierung und EU-weite Ausschreibung auf dem Konto, obgleich zu diesem Zeitpunkt vor einem Jahr schon die Absage von SME ins Haus flatterte.

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„Wer kommt für die zu erwartenden Defizite auf?”

Obwohl das Projekt nun mit einem verbliebenen Schlüsselkunden schon zum Scheitern verurteilt war, wollte man sich die Niederlage im Rathaus nicht eingestehen. Erst jetzt mit dem Rückzieher von Strüngmann wird das Projekt beerdigt und nach Sprachregelungen für die Blamage gesucht. Eigentlich wollte man doch das Heizwerk dort in der Kurzone nie haben, man denke nur an die Dampfentwicklung im Winter. So steht es jetzt in den „Ungereimtheiten“ bei der Vergabe des Projekts in einem Schreiben der Gemeinde. Es liest sich wie Realsatire pur.

„Wer kommt für die zu erwartenden Defizite auf? Die starken Widerstände seitens der Bewohner des Kurviertels könnten in einem Bürgerbegehren enden. Der Schornstein von 20 Metern und mehr biete kein entsprechendes Bild im Kurviertel. Das Heizwerk würde die bauliche Entwicklung des Areals wegen der Neukonzeptionierung des Badeparks hemmen. Ist das Kurviertel mit dem Luxushotel und dem Jodbad wegen den täglich vier bis fünf Lkw-Anlieferungen wirklich der richtige Standort für das Heizwerk? Die aus Kostengründen feuchten Hackschnitzel erzeugen im Winter eine hohe Dampfentwicklung. Zudem sei es der falsche Standort für eine Befeuerung mit Hackschnitzel“.

Besser kann man es auch als Kommentator nicht formulieren, wie die Mehrheit in den vergangenen Gemeinderatssitzungen die Entwicklungen ignorierte.

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