Fragen an den Kreisvorsitzenden der Jungen Union im Landkreis Miesbach
Die schwarze Jugend und die Korruption

von Martin Calsow

Es läuft aktuell nicht gut für die Konservativen. Bei den jüngsten Landtagswahlen sind sie herbe abgewatscht worden. Auch ein Grund: Korruption und Inkompetenz auf Bundesebene. Wie wirkt das auf die jungen PolitikerInnen in unserem Landkreis, die eigentlich die Zukunft der Partei bedeuten könnte. Der Kreisvorsitzende der Jungen Union Miesbach stellte sich.

Thomas Klotz ist der Kreisvorsitzende der Jungen Union im Landkreis Miesbach.

Auf Bundes- wie auch auf Landesebene wirken die Akteure der Konservativen erschöpft und sind aktuell von Affären geschüttelt. Bürger empfinden Ursula von der Leyens Handeln als inkompetent, Angela Merkels Beschwichtigen als ignorant und Markus Söders Kurs als herrisch und schlingernd. Wie wirkt das auf junge PolitikerInnen im Landkreis Miesbach? Thomas Klotz, Kreisvorsitzender der Jungen Union (JU) Miesbach, stellte sich unseren Fragen.

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Die Konservativen in Bayern wie auch in anderen Bundesländern wirken angezählt. Wie treffen Dich als Mitglied der Partei, aber auch als junger Konservativer solche Fälle von möglicher Bereicherung und Vorteilsnahme?

Thomas Klotz: Mich nerven diese persönlichen Verfehlungen einzelner massiv. Durch ihr unmoralisches Verhalten bringen diese Abgeordneten eine ganze Partei, in diesem Fall eine Fraktion, in Misskredit. Die guten Ideen geraten in den Hintergrund. Gerade in diesen Pandemie-Zeiten sind alle sehr angespannt, sowohl die Politiker als auch die Bevölkerung.

Unverständnis für solche Fehltritte

Jeder Patzer wirft ein schlechtes Licht auf die gesamte Partei. Das ist ungerecht, lässt sich aber nicht vermeiden. Wichtig ist jetzt, dass das alles aufgearbeitet wird und der Wahlkampf für die Bundestagswahl davon nicht überschattet wird.

Musst Du das nach außen hin im Landkreis oder selbst im Freundeskreis erklären? Wirst Du darauf angesprochen?

Klotz: Ja klar wird man auf das angesprochen. Gerade vorhin hab ich mit meiner Oma am Telefon darüber diskutiert. Mir liegt es fern, diese Vergehen zu beschönigen oder zu rechtfertigen. Ich selbst kann es nicht verstehen, wie man in dieser Situation nur daran denken kann, sich selbst zu bereichern. Wer sich solche Fehltritte leistet, hat zu gehen. Ich bin auch froh, dass in der Partei ganz offen so darüber gesprochen wird.

Du bist noch nicht einmal 35 Jahre alt und das ist der zweite Skandal in Deiner Partei (Kreidl/Bromme) binnen weniger Jahre, den Du miterleben musst. Immer wird von Aufarbeitung danach gesprochen. Aber es wirkt doch, als sei es nahezu systemisch. Muss das für Dich nicht frustrierend sein?

Klotz: Zum Zeitpunkt der Kreidl-Bromme-Affäre war ich noch als Journalist tätig und nicht Mitglied der CSU. Ich hab damals selbst darüber berichtet. Natürlich ist es frustrierend, wenn es einzelne verbocken und alle in der Partei darunter leiden müssen. Aber die Grundsätze der CSU sind sehr klar. Die unterstütze ich. Ich bin in der CSU, weil ich dieser politischen Grundüberzeugung anhänge. Nicht wegen der Nüßleins und wie sie alle heißen. Die CSU hat sich selbst auch Transparenz-Richtlinien gegeben, schon vor mehreren Jahren. Diese müssen nun noch sorgfältiger bedacht werden.

Man darf jetzt aber auch nicht hinter jedem Mandatsträger einen egomanischen, machtversessenen Gierschlund sehen.

Ich finde, wir haben sehr viele gute Politiker in der Union, von der kommunalen bis zur Bundesebene. Die allermeisten werden auch dem Ideal eines wahren Politikers nach Max Weber (den ich in vielerlei Hinsicht schätze) gerecht: Verantwortungsgefühl, Augenmaß und Leidenschaft für die Sache.

Aber gibt es nicht so etwas wie einen konservativen Überbau, der Begriffe wie Ehre, Staatstreue, Recht und Ordnung stärker betont als andere? Als Außenstehender wirken die aktuellen Konservativen wie Dienstleister, die Politik nach Tageslage, aber weniger aus Überzeugung, aus einer inneren Haltung heraus machen? Ist das nicht der Nährboden für Raffkes?

Klotz: Da wären wir jetzt bei der Weberschen Unterscheidung zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik. Es stimmt, dass sich derzeit viel an den tagesaktuellen Ereignissen orientiert. Das hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Aber konservativ sein, heißt auch, die eigenen Positionen zu hinterfragen. Und das ist absolut richtig. Was vor 40, 50 Jahren konservativ war, ist heute – Gott sei Dank – undenkbar. Als Beispiel fällt mir hier die Rolle der Frau ein.

Was ist das Beste für die Menschen?

Ich bin froh, dass es einen Wandel gibt und altes Denken hinterfragt wird. Hat es bestand, muss es bewahrt werden. In Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung muss man sich jedoch ständig hinterfragen: Was ist das Beste für die Menschen? Da helfen einem die Gedanken von Strauß und Adenauer nicht immer sofort weiter. Nichts desto trotz gilt: Zu den konservativen Werten, die Du ansprichst, hat man zu stehen als konservativer Politiker. Und man hat sie einzuhalten. Dazu gehören nun einmal Eigenschaften wie Aufrichtigkeit, Mut, Treue.

Eine letzte Frage: Jetzt, nach einem Jahr in der Pandemie, wie beurteilst Du die Politiker deiner konservativen Vertreter auf Bundes- und Landesebene? Was lief/läuft gut, was lief/läuft schlecht?

Klotz: Ich finde, das ist sehr von den jeweiligen Personen abhängig. Wir haben viele Politiker, wie unseren Landrat Olaf von Löwis, mit einer unglaublichen Zuversicht, dass wir diese Pandemie überstehen werden, Probleme lösen. Bei anderen, vor allem auf Landes- oder Bundesebene, vermisse ich die Perspektive.

Nach einem Jahr Pandemie kann es nicht unser Patentrezept sein, dass wir einfach alles dicht machen.

Es gibt sehr viele, die darunter leiden: Mein Wirt, weil ich nur ab und zu etwas “to go” hole; meine Familie und Freunde, weil man sich sehr viel weniger sieht – und dann auch nur kurz und vereinzelt. Zuversichtlich sollte hingegen mein Fitnessstudio sein, nach all diesen Monaten im Lockdown werde ich wohl ein treuer Kunde bleiben müssen. Aber Spaß beiseite.

Mir fehlt oftmals die Perspektive, zumal vieles auch nicht nachvollziehbar ist, etwa das Festhalten an der Impfreihenfolge, obwohl der AstraZeneca-Impfstoff in manchen Gegenden vergammelt. Eine absolut schlechte Figur macht meiner Einschätzung nach die Europäische Union. Sie spielt kaum eine Rolle. Und was in Brüssel angepackt wird, funktioniert nur so halb bis gar nicht. Für mich als glühenden Europäer ist das sehr schade.

Lieber Thomas, ich spare mir Fragen nach Andi Scheuer und dessen Zukunft… Vielen Dank für das Gespräch.

Klotz: Ich sag Danke. Vor allem für die ausgelassenen Fragen.

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