Geht das Tegernseer Hallenbad baden?
30 Millionen für ein Hallenbad

Noch immer kreisen Arbeitskreise (!) um den Traum eines Hallenbads im Tegernseer Tal. Nur voran geht es nicht …

Na? Wer hat genug Fantasie für ein Schwimmbad? Foto: Redaktion.

Michael Bourjau ist ein freundlicher Mensch. Der Tegernseer Stadtrat war lange und erfolgreich als Unternehmensberater tätig. Präsentationen mit bunten Bildern und duften Bullet-Points sind seine Spezialität. Der 63-Jährige sitzt für die Stadt Tegernsee im berüchtigten Arbeitskreis ‘Hallenbad’. Das Gremium hat Schulklassengröße. Jede, der fünf Tal-Gemeinden, sowie aus Waakirchen, wurden Delegierte entsandt. Sie sollen eine – für alle – finanziell tragfähige Lösung für den Neubau eines interkommunalen Hallenbades auf den Weg bringen. Es soll auf dem Gelände des alten, nunmehr abgerissenen Badeparks, entstehen.

Doch der Kostenbrocken, den es zu verhandeln gilt, ist massiv. Der Gmunder Bürgermeister, Alfons Besel, sprach kürzlich von bis zu 30 Millionen Euro allein für den Bau. Aber, so die Expertise, sind das nur etwa 30 Prozent der Gesamtkosten. Der weitaus größte Kostenpunkt wird der Unterhalt sein. Hier müssen sich die Gemeinden auf jährliche Defizite im zweistelligen Bereich einstellen. Schwimmen im Tegernseer Tal wird für alle sehr teuer werden.

Michael Bourjau soll es richten

Und so hat sich Michael Bourjau breitschlagen lassen, und bringt seine Expertise ein: “Mir war es wichtig, Wahrheit in die Diskussion zu bringen. Ich wollte einen soliden und einfachen Finanzierungsvorschlag für alle Beteiligten erstellen.” Den genauen Aufteilungsschlüssel verrät Bourjau nicht. Denn noch sind die Gremien der Kommunen darüber nicht informiert worden. Lediglich die Teilnehmer des Arbeitskreises, also auch die Bürgermeister, wissen von Bourjaus Vorschlag.

Angeblich soll das Papier auch von jenen Kommunen, die nicht so vermögend wie Rottach-Egern oder Tegernsee sind, als “fair” aufgenommen. Nun wird erst einmal der Vorschlag in einer talweiten Gemeindesitzung vorgestellt. Danach geht es zurück in die Gremien der Kommunen, und erst dann gibt es vielleicht grünes Licht für weitere Schritte: Eine Fertigstellung bis 2026 ist somit utopisch.

Robert Kühn und der Abriss des alten Badeparks

Robert Kühn, Bürgermeister aus Bad Wiessee, hat den Abriss des alten Badeparks zu verantworten. Das hatte gute Gründe: Der Badepark war einst der Ort, an dem Generationen von Talkindern das Schwimmen erlernten. Hier konnte die Wasserwacht im Winter für ihre Einsätze im Sommer trainieren. Nur: Das Bauwerk fraß sinnlos Energie, war in der Substanz kaum mehr renovierungsfähig. Ein Bürgerentscheid versprach einen schnellen Aufbau. Die Bürgerinnen und Bürger stimmten im September 2020 für den Abriss. Dann kam die Pandemie, der Ukraine-Krieg und die immense Steigerung der Energie- und Baukosten. Seitdem sieht es neben dem schicken Jodschwefelbad öd und leer aus. Bürgerinnen und Bürger Wiessees beklagen diesen Zustand bei jeder Bürgerversammlung. Viele Jahrgänge von Kindern könnten nicht oder nur unzureichend schwimmen lernen, die Wasserwacht-Vereine um den See müssen im entfernten Holzkirchen zuweilen trainieren.

Mehr Tempo bei den Entscheidungen wird wohl auch ein frommer Wunsch bleiben. Nach und nach wächst die Zahl der Skeptiker, in den Gemeinderäten, angesichts der Folgekosten. Das ist ein budgetärer Wackerstein für die Kämmerer in den Tal-Kommunen. Da wird schnell auf andere gezeigt, die die Rechnung doch leicht tragen könnten. Aber auch vermögende Kommunen wie Tegernsee werden in den nächsten Jahren massive Investitionen tätigen müssen. Es ist ein langer und zäher Prozess zwischen derzeit sechs, sehr unterschiedlichen Kommunen. Auch deswegen suchte man kürzlich einen Moderator, der diese Gruppen führt und unterstützt. Aber diese Idee wurde verworfen.

Es ist ein dickes Brett, das die Gemeinden hier bohren wollen. Noch ist man unter (Chlor)Wasser. Zeit zum Auftauchen und Luft holen soll Bourjaus Vorschlag sein. Der Traum mancher älterer Bürger nach einem Badepark 2.0 mit Sauna und Gastro ist auf jeden Fall unrealistisch. Das machte Bürgermeister, Robert Kühn, erst jüngst in einer Bürgerversammlung deutlich. Bad Wiessee hat zudem auch noch andere Großprojekte wie den Umbau des Gasthofs zur Post auf der Agenda. Und auch in Tegernsee sieht man angesichts des eigenen Saunaangebots das Hallenbad als Träumerei.

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