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Gemeinde will Kosten für Jahreskarte übernehmen

Freie Fahrt für Wiesseer Senioren?

Da das Tegernseer Tal zunehmend im Verkehr erstickt, wurden schon zahlreiche Anträge im Wiesseer Gemeinderat gestellt, wie den Staus beizukommen sei. Nun soll dieses Ziel mit Freifahrten für einheimische Senioren und Jugendliche beim RVO erreicht werden. Doch wird damit das Problem gelöst?

Dürfen Senioren in Wiessee bald kostenlos Bus fahren? Quelle: Lukas Saak

Zuletzt hatte die SPD im Gemeinderat die Verwaltung im Rathaus beauftragt, die Einführung einer Talkarte für alle Wiesseer Bürger zu prüfen. Das Ergebnis war ernüchternd. „Zu teuer und nicht zuständig“. Denn für den ÖPNV sei der Landkreis zuständig. Doch im Rathaus ließ man das Thema nicht ruhen und machte nun gestern dem Gemeinderat einen eigenen Vorschlag: „Die mögliche Einführung einer kostenlosen Seniorenkarte ab dem Jahr 2020 für Strecken des RVO“. Eine Teilfinanzierung soll über die erhöhten Parkplatzgebühren erfolgen. Deren Ziel sei es, „steuernd auf das Verkehrsaufkommen einzuwirken“, so Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) bei der Vorlage des Berichts durch Geschäftsleiter Hilmar Danzinger.

Nachdem die Kämmerei mit Mehreinnahmen aus den Parkplatzgebühren rechne, so das Rechenexempel der Verwaltung, könne man den 1.400 Wiesseer Senioren über 67 Jahren mit Erstwohnsitz eine kostenlose Jahreskarte für den RVO anbieten. Wenn alle Senioren sie beantragen würden, entstünden der Gemeinde Kosten von etwa 250.000 Euro. Man gehe aber davon aus, dass nur etwa 50 Prozent der Senioren Freifahrttickets des RVO nutzen würden, so Danzinger, „da manche sich das Autofahren einfach nicht nehmen lassen, weil es Spaß macht und eine Art von Freiheit darstellt“. Zumal auch die Beantragung einer solchen Karte einen gewissen Aufwand erfordere. Unterstellt worden sei bei den Berechnungen auch, dass Einheimische wohl damit eher Besorgungsfahrten machen würden, als Übernachtungsgäste, die mehr zu den Sehenswürdigkeiten mit dem Bus fahren.

Betagte Senioren kommen nicht mehr in den Bus

Letztlich würden sich die Kosten der Gemeinde für die Seniorenkarte auf geschätzte 70.000 Euro reduzieren. Dieser Betrag würde sich laut Danzinger mit den Mehreinnahmen des Kämmerers aus den Parkgebühren decken. Mit dieser Seniorenkarte könnte man nicht nur den ÖPNV „schön unterstützen“, sondern auch die Ringlinien des RVO besser auslasten. Da dies nicht so teuer für Bad Wiessee sei, hoffe man im Rathaus, dass sich auch andere Talgemeinden dieser Idee anschließen. „Damit wäre ein schöner Anfang gemacht, um die Taktzahlen des RVO zu erhöhen“, dies stehe als Idee dahinter, so Danzinger, um auch den Gemeinderat dafür zu gewinnen.

Jupp Brenner (FWG) überzeugte das Konzept nicht. „Das finde ich einen Schmarrn, denn die Senioren fahren ja eh nicht“. Wenn doch, solle man ihnen eine Jahreskarte für 50 Euro wie beim Skilift anbieten. „Die 70- und 80-Jährigen kommen doch gar nicht mehr in den Bus rein“. Wenn mache es nur Sinn, „zack“, wenn jeder ab 67 so eine Jahreskarte für den Betrag X bekomme. Damit wären laut Brenner die Kosten auch gedeckelt. Bei der Jahreskarte für den Skilift sei es ähnlich, „einer fährt mehr, ein anderer weniger“. Nur so funktioniere es. Alles andere „ist viel zu kompliziert“, erregte sich Brenner.

Führerscheinabgabe?

Höß versuchte den Ball flach zu halten. „Es war eine Überlegung der Verwaltung, denn niemand habe das Thema bisher angepackt“. Mit einem Beschluss aber des Gemeinderats könne man es „am Laufen halten“. Wenn niemand damit anfange, „kommen wir nicht voran“, so Höß. Dafür müssten die Senioren auch ihren Führerschein nicht abgeben. „Das wäre schon ein starkes Hindernis für die Einführung einer Jahreskarte“, meinte Danzinger. „Um Gottes Willen, das ist für uns kein Thema“, beruhigte Höß die Senioren auch am Ratstisch.

Kurt Sareiter (CSU) wunderte sich, für was die Erhöhung der Parkgebühren alles herhalten soll. Denn auch für die Erneuerung des „Badeparks sollte sie teilweise herangezogen“ werden. Trotz einer schwierigen Kostenschätzung der Seniorenkarte war Sareiter dafür, sie in einer Testphase einzuführen.

Sie sei ein „lange fälliger Schritt“, so Höß, da die Bürger zuschauen würden, „wie der Gast kreuz und quer kostenlos durch den Landkreis fahrt“. Das stimme so nicht, entgegnete Birgit Trinkl (Wiesseer Block), „Gäste zahlen eine Kurtaxe“.

Freifahrten auch für Jugendliche?

„Schüler“ sollte man noch mit einbeziehen, regte Sareiter ergänzend an. Brenner erweiterte den Kreis auf „Jugendliche“. Bei der „unklaren Kostenbelastung“ schlug Thomas Erler (CSU) zunächst eine zeitlich befristete Einführung vor. Ein „Kompliment für die Ausarbeitung des Vorschlags“, zollte Rolf Neresheimer (ranBW), Klimaschutzbeauftragter der Gemeinde. Wie Sareiter warb auch er dafür, dass es ebenso für die Jugend ein solches Angebot des kostenlosen ÖPNV in Ergänzung zur Schülerkarte geben müsse.

Für Bernd Kuntze-Fechner (SPD) sollte „von diesem Tisch ein Signal ausgehen, dass wir eine solche Möglichkeit mit einer Befristung unterstützen“. Eine „tolle Geschichte“ sei das, befand Markus Trinkl (Wiesseer Block). Damit könnten Wiesseer Bürger ohne Auto auch „mal umsonst fahren“. Da so viele Gelder ausgegeben würden, werde man das schon „irgendwie stemmen“. Von dieser tollen Idee könne man sich „talweit eine Scheibe abschneiden“. Ingrid Versen (CSU) ging es vor allem um eine Verkehrsberuhigung, die damit erreicht werden könne. Gäste würden es schätzen, wenn sie ihr Auto stehenlassen könnten. „Daher ist dies eine tolle Sache, die man nur ausweiten kann“.

Der Ursprung der Parkgebührenerhöhung sei ein anderer gewesen, erinnerte Georg Erlacher das Gremium. Sie sollte eigentlich dem Erhalt von Forst- und Wanderwegen gelten. „Ich hoffe, dass hier noch ein Umdenken stattfindet“. Noch schöner wäre es für Erlacher, „wenn eine talweite Karte für Senioren und Jugendliche“ zustande käme. Für die Entwicklung einer Senioren- und Schülerkarte war der Gemeinderat einstimmig zu haben. In einem nächsten Schritt soll dann die „Kostendeckelung“ vorgestellt werden.


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