FFP2 Maskenpflicht in Supermarkt und Nahverkehr

Für wen gilt’s und wer zahlt’s?

Von Sabiene Hemkes

Trotz hartem Lockdown und vielen Einschränkungen des öffentlichen Lebens sind die Infektionszahlen weiterhin hoch. Die bayerische Landesregierung hat deshalb nun kurzfristig eine FFP2-Maskenpflicht in öffentlichen Bereichen eingeführt. Aber ist das umsetzbar? Gibt es genug Vorrat im Tegernseer Tal? Und wie lange kann ich die eigentlich tragen?

FFP2 Masken mit korrekter Bezeichnung und Zertifizierung.

Am 28.04.2020 haben wir auf der Tegernseer Stimme Tipps veröffentlicht, wo man am besten Masken kaufen und so lokale Händler unterstützen kann. An diesem Tag im April trat bei uns in Bayern die Maskenpflicht in Kraft. Jetzt, knapp achteinhalb Monate später, wird diese durch die Landesregierung verschärft.

Beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmittel ist ab dem 18.01.2021 das Tragen einer FFP2-Maske Pflicht. Aber warum? Das Hauptargument von Ministerpräsident Markus Söder: Der Unterschied zwischen einer herkömmlichen oder selbstgebastelten Stoff- oder Vlies-Mund-Nasen Bedeckung und der FFP2-Maske ist der erhöhte Schutz des Trägers vor einer Ansteckung. Bei den herkömmlichen Masken ist dieser Eigenschutz nur bedingt gegeben.

Ausgenommen von der neuen FFP2-Schutzmaskenpflicht sind Kinder unter 15 Jahren. Auch Angestellte in Geschäften sind nicht davon betroffen, die Regel gilt nur für Kunden. Verstöße gegen die neue Pflicht sollen zudem in der ersten Woche nicht geahndet werden. Bußgelder müssen also erst ab dem 25. Januar gezahlt werden. “Aber wir appellieren an alle, dass sie sich möglichst bald daran halten”, erklärte gestern Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU).

Es sind genug Masken im Tal vorrätig

Die Apotheker im Tal zeigen sich überrascht über die erneute Verschärfung der Auflagen in Bayern. “Diese Maßnahme wurde uns im Vorfeld nicht von der Staatskanzlei angekündigt”, berichtet Klaus Deutinger von der Leonhardi Apotheke in Kreuth. Anders, als noch zu Beginn der Pandemie oder zum Beispiel bei der Gratisausgabe an Senioren im Dezember, sehe er aber kein Problem, die Nachfrage zu decken. Ähnlich schätzt auch sein Kollege Karl Wolfgang Schotte von der Klosterapotheke in Tegernsee die Lage ein:

Wir bemerken seit gestern eine verstärkte Nachfrage. Im Moment haben wir aber eine sehr gute Versorgung durch unseren langjährigen Lieferanten. Es wird zu keinen Engpässen bei uns kommen!

Wichtig sei vor allem die richtige Handhabung der Maske. Der gesamte Mund-Nasen-Raum müsse abschließend bedeckt sein, damit keine Luft an den Öffnungen eindringen kann, erklärt Schotte. Am Anfang sei das etwas anstrengend mit dem Atmen, “aber daran gewöhnt sich die Mehrzahl der Kunden schnell.” Zudem seien Käufer bei der individuellen Anpassung der Maske anfangs noch etwas unsicher, berichtet der Kreuther Apotheker und betont: “Wir erklären jedem alles genau.”

Beide Apotheker warnen jedoch ausdrücklich vor einer falschen Sicherheit, die durch das Tragen der FFP2-Maske entstehen könnte. Auch mit Maske bleibe ein Risiko, sich mit Corona anzustecken. Daher sei auch weiterhin auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln zu achten.

Kostenpunkt…

Besonders in den sozialen Medien wurde seit einigen Tagen aber auch über den angeblich horrenden Preis der zertifizierten Masken diskutiert. Auch hierbei sind sich die Apotheker einig: “Keine FFP2-Maske muss fünf Euro kosten. So ein Preis ist völlig überteuert”, sagt Schotte. Im Schnitt koste die zertifizierte FFP2-Maske in der Apotheke zwischen zwei und drei Euro. Dabei werden die Kosten für die Maske allerdings nicht von der Krankenkasse übernommen.

Doch wie lange hält so eine zertifizierte Maske eigentlich? Grundsätzlich lässt sich sagen: Mit einer FFP2-Maske kann man etwa acht Stunden einkaufen gehen oder mit dem Bus fahren. Danach muss die Maske entsorgt werden. Besitzt eine Person also zehn Masken, bedeutet das zirka 80 Stunden für’s Einkaufen oder den öffentlichen Verkehr.

Zudem teilte Söder gestern offiziell mit, dass der Freistaat Bayern 2,5 Millionen FFP2-Masken an Bedürftige ausgeben wird. Diese sollen bis spätestens Ende der kommenden Woche durch die Landkreise verteilt werden. Personen mit Grundsicherung und ohne gesichertes Einkommen sollen dann fünf Masken erhalten.

Kein Gutschein – keine Gratis Masken?

Wie im berichtet, galt außerdem im Dezember, dass Senioren und Bürger mit speziellen chronischen Erkrankungen von Dezember bis März insgesamt 15 FFP2-Masken vergünstigt vom Bund erhalten. War die Abgabe im Vorjahr noch frei und gratis, erhalten die betroffenen Personen seit dem 07.01.2021 die Masken jedoch nur noch gegen einen von der Bundesdruckerei erstellten Coupon und die Zahlung von zwei Euro in den Apotheken.

Zahlreiche Medien berichten nun aber vermehrt von Problemen beim Druck der fälschungssicheren Coupons. So meldet die AOK in einer Pressemeldung Anfang Januar von Schwierigkeiten bei der Bundesdruckerei. Auch nach Einschätzung des Deutschen Apothekerverbandes hakt die Ausgabe der notwendigen Gutscheine für die FFP2-Masken, wie Verbandssprecherin Ursula Sellerberg gegenüber dpa bestätigte.

In diesem Zusammenhang erklärt auch der Kreuther Apotheker Klaus Deutinger: “Wir haben ebenfalls erst zwei Gutscheine bekommen”. Viele Kunden würden noch auf den Brief von ihrer Krankenkasse warten. “Aber zum Glück leben wir auf dem Land und kennen unsere Kunden”.


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