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Ein Kommentar zur Informationspolitik des Landratsamtes

Galoppierende Info-Sucht

Von Martin Calsow

Verschwiegenheit hat im Landratsamt Miesbach eine lange Tradition. Landrat Wolfgang Rzehak und seine PR-Truppe geben eine unglückliche Figur beim aktuellen TB-Fall eines Eriträers ab. Kann beim allgemeinen Chaos derzeit passieren. Sollte aber ein Einzelfall bleiben, findet unser Kommentator.

Warten im Gang: Asylbewerber gehen im Landratsamt ein und aus. Doch die Informationspolitik der Behörde sorgt zunehmend für Kritik / Archivbild
Asylbewerber gehen im Landratsamt ein und aus. Dabei sorgt die Informationspolitik der Behörde für Kritik.

Ein Kommentar von Martin Calsow
Der hat die Motten. Den Ausdruck kennen nur noch die Älteren. Er stand für Tuberkulose. Einer bakteriellen Infektion, bei der noch vor hundert Jahren Abertausende weltweit starben. Aber heute ist TBC bei den Jüngeren unbekannt. Deutschland hatte sich von dieser Geißel befreit. Seit 1998 wird nicht mehr dagegen geimpft.

Jetzt hat sich ein Eriträer, der in Tegernsee lebte, infiziert. Im Chaos der Zuständigkeiten ist seine Erkrankung von den Behörden nur unzureichend „behandelt“ worden. Helfer und Mitbewohner der Turnhalle in Tegernsee wurden per Aushang informiert!

Bei TB sollten die Alarmglocken klingeln

Das ist schlampig. Bürger verstehen, dass den Mitarbeitern des Landratsamts, der Regierung Oberbayern und auch den Gemeinden das Wasser bis zum Hals steht. Aber bei einer Infektionserkrankung müssen die Alarmglocken klingen. Das nennt sich Fürsorgepflicht, gerade gegenüber den willigen Helfern ist es verantwortungslos.

Salamimäßig Infos herauszugeben, um angeblich Panik zu vermeiden, ist nicht nur ungeschickt, sondern in diesem speziellen Fall fahrlässig. Ob die Erkrankung Wasser auf den Mühlen der Verschwörungsfreunde sein könnte, ist dabei zweitrangig. Die nehmen alles, um ihren Hasshunger zu füttern.

Keine Abschottung

So bleiben Fragen: Warum hat das Landratsamt den Fall nicht pro-aktiv bekanntgegeben? Warum kann der Eriträer danach „abgängig“ sein? Was macht das Landratsamt zukünftig bei solchen Fällen?

Infektionskrankheiten und mangelnde Information – da ist Angst vorprogrammiert. Dazu kommt der Unwille, Asylbewerbern eine eigene Stimme zu geben. Der TS ist der Zugang zur Turnhalle verweigert worden. Doch die Asylbewerber abzuschotten, kann nicht das Ziel sein. Dann verlassen sich die Menschen auf die Gerüchte vom bösen Fremden. Bürgermeister Hagn macht das handfester und klarer. Etwas von seinem pragmatischen Handeln wünscht man sich auch in Miesbach.

Angst kann sich in Abstand und Ablehnung zu den Flüchtlingen zeigen. Braucht kein Mensch derzeit. Dabei hat das tröpfchenweise Herausgeben von Informationen im Miesbacher Landratsamt eine lange, leidvolle Tradition. Eine Tradition, die Wolfgang Rzehak durchbrechen kann – wenn er denn will.


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