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Tegernsee-Aspekte zu Bayern seit 1818

Greithers „unkonventionelle Spurensuche“

Wie berichtet tagt seit Montag der Ensheimer Kreis im Hotel Westerhof in Tegernsee. Hotelbesitzer Andreas Greither legte bei seinem Vortrag heute weniger Wert auf wissenschaftliche Akribie. Die subjektive Sichtweise war ihm lieber.

Der CDU-nahe Ensheimer Kreis im Glasbau von Greithers Westerhof. / Foto: K. Wiendl

Als Thema hatte sich Greither die „Tegernsee-Aspekte im Zeichen der 200-jährigen Verfassung des Freistaates und des 100-jährigen Bestehens Bayerns“ gegeben. Etwa 50 angereiste Mitglieder des Ensheimer Kreises aus ganz Deutschland schickte Greither in seinem gläsernen Tagungsraum auf einen sehr persönlichen Exkurs bayerischer Geschichte am Tegernsee.

Angefangen mit der Gründung des Klosters durch die Benediktiner und der Veränderung des Tals durch die Wittelsbacher, denen auch Schloss Ringberg zu verdanken sei, kam der begeisterte E-Auto-Fahrer schnell auf die Segnungen der Technik. Als Beispiel nannte er den Bauingenieur Oskar von Miller, der die Elektrizität förderte, das Deutsche Museum in München baute und in Bad Wiessee lebte.

Familie Millers Verdienst

Dessen Vater, Ferdinand von Miller, schuf 1851 als Inspektor der Königlichen Erzgießerei in München die Bavaria über dem Oktoberfest. Auch die Quadriga auf dem Siegestor stammt aus Millers Erzgießerei. Und die Türe des Capitols in Washington soll ein Tegernseer gegossen haben, der als Gießer bei Miller lernte.

Man könne aber nicht nur den Fortschritt mit Bayern verbinden, „denn Herzog Karl wollte unbedingt die Eisenbahn an den Tegernsee verhindern“. Erst nach dessen Tod wurde das Projekt wieder aufgegriffen. 1883 brachte die Eisenbahn die ersten Sommerfrischler aus München. Auch dies sei ein Verdienst der Familie Miller gewesen.

Von Thoma zu den Nazis

Dann spinnt Greither einen Bogen zu den Volksschriftstellern. Im Rottacher Friedhof seien die Gräber von Ludwig Thoma und seinem Freund Ludwig Ganghofer anzutreffen. Im Tal der Poeten machten beide auch Bekanntschaft mit Thomas Mann, der das Tegernseer Tal durch seine Eltern kennenlernte. „Im Jahr 1918 wohnte Mann kurze Zeit auch im Ortsteil Abwinkl von Wiessee“, berichtet Greither.

Hotelier Andreas Greither zu Bayerns Geschichte im Tal. / Foto: K. Wiendl

„In Rottach lebte auch die Sängergröße Leo Slezak, der in der Metropolitan-Oper in New York Begeisterungsstürme ausgelöst hat“. Wenig später sei dann die Zeit gekommen, unter der Tegernsee gelegentlich noch leide, als mit den Nazis der Schimpfname Lago di Bonzo einkehrte. 1934 habe es dann den Röhm-Putsch gegeben, bei dem die Nationalsozialisten die Führungskräfte der SA einschließlich des Stabschefs Ernst Röhm ermordeten.

Die Nacht der langen Messer

In der sogenannten „Nacht der langen Messer“ von 30. Juni auf 1. Juli wurden Röhm und weitere auf Hitlers Anweisung im Wiesseer Hotel Hanselbauer, dem späteren Hotel Lederer, zusammengerufene Funktionäre der SA-Führung verhaftet und – zum Teil noch in derselben Nacht – ermordet. Greither berichtet auch von einem Vermächtnis Hitlers, das dieser noch am 1. Mai 1945, dem Tag seiner Hochzeit mit Eva Braun, geschrieben habe.

„Sie ahnen es schon, sowohl die Heiratsurkunde und das Vermächtnis ist natürlich in Tegernsee aufgetaucht“, so Greither. Am 8. Mai hätten die Amerikaner dann die Urkunden seinem Onkel abgenommen, der mit Hitlers Adjudanten befreundet und ihm behilflich war, die Dokumente zu verstecken. „Wir haben schon immer ganz seltsame Beziehungen und ungewöhnliche Momente am Tegernsee erlebt“.

Das Tegernseer Gymnasium und seine Absolventen

Eine ungewöhnliche Karriere hätten ein halbes Jahrhundert später die Tegernseer Zwillingsbrüder Andreas und Thomas Strüngmann hingelegt. Sie seien zwei der erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands, „die mit ihrer Generikafirma Hexal Geschichte geschrieben, und die Welt der Pharmazie dramatisch verändert haben“, so Medizinerkollege und Nachbar Andreas Greither. Heute hätten die Strüngmanns ein biotechnologisches Imperium aufgebaut.

In seiner Tour d’Horizon, die oftmals mehr einer Werbetour für das Tal glich, kam der geborene Tegernseer auch auf den ehemaligen Bundeskanzler Ludwig Erhard und dessen Bungalow in Gmund zu sprechen. Natürlich durften bei dem Kapitel Politik die legendären CSU-Winterklausuren in Wildbad Kreuth ebenso wenig fehlen wie die Tätigkeit des Rottachers Horst Teltschik als Helmut Kohls Kanzlerberater.

Als Fazit mahnte Greither an, „dass uns heute etwas der Benediktiner-Geist fehlt, der die Ideen nach vorne bringt. Dafür haben wir den Geist der Brauerei“. Für morgen Nachmittag sind CSU-Generalsekretär Markus Blume und der Rottacher Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan als Referenten angekündigt.


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