Taubensteinhaus bekommt neue Pächterin
Harte Zeiten für Hüttenwirtin

von Melanie Süss

Nach nur einer Sommersaison hat das Taubensteinhaus am Spitzingsee eine neue Pächterin. Die Auflagen des Deutschen Alpenvereins sind streng. Ist das für die neue Wirtin zu stemmen?

Das Taubensteinhaus am Spitzingsee

Das Taubensteinhaus liegt auf einer Höhe von 1.567 Meter und gehört dem Deutschen Alpenverein, Sektion München Oberland. Die Hütte befindet sich unterhalb des Schönfeldsattels zwischen Aiplspitze und Rotwand im gut erreichbaren Spitzingseegebiet. Die Sektion München besiegelte im Februar dieses Jahres die Übernahme des Taubensteinhauses von der DAV-Sektion Bergbund München. Damit ging die Hütte in das Eigentum der Sektion München über. Zur Sommersaison 2022 wurde das Haus wieder in Betrieb genommen.

Pächterwechsel nach nur einer Saison

Nach der vollständig abgeschlossenen Sommersaison kehrte Michael Reiser dem Leben als Hüttenwirt wieder den Rücken, wie der Merkur berichtete. Er habe gemerkt, dass der Hüttenbetrieb doch nicht das gewesen sei, was er sich vorgestellt habe. Deshalb habe es eine einvernehmliche Einigung mit der DAV-Sektion gegeben, wie die Pressestelle gegenüber dem Merkur mitteilte.

Am 26.12.2022 übernahm die neue Hüttenwirtin und seit sechs Jahren Pächterin der Schönfeldhütte, Claudia Essendorfer, zusätzlich das Taubensteinhaus. Die 43-Jährige aus Irschenberg hat zuvor jahrelang als Rechtsanwaltsfachangestellte bei einem Notar in Miesbach gearbeitet. Durch ihren Ex-Mann sei sie zur Arbeit in den Bergen gekommen. “Ich kann mir ein Leben im Tal und einen Bürojob nicht mehr vorstellen”, lacht Claudia. Ihre Großeltern hatten in ihrer Kindheit eine Pension, sie sei mit der Bewirtung der Gäste aufgewachsen.

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Das Taubensteinhaus hat eine neue Pächterin. / Quelle: Claudia Essendorfer

Claudia erzählt, dass der Deutsche Alpenverein eine 7-Tage-Woche haben möchte. Bedeutet: keinen freien Tag. Das muss erstmal stemmbar sein, denn laut ihrer Aussage bewirbt der Verein die Hütte sehr stark und lockt viele Gäste an. Die Hütte sei zudem ein optimaler Ausgangspunkt für Wanderungen im Sommer und Skitouren im Winter. “Man muss es einfach gerne machen und dafür leben, sonst ist das relativ schnell überfordernd”, ist Claudia überzeugt. Dennoch betont sie, dass man mit der doch recht großen Sektion einen starken Partner an seiner Seite habe.

Sie dürfe derzeit eine Energiepauschale verlangen, die vollständig den Pächtern zugutekomme. Die liegt bei zwei Euro pro Person für Erwachsene und ein Euro pro Person für Kinder. Die Sektion lasse einen nicht im Stich und helfe bei Problemen. Diese Idee hatte auch Josef Bogner aus Rottach mit seinem Café Gäuwagerl. Auch er wollte einen Euro pro Gast Energiepauschale verlangen. Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) entschied jedoch, dass der Energie-Euro gegen die Preisangabenverordnung verstößt.

Derzeit viele Hürden für Hüttenwirte

Claudia brennt für ihre Arbeit am Berg, das merkt man ihr an. Trotzdem macht auch sie sich ihre Gedanken. Die Zeiten gerade seien alles andere als einfach. Hohe Energiekosten und Einkaufspreise seien nur ein Teil. Zudem werde die Pacht jedes Jahr teurer. Sie betont vor allem auch den gestiegenen Mindestlohn. “Das muss man erstmal bezahlen können”.

Nicht zu vergessen sei natürlich der aktuelle Schneemangel. Wintersport wie Langlaufen und Skitourengehen sind derzeit in weiter Ferne. Der große Schneefall nicht in Sicht. Das bereitet auch der Hüttenwirtin große Sorgen. “Wir sind derzeit dabei, uns zu überlegen, wie wir die Gäste anlocken können. Momentan posten wir auf Social Media ganz viel, dass unsere Wege frei sind und die Leute mit ihren Kindern zum Wandern kommen können. Eventuell bieten wir auch Mondscheinwanderungen mit Fackeln an”, äußert sie.

Trotzdem muss auch sie immer wieder hinterfragen, ob sich der ganze Aufwand noch rechnet, denn “sonst stelle ich mich nicht sieben Tage die Woche hin”. Trotzdem ist sie zuversichtlich und lebt für das, was sie tut. Sie sei einfach glücklich am Berg und wenn sie die Menschen von ihrem Alltagsstress ein bisschen befreien kann.

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