Neue Diskussionen um Waakirchens Dorfmitte
Hartl lässt sich das Sticheln nicht verbieten

von Peter Posztos

Viele Waakirchner sind für den Erhalt einer Grünfläche im Ortskern. Die Gemeinde will dagegen lieber bauen – knapp 30 Wohnungen und Geschäfte. Ein Bürger hat nun einen erneuten Antrag gestellt. Das Ziel: mehr Beteiligung.

Die noch unbebaute Fläche hinter der Sparkasse in Waakirchen – sowohl für Bürger als auch für die Gemeinde ein “Zuckerstück”. /Archivbild

Die Waakirchner Ortsmitte ist ein heiß diskutiertes Thema unter Bürgern und Gemeinde. Nachdem im Laufe des Jahres die Pläne der Gemeinde bekannt wurden, in der Dorfmitte – zwischen Sparkasse und Bäckervoitl-Anwesen – 29 bezahlbare Wohnungen samt Geschäften zu errichten, wurde kurzerhand eine „Bürgerwerkstatt“ ins Leben gerufen. Rund 50 Bürger kamen dabei im Mai überein, dass das “Zentrum” im besten Fall unbebaut und in ihrem Charakter erhalten bleiben sollte. Wie berichtet wurden mit Unterstützung eines Fachbüros acht Alternativ-Vorschläge von den Bürgern gemacht.

Anfang November dann fand auf Drängen des Initiators Michael Futschik eine Bürgerversammlung eigens zu dem Thema statt. Dabei ging es um Themen wie Transparenz, Offenheit und Mitspracherecht. Die rund 300 Interessierten wollten wissen, was mit ihrem Zuckerstück in der Waakirchner Dorfmitte passiert. Vor allem wollten sie eines: mitreden und mitentscheiden. Die von der Gemeinde vorgestellte Planung bezeichneten dann auch nicht Wenige als dürftig oder als zu massiv.

So erklärte Gemeinderat Balthasar Brandhofer: „Es geht doch auch um Lebensqualität, nicht nur ums Geld. Für unser schönes Dorffest brauchen wir beispielsweise auch ein Stückerl vom Grundstück.“ Er schlug vor, nichts übers Knie zu brechen und die Frist der Förderung auslaufen zu lassen. „Lasst Euch nicht vom Zuschuss treiben“, bat auch Hugo Eder. Auch er wolle nicht, dass der Dorfplatz zugebaut werde, obwohl er verstehe, dass Wohnraum gebraucht werde. Sein Vorschlag: Die Bürgerwerkstatt mit einzubeziehen und erst einmal miteinander zu reden.

Mehr Beteiligung

In die gleiche Kerbe schlug Eder auch bei seinem neuerlichen Antrag, der am Dienstag im Gemeinderat vorgelesen wurde. So wünscht er sich mindestens zwei Alternativen für die Bebauung der Dorfmitte. Und er fordert eine Art Gesamtkonzept, bei der alle angrenzenden Grundstücke überplant werden sollen. Dazu sollten, so Eder, auch die beiden Gaststätten sowie das Bäckervoitl-Anwesen und der Pfarrhof gehören. Und er schließt mit der Bitte, dass der Gemeinderat die Bürger intensiver an der Planung teilhaben lassen soll.

Eine Forderung, der Bürgermeister Sepp Hartl zumindest ein wenig nachkommen möchte. Im Januar wird es daher nun – zum ersten Mal seit langer Zeit – eine öffentliche Ortsplanungsausschuss-Sitzung geben. Ob das die Kritiker, teilweise aus den Reihen der eigenen Gemeinderäte, verstummen lässt, ist dabei offen. So betonte Georg Bachhuber, dass es schade sei “dass wir uns im Gemeinderat nicht früher für eine bessere Bürgerbeteiligung ausgesprochen habe. Eders Vorschlag werde doch wieder nur abgebügelt.

So sieht der Entwurf von Hans Hagleitner aus, den die Gemeinde verwirklichen will.

Einen interessanten Transparenz-Ansatz hatte dagegen der neben Hartl sitzende Erwin Welzmiller. Die Bürger hätten doch die Möglichkeit, an den öffentlichen Fraktionssitzungen teilzunehmen. Doch da, so Welzmiller, sei “ja nicht viel los.” Der Bürgermeister nahm das als Stichwort, um in Richtung der angesprochenen Bürger zu sticheln, die man doch eigentlich “mit ins Boot holen” wollte. So vermisst Hartl grundsätzlich sinnvolle Vorschläge zur Dorfmitte.

Das was bisher gekommen ist, hat mich nicht vom Hocker gerissen.

Trotzdem wähnt sich der Rathauschef “auf dem richtigen Weg”. Spannend wird sein, ob die übrigen 5.800 Waakirchner das auch so sehen.


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