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Waakirchens Dorfmitte soll unbebaut bleiben

Was die Bürger wollen bleibt Chefsache

Von Nicole Kleim

Weder die Gemeinde Waakirchen noch deren Bürger wollen die bislang unbebaute Fläche zwischen Sparkasse und Bäckervoitl-Anwesen aus der Hand geben. Nur jeder hat eine andere Vorstellung davon, was damit passieren soll. Die Bürger sind betroffen und bündeln ihre Kräfte.

Die noch unbebaute Fläche hinter der Sparkasse in Waakirchen – sowohl für Bürger als auch für die Gemeinde ein “Zuckerstück”. /Archivbild

Nach der Bürgerveranstaltung im Sportheim Kray am 7. Mai kamen etwa 50 Waakirchner überein, dass Waakirchens Dorfmitte – zwischen Sparkasse und Bäckervoitl-Anwesen – unbebaut und in ihrem Charakter erhalten bleiben sollte. Wie berichtet wurden mit Unterstützung des Fachbüros Identität & Image acht Alternativ-Vorschläge von den Bürgern gemacht, welche Zukunftsperspektive Waakirchens „Zuckerstück“ haben könnte:

Vorschlag 1 – ein Heimatmuseum (Gerhard Voit)
Vorschlag 2 – Bebauung: ja oder nein? (Balthasar Brandhofer)
Vorschlag 3 – ein Mehrgenerationenhaus als lebendiges Miteinander zwischen Alt und Jung (Carsten Schramm)
Vorschlag 4 – Wo gibt es Beispiele für eine lebendige Ortsmitte? (Michael Holzner) – nicht so wie in Gmund, wo alles zugepflastert sei
Vorschlag 5 – Kriterien für eine zukunftsfähige Platzgestaltung, wobei die Dorfmitte als freie Fläche unbedingt erhalten bleiben müsse. „Die Dorfmitte als Begegnungsstätte“ (Lars Hülsmann)
Vorschlag 6 – Raum als Treffpunkt für Vereine (Michael Bichler)
Vorschlag 7 – Unterkunft für Tagespflege (Sabine Dorner von der Diakonie)
Vorschlag 8 – Park mit Skulpturen des Bildhauers Otto Wesendonck (Theresa Obermüller)

Stephanie Pettrich – Vorstandsvorsitzende von „Identität & Image“ war zusammen mit ihrem Kollegen Torsten Zink der Einladung des Waakirchners Michael Futschik gefolgt, der Mitglied der Aktiven Bürgervereinigung ist und die Idee zu diesem Workshop hatte.

Nachdem die Pläne der Gemeinde bekannt wurden, in Waakirchens Dorfmitte 30 bezahlbare Wohnungen samt Geschäften zu bauen, hatte er kurzerhand eine „Bürgerwerkstatt“ ins Leben gerufen. Im Sportheim Am Kray wollte man herausfinden, welches Konzept die Waakirchner wirklich für ihre Dorfmitte wollen. Kritisiert hatte man Bürgermeister Sepp Hartl vor allem dafür, dass „ein so großes Projekt“ in nichtöffentlichen Sitzungen abgesegnet worden war.

Eine Fake-Veranstaltung?

Während Gemeinderatsmitglied Balthasar Brandhofer (ABV) an diesem Abend die grundsätzliche Bebauung der Fläche in Frage stellte, versuchte Pettrich die Situation zu retten, indem sie darauf hinwies, dass ja „noch nichts in Stein gemeißelt“ sei. Sie versprach, alle Ideen und Einsprüche gegen das Projekt an die Gemeinde weiterzuleiten. Ob und wie die Vorschläge allerdings technisch umgesetzt werden, könne sie den Anwesenden nicht versprechen.

Es soll eben die „beste Lösung“ für die Gemeinde herauskommen, versicherte auch ihr Kollege Zink und machte gleichzeitig deutlich, dass es nur Fördergelder für eine Dorferneuerung gebe, wenn man eine Bürgerversammlung organisiere. Ein Satz, der kurz aufhorchen lässt. Wäre es möglich, dass Michael Futschik den Abend nur deshalb selbst organisiert und größtenteils aus eigener Tasche bezahlt hat, um der Gemeinde die staatlichen Zuschüsse für das soziale Wohnbauprojekt zu sichern?

Immerhin hatte ihm die Gemeinde im April dieses Jahres eine Anschubfinanzierung in Höhe von 500 Euro genehmigt. Das Fachbüro Identität & Image, dessen Tagessatz sich bei 750 Euro bewegt, war inklusive Abendveranstaltung knapp fünf Tage mit der Ausarbeitung der Vorschläge beschäftigt. Die Rechnung liegt laut Futschik bei über 3.000 Euro. Eine solche Summe aus eigener Tasche für den Erhalt des Ortscharakters von Waakirchen zu investieren, klingt zu ehrenhaft, als das es wahr sein dürfte.

Futschik will Transparenz

Ist es aber, wie Futschik auf Nachfrage bestätigt. Eine Bürgerversammlung sei nur bei einer Dorferneuerung notwendig, nicht aber bei einem sozialen Wohnbauprojekt. Michael Futschik – Waakirchens D’Artagnon? Mitnichten, sagt er mit einem Lächeln in der Stimme. Im Ort nenne man ihn scherzhaft Che Guevara.

Die Gründung einer Bürgerwerkstatt sei von ihm als ABV-Mitglied ausgegangen, so Futschik. Ihm persönlich habe es einfach an Transparenz in der Gemeinde gefehlt. Für so eine „prägnante Lokalität“ wie Waakirchens Dorfmitte dürfe man seiner Ansicht nach kein Projekt hinter verschlossenen Türen planen. „Die Leute wollen informiert sein“, ist er überzeugt.

Bürgerwerkstatt-Initiator Michael Futschik – der Che Guevara Waakirchens. / Archivbild: N. Kleim

Die acht ausgearbeiteten Bürgervorschläge lägen inzwischen bei ihm auf dem Tisch und sollen noch heute an den Bürgermeister übermittelt werden. An die Teilnehmer des Abends habe er die Ergebnisse bereits samt Unterschriftenlisten verteilt. 300 Stimmen braucht er, um eine Bürgerversammlung ins Leben zu rufen. “Jetzt muss Druck gemacht werden”. Auf jeden Fall bestehe seiner Ansicht nach Diskussionsbedarf, denn die Ergebnisse seien „ja bloß ein Sammelsurium an Ideen“ gewesen. Einen entsprechenden Antrag zur Vorstellung der Ideen werde er zur nächsten Gemeinderatssitzung stellen. Einen weiteren zur Kostenerstattung seiner über 3.000 Euro hohen Rechnung.

Günstigen Wohnraum braucht‘s

Noch sind also keine erkennbaren Ergebnisse und Schritte eingeleitet worden, die Gemeinde vom Erhalt des Ortscharakters ohne Wohnbauprojekt zu überzeugen. Ob die Stimme der Waakirchner letztendlich ausreichend Gewicht hat, um das Gemeindevorhaben zu kippen, bleibt fraglich. Was sich stattdessen dreht, ist die Stimmung im Dorf.

Zumindest hatte Waakirchens dritter Bürgermeister Rudi Reber (ABV), der im Sportheim Kray noch vergeblich versucht hatte, das Gemeindeprojekt an die Tafel zu bringen, den Bürgern Hoffnung gemacht:

Die Veranstaltung hier ist sehr wohl gut. Es ist gut, dass ihr da seid. Ihr habt noch die Chance, etwas zu bewirken.

Unbestritten bleibt die Tatsache, dass der Gemeinde günstiger Wohnraum für Einheimische fehlt. Sozialwohnungen wären zudem ein klein wenig lukrativer als ein „Park mit Skulpturen“ oder ein „Treff für Vereine“. Was die Bürger wollen bleibt also vorerst Chefsache.


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