Alfons Besel im Interview zum Covid-Ausbruch in Gmund
Hot-Spot-Bürgermeister stellt sich

von Martin Calsow

Es ist vieles dumm gelaufen. Eine Sitzung, einige Unvorsichtige ohne Maske: Schon ist der Covid-Ausbruch da. Auch Bürgermeister Alfons Besel, als Sitzungsleiter verantwortlich für das Einhalten der Hygiene-Maßnahmen, ist erkrankt. Aus dem Home Office stellt er sich, hörbar krank, unseren Fragen.

Auf einer Gemeinderatssitzung Ende April infizierten sich mehrere Ratsmitglieder und Bürgermeister Alfons Besel mit dem Corona-Virus. / Quelle li.: Gemeinde Gmund

Lieber Herr Besel, zuerst einmal: Angesichts Ihrer Covid-Erkrankung, wie geht es Ihnen?

Alfons Besel: Ich verspüre deutliche Grippesymptome, insgesamt ist es aber ein harmloser Verlauf.

Sie sind im Home Office, arbeiten. Wäre es nicht besser, einmal zur Ruhe zu kommen?

Besel: Es sind derzeit viele E-Mails und Fragen zu beantworten. Zudem läuft das Rathaus momentan im Notbetrieb. Da kann ich nicht fern bleiben. Und weiter gilt es auch an unseren einzelnen Projekten dranzubleiben, gerade, weil Sitzungen und Gespräche im Mai abgesagt wurden, müssen diese weiter koordiniert werden.

Nun zu den Ereignissen aus der letzten Woche. In einer Gemeinderatssitzung in Gmund haben sich mehrere Teilnehmer angesteckt. Wann haben Sie davon erfahren, dass es mehrere Menschen betrifft? Wie war Ihre Reaktion? Haben Sie das Gesundheitsamt informiert, oder wurde das Gesundheitsamt von einem Besucher der Sitzung informiert?

Besel: Am Dienstag, spät abends, erhielt ich die einzelnen Nachrichten der Betroffenen. Ich war besorgt und habe deshalb gleich am nächsten Morgen um 7.30 Uhr das Gesundheitsamt persönlich informiert. Ob zu einem früheren Zeitpunkt schon jemand anders beim Gesundheitsamt vorstellig wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.

Mögen Sie uns berichten, wie die Reaktionen nach Bekanntwerden des Ausbruchs in Ihrer Sitzung verliefen? Wer und in welcher Form haben sich Bürger, Unternehmer und Kollegen bei Ihnen geäußert?

Besel: Die Reaktionen waren überwiegend rückenstärkend. Das hat mich sehr gefreut. Einige E-Mails erreichten mich von Menschen auch außerhalb unserer Gemeinde, die in wertschätzender Art und Weise ihrem verständlichen Ärger über den Anstieg der Inzidenzzahlen Luft gemacht haben. Diese beantworte ich im Moment.

Bei einigen wenigen Nachrichten erkennt man deutlich den Bedarf nach einem Ventil in diesen Zeiten.

Nach unseren Informationen ist der Gmunder Ausbruch auf keinen Fall der alleinige Grund für den Inzidenz-Anstieg, der ja gegenläufig zum Bundestrend ist. Wie erklären Sie sich die Erhöhung?

Besel: Dazu kann ich leider keine Aussage treffen. Ich denke einfach, dass das Virus sehr heimtückisch ist und das Infektionsgeschehen bei uns sehr diffus ist. Das Gesundheitsamt Miesbach veröffentlicht ja auch über Ihre Seite in vorbildlicher Weise fast tägliche Berichte über das Infektionsgeschehen. Eine darüberhinausgehende Erklärung habe ich nicht.

Welche Maßnahmen werden Sie nach der Genesung für die nächsten Gemeinderatssitzungen in Gmund aufsetzen. Ihre Kollegen in Bad Wiessee und Tegernsee haben ja schon vorgelegt?

Besel: Unser bisheriges Hygienekonzept, das allen infektionsschutzrechtlichen Vorgaben entspricht, werden wir nun dahingehend ergänzen, dass auch zusätzlich am Platz eine Mund-Nase-Bedeckung zur Pflicht gemacht, und der Zugang für Teilnehmer und Besucher künftig nur noch mit negativem Schnelltest erlaubt wird. Darüber hinaus prüfen wir die Einführung von Hybridsitzungen, für die erst kürzlich die gesetzliche Grundlage geschaffen wurde.

Hatten die „grünen” Ratsmitglieder, die angeblich immer auf die Maskenpflicht verwiesen, im Nachhinein nicht doch Recht?

Besel: Ich persönlich halte mehr von eigenverantwortlichem Handeln, als von Ge- und Verboten. Das Infektionsgeschehen aus der Gemeinderatssitzung gibt den Grünen jedoch im Nachhinein Recht.

Wir bedanken uns für das Gespräch. 


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