Impfmuffel im Süden

Die Impfmoral von Eltern im Landkreis Miesbach lässt offensichtlich zu wünschen übrig. Wie das Landratsamt erklärt, liegen die Impfraten bei Kindern fast durchweg unter dem bayernweiten Durchschnitt.

Ergeben hat dies die Auswertung der jüngsten Untersuchung aller Schulanfänger. Der wichtigste Grund für die Ablehnung ist die Sorge, der Impfstoff könne zu schweren Nebenwirkungen führen.

Impfen ja oder nein – und wann ist der richtige Zeitpunkt?

„Ich möchte nicht, dass meine Kinder ernsthaft krank werden“, sagt Christiane Mayr. Die Rottacherin fürchtet wie viele Eltern vor allem, dass Kinderkrankheiten wie Masern nicht immer harmlos verlaufen.

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Das Hauptziel von Impfungen ist es, Krankheiten auszurotten. Gibt es diese oder jene Art von Erreger nicht mehr, dann kann sich auch niemand mehr daran anstecken. Mayr hat für ihre drei Kinder die für sie wichtigsten Impfungen machen lassen. „Allerdings erst ab einem Alter von über einem halben Jahr“, schränkt die Rottacherin ein.

Beim Startpunkt ist man sich nicht einig

Die Meinungen, ab wann es gut ist, Säuglinge impfen zu lassen, sind eindeutig. Während viele Eltern sich dafür entscheiden, bei einem Lebensalter von sechs oder zwölf Monaten damit anzufangen, plädieren auch viele Kinderärzte für einen frühzeitigen Start.

„Eltern sollten ihre Kinder ab Ende des ersten Lebensjahres – bei Aufnahme in Kinderkrippen ab dem neunten Lebensmonat – gegen Masern impfen lassen.“ Das rät der Fachbereich Gesundheit des Landratsamts Miesbach. Eine zweite Dosis sollte dann zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat – bei Krippenkindern um den 1. Geburtstag herum – erfolgen.

Doch nicht alle sehen das Impfen als wichtig an. Wie das Landratsamt erklärt, zeige eine aktuelle Statistik, „dass viele Eltern den Nutzen der Impfungen noch immer nicht richtig einschätzen oder diese vergessen und dass dadurch ihre Kinder dem Risiko einer möglicherweise schwer verlaufenden Krankheit wie Masern oder Hepatitis ausgesetzt sind.“

Wenn auch bestimmte Infektionskrankheiten wie Wundstarrkrampf oder Kinderlähmung in Deutschland seit Längerem nicht mehr aufträten, so sei gerade dies ein Erfolg der Impfung. Die Behörde warnt:

Ein Nachlassen der Impfbereitschaft könnte die Infektionsgefahr erneut erhöhen.

Dass beispielsweise die Masern keine harmlose Kinderkrankheit sind, haben im vergangenen Jahr allein in Bayern 507 erkrankte Personen erfahren müssen, von denen 194 stationär behandelt wurden. Mit einer mehrwöchigen Schwächung des Immunsystems müsse man auf jeden Fall rechnen. Außerdem könnten Hirnentzündungen als Folgeerkrankung auftreten, warnen Ärzte.

Bedenken von Impfgegnern

Obwohl die Impfstoffe laut Experten sehr sicher und wirksam sind, lassen viele Eltern ihre Kinder nicht impfen. Impfgegner haben Bedenken, dass die Impfung selbst dem Kind schaden könnte. Eine Sorge, die laut Landratsamt allerdings unbegründet sei.

„Von Anfang an ist das Kind dabei, unzählige möglicher Eindringlinge zu bekämpfen“, beruhigen Mediziner. Impfstoffe seien biologische Arzneimittel, deren Herstellung strengen Hygienemaßnahmen und Kontrollen obliegen. Wichtig sei daher vor allem, dass das Kleine zum Zeitpunkt der Impfung gesund sei, meinen Ärzte. Denn immer dann, wenn das Immunsystem des Körpers sich mit einem Fremdstoff beschäftigt, können Reaktionen auftreten.

Das kann natürlich auch bei einer Impfung der Fall sein. Lebendimpfstoffe könnten beispielsweise eine leichte „Impfkrankheit“ auslösen. Fieberreaktion beziehungsweise Ausschlag sind eine der Folgen. Eine Ansteckungsgefahr besteht deshalb aber nicht.

Wenn es doch passiert …

Auch wenn das Risiko sehr gering ist, wenn es die eigenen Kinder betrifft, ist einem die Statistik letztendlich egal. So passiert in einer Rottacher Familie. Der elfjährige Fabian kam fünf Tage nach seiner FSME-Impfung vom Sport nach Hause. Seine Mutter merkte sofort: „Da stimmt was nicht.“

Der Junge zwinkerte seltsam mit dem Auge. Die Mimik der einen Gesichtshälfte funktionierte offensichtlich nicht mehr richtig. Mutter und Sohn eilten in die Kinderarztpraxis, von der sie gleich ins Krankenhaus Agatharied überwiesen wurden. Dort diagnostizierte man eine periphäre Gesichtslähmung, die als Impffolge eingestuft und weitergemeldet wurde. Der Junge konnte erfolgreich behandelt werden. Doch die Folgen blieben mehrere Wochen. Seitdem ist die eher impffreudige Mutter vorsichtiger geworden.

Impfquoten unter Bayerndurchschnitt

Und die Rottacherin wird nicht die einzige sein. Das zeigen die nun vom Landratsamt Miesbach vorgelegten Zahlen. So habe man ganz aktuell den Impfstatus von 92,6% der einzuschulenden Kinder ausgewertet. Die Ergebnisse, so die Behörde, seien insgesamt unzureichend. Der gesamte Landkreis liege zum Teil deutlich unterhalb der Impfraten für ganz Bayern.

Bei der Auswertung der Impfbücher zeigten sich gerade mal 89,8 Prozent der Schulanfänger gegen Masern immunisiert (bayernweiter Durchschnitt 94,9 Prozent). Auch bei Mumps ist der Unterschied zum Durchschnittswert ähnlich. 89,8 Prozent im Landkreis stehen 94,9 im bayernweiten Mittel gegenüber. Für die Gesundheitsbehörde hilft daher nur eins: bessere Aufklärung der Eltern darüber, welche Impfungen die eigenen Kinder schützen könnten.

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