Interessengemeinschaft beklagt Dialogbereitschaft

Tegernseer Frischzellenklinik erneut auf dem Prüfstand

Schon im vergangenen Jahr sollte sich im Bauloch von Tegernsee-Süd etwas tun. Doch die Pläne von Klaus Dieter Burkhart sind ins Stocken geraten. Er will in der Perronstraße ein Sanatorium samt Privatklinik errichten. Seit Jahren wird um das Projekt gerungen. Heute landet es wieder im Stadtrat. Derweil erneuern Nachbarn ihre Bedenken.

Selbst auf Chinesisch wird für das Sanatoriumsprojekt an der Perronstraße geworben. / Quelle: Klaus Wiendl

Wenn es heute Abend um den „Vorhabenbezogenen Bebauungsplan Nr. 58 Sanatorium und Klinik, Perronstraße 7 und 9″ geht, dürften die Zuhörerplätze im Ratssaal wieder gut besetzt sein. Denn das Bauvorhaben des Frischzellen-Spezialisten Klaus Dieter Burkhart auf dem knapp 13.000 Quadratmeter großen Grundstück erregt vor allem die Nachbarn. Waren es zunächst fehlende Stellplatze und ein mangelnder Schallschutz, so sei es jetzt die ausbleibende Dialogbereitschaft des Vorhabenträgers, die Bernhard Schex im Namen der Interessengemeinschaft Perronstraße zu einer Protestnote veranlasste.

Mit der öffentlichen Auslegung sei nun die Absicht des Stadtrats erkennbar, „dem Bauvorhaben grünes Licht zu geben“. Vor 14 Monaten hätten sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft und eine sehr hohe Anzahl von betroffenen Anliegern und Einwohnern von Tegernsee-Süd schriftlich gegen das Bauvorhaben im Rahmen des Auslegungsverfahrens des Bebauungsplans gewandt. Seitdem habe es keine öffentliche Behandlung des Themas im Stadtrat mehr gegeben. „Leider wurde ein Dialog mit der Interessengemeinschaft seitens des Vorhabenträgers abgelehnt“, so Schex. Dies sieht er als „schlechtes Vorzeichen für die bevorstehende Sitzung“ heute.

„Rücksichtslose Anordnung der Gebäude“

Man sei aber weiterhin jederzeit dialogbereit und hoffe sehr, dass der Antrag Burkharts mit einem verbesserten neuen Entwurf auf die zahlreichen Kritikpunkte eingeht. „Eine solche Lösung ist ohne wirtschaftliche Verluste für den Vorhabenträger möglich“, glaubt die Interessengemeinschaft. Sie setze sich für eine Lösung ein, bei der der Investor „diese größere Baumasse bauen darf und somit keine wirtschaftlichen Verluste erleidet“. Er sollte jedoch die „bisherigen Mängel der Planung beheben, also eine weniger rücksichtslose Anordnung der Gebäude und eine ordentliche Erschließung des Geländes“

Im Gegensatz zu anderen Bauvorhaben (z.B. Westerhof mit sehr engen Zufahrtsverhältnissen) wäre dies von den Gegebenheiten her möglich, wenn Burkhart ernsthaften Willen zeigen würde. In einem ersten Schritt habe der Stadtrat schon die Erhöhung der Anzahl von Stellplätzen gefordert. „Nun sollte die ordentliche Erschließungsregelung, die Behebung der Mängel des Schallschutzes und eine Neuplanung mit den üblicherweise vorgesehenen Abständen zu den Nachbargrundstücken folgen“. Die Interessengemeinschaft hoffe auf einen vernünftigen neuen Planungsvorschlag oder „die schützende Hand des Stadtrats“.

Von Frischzellen zur ganzheitlichen Therapie?

Der hatte sich zuletzt im März 2018 in öffentlicher Sitzung damit befasst. Damals musste die Stadt Burkharts Bauantrag aus formalen Gründen aber noch ablehnen, weil zum einen der Durchführungsvertrag noch nicht unterzeichnet und auch der Bebauungsplan noch nicht rechtskräftig gültig waren.

Da die Voraussetzungen immer noch nicht erfüllt sind, gibt es nach wie vor auch noch keine Baugenehmigung – obwohl Burkhart als Chef des Deutschen Zentrums für Frischzellentherapie Bauantrag und Bebauungsplan parallel bearbeiten lässt. Entstehen sollen zwei Klinikgebäude mit 99 Zimmern und 108 Betten, dazu ein Sanatoriumsgebäude mit 19 Zimmern und 35 Betten sowie sieben Wohnungen. Die Tiefgarage ist mit 89 Stellplätzen vorgesehen, oberirdisch sollen es 26 Stellplätze werden.

So lange sein Projekt nicht Hand und Fuß habe, möchte er sich zu neuen Zeitplänen und Details nicht äußern, ließ Burkhart verlauten. So bleibt vage, was er dort wirklich vorhat. Denn Zelltherapie sei zwar Teil seines Geschäfts, aber sie könne in geraumer Zeit aber auch eine untergeordnete Rolle spielen. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass auf seinem Banner an der Schwaighofstraße inzwischen selbst in Chinesisch für ein „Zentrum ganzheitlicher Therapien“ geworben wird. Was immer dies auch bedeutet, heute Abend dürfte die Interessengemeinschaft Perronstraße etwas schlauer das Tegernseer Rathaus verlassen.


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