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Der Rathaussaal in Bad Wiessee bleibt

Ist ein Anbau die Lösung?

Wieder, wie so oft im Wiesseer Gemeinderat, kam der Umzug des Bauamts in „menschenwürdige Büroräume“ auf den Prüfstand. Eigentlich sollte dazu der bisherige Sitzungssaal umgebaut werden. Doch nun scheint der gordische Knoten gelöst.

In den Sitzungssaal zieht nicht das Bauamt. Es bekommt womöglich einen Anbau am Rathaus.

Eigentlich war man im Rathaussaal gespannt, welche Umbauten des Dachgeschosses möglich wären, damit das Bauamt in den derzeit stark beengten Verhältnissen durch Um- und Ausbauten dort bleiben könnte. Beauftragt wurde dafür die Münchner Architektin Dorothea Baur, die sich auch mit Kreisbaumeister Werner Pawlovsky abstimmte. Da für ihn eine Dachanhebung aus Gründen des Denkmalschutzes nicht in Frage kam, empfahl Baur dem Gemeinderat einen Dachaufbau im Westteil des Hauses mit Dachflächenfenstern und Oberlichten in den sechs Büros.

Grundsätzlich aber müsse dabei eine „strukturelle Sanierung“ des ganzen Gebäudes erfolgen. Der Brandschutz müsste auf Vordermann gebracht werden. Erforderlich wäre auch ein Aufzug mit Erneuerung des Treppenhauses sowie ein Notausgang für den Sitzungssaal. Als Kosten nannte die Architektin etwa 1,35 Millionen Euro. Doch so sehr sie auch für ihren erneuten Entwurf warb, Begeisterung entfachte er nicht. „Ist die Raumhöhe des Dachgeschosses überhaupt zulässig“, fragte Klaudia Martini (SPD). Florian Sareiter (CSU) fragte nach Dachgauben, denn für ihn sei der Dachaufsatz ein „aufgebauter Rucksack“. Baur selbst musste einräumen, “es ist nicht optimal, aber es funktioniert“.

Huber zaubert neuen Entwurf aus dem Zylinder

Nach der halbstündigen Diskussion zog dann Vize-Bürgermeister Robert Huber eine handgefertigte Skizze aus der Tasche. Denn alle bisherigen Vorschläge hätten Defizite. Damit man „diese Kuh vom Eis bringt“, setzte sich die Verwaltung zusammen und skizzierte einen erdgeschossigen Anbau mit Terrasse als bestmögliche Alternative. Damit überraschte Huber die Architektin wie auch den Gemeinderat. Da der Erhalt des Sitzungssaals gefordert werde und der Raumbedarf des Bauamts der „modernen Zeit geschuldet“ sei, schlug Huber einen Anbau nach Westen auf dem Parkplatz vor. In ihm könnte das komplette Bauamt auf etwa 90 Quadratmeter in hellen Räumen untergebracht werden.

Ein weiterer Vorteil sei, dass Hochzeitsfeiern künftig nicht mehr vor dem Rathaus auf der Straße stattfinden müssten, sondern ausreichend Platz auf der am Ratssaal angrenzenden Terrasse über dem Bauamt hätten. Dieses wäre barrierefrei und für den Parteienverkehr leicht zugänglich. Die Verwaltung könnte „sehr, sehr gut damit leben“, lobte Huber den Entwurf. Mit dieser „charmanten Lösung“ müsste das Rathaus nicht groß umgebaut werden. Wenn das Bauamt dort eingezogen sei, könnten die ganzen Sanierungsfälle in Angriff genommen werden.

Mit dem Anbau, so Huber, entstehe aber ein Parkplatzproblem. Dieses könnte mit dem „absehbaren Abriss“ des benachbarten Handwerkerhofs entschärft werden. Ortsplaner Eberhard von Angerer hat dort ein Parkdeck vorgesehen. Hubers Wunsch wäre, bevor der Gemeinderat eine Entscheidung treffe, dass Architektin Baur „aus diesem Entwurf einen ordentlichen Plan macht“. Damit dieser Anbau als Alternative dem Dachausbau gegenübergestellt werden könne. „Dann entscheiden wir“, so Huber.

„Charmante Lösung“

Doch damit hatte Huber offenbar bereits den Nagel auf den Kopf getroffen. Klaudia Martini (SPD) fand den Anbau „eine prima Lösung mit vernünftigen Büros“ zum grob geschätzten Preis von 700.000 Euro. „Der Anbau hat mehr Vor- als Nachteile“, befand Birgit Trinkl (FWG), „viele Punkte sind hier gut gelöst“.

Obwohl man seit Jahren plane, „platzt das Bauamt im Dachgeschoss aus allen Nähten“, stellte Sitznachbar Fritz Niedermaier (FWG) klar. Deshalb müsste der Gemeinderat endlich einmal zu einer Lösung kommen. Und diese mit dem Anbau halte er für „charmant“, da zum einen auch Bauamt und Bautechnik zusammenbleiben könnten und bei Hochzeiten keine Verkehrsgefährdungen mehr vor dem Rathaus stattfinden würden. Da habe es durch Auffahrunfälle auch schon „gescheppert“.

Den Anbau halte er für ein gutes Beispiel reiflicher Überlegungen, meinte Florian Sareiter (CSU). Die Parkplatzsituation halte er nicht für „vordringlich“. Bernd Kuntze-Fechner (SPD): „Diese Alternative bündelt vieles von dem, was wir uns überlegt haben“. Es sei eine „lösbare Aufgabe“ für die Planerin. Im Interesse der Mitarbeiter müsse man nun „zügig vorankommen“. Auch das Kommunal Unternehmen (KU) gehört nicht ausgelagert, „es gehört ins Rathaus“.

Heikel: Verlust von Parkplätzen

Dieser Anbauentwurf ist für Markus Trinkl (FWG) „eine Superidee“, denn das Bauamt im Dachgeschoss ist ein „no go“. Die skizzierte Variante „ist eine passable Lösung“, in der er sich auch ein Großraumbüro vorstellen könne. Auch Rolf Neresheimer (ranBW) fand Gefallen am Anbau. „Wir gewinnen auf einen Schlag sehr viel Fläche“. Er gab aber den Verlust von Parkplätzen zu bedenken. „Wir gehen mit keinem guten Beispiel voran“. Dies habe für ihn etwas von einem „Schildbürgerstreich“.

Allein Kurt Sareiter (CSU) konnte sich mit dem Anbau nicht anfreunden. „Da werden vier schöne Fenster zugemauert“. Ihm gehe es „auch ums Geld“. Unter einer Million Euro wäre so ein Anbau nicht zu haben, befürchtete der Fraktionssprecher.

Als „Stimmungslage“ sah Huber letztlich, dass der Vorschlag mit dem Anbau „weiter verfolgt werden soll“. Für einen Beschluss plädierte er nicht, der würde doch nur wieder über den Haufen geworfen werden. Stattdessen sprach er sich für eine ausgereifte Planung aus. Dann erfolge eine Wiedervorlage. Vielleicht ist man dann im Gemeinderat auf der Zielgeraden?


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