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Kreidl und Bromme äußern sich zu „Luxus-Informationsfahrten“

“Die Weine waren zu teuer”

Ex-Sparkassen-Chef Georg Bromme wie auch Ex-Landrat Jakob Kreidl als damaliger Verwaltungsratsvorsitzender rechtfertigten heute die „hochpreisigen“ Informationsfahrten. „Immer habe die Informationsgewinnung“ im Vordergrund gestanden, erklärten beide Unisono vor Gericht. Warum aber die Ehefrauen stets dabei sein mussten, konnten sie nicht so genau begründen.

Die zwei Haupt-Angeklagten: Jakob Kreidl (links) und Georg Bromme (rechts) – heute wurde die Verhandlung fortgesetzt

Bei den von der Anklage aufgeführten fünf grenzüberschreitenden Informationsfahrten zwischen 2011 und 2013 sei „kein mittelbarer Vorteil für die KSK“ gewonnen worden. Doch zahlen musste die Bank dennoch: insgesamt über 170.000 Euro. Diese Beträge seien gerechtfertigt und von niemanden beanstandet worden, auch nicht von der Prüfstelle des Sparkassenverbandes, rechtfertigte sich der ehemalige Sparkassen-Chef Georg Bromme vor Gericht.

Jährlich habe es beispielsweise Fahrten des Verwaltungsrates zum Jahresabschluss ins Stubai-Tal gegeben, dies sei so Usus gewesen. Während er sich mit seiner Frau immer in einem Bauernhof eingemietet habe, hätten die Verwaltungsräte im Hotel Jagdhof in Neustift genächtigt. Mit dem Beauty-Programm für die Ehefrauen seien so Kosten von 42.000 Euro entstanden.

Auffallend bei dieser Sitzungsreise sind für den Staatsanwalt die hohen Getränkekosten: Zwölf Flaschen Wein zwischen 120 und 2.100 Euro. Brommes Erklärung dafür: die seien wohl immer zu vorgerückter Stunde gereicht wurden, nachdem er sich schon auf sein Zimmer verabschiedet habe. „Ich weiß auch nicht, wie die Preise zustande kamen, ich habe die Rechnungen spätestens am nächsten Morgen immer abgezeichnet“. Im Nachhinein hält er sie für „exorbitant zu hoch, sie entsprechen nicht meinen Gepflogenheiten“.

„Übliche Praxis“

Ex-Landrat Jakob Kreidl meinte dazu, dass heute mit den „Compliance-Statuten“ solche Ausgaben nicht mehr möglich seien, „Damals war dies übliche Praxis“. So war es üblich, dass die Ehefrauen Aufenthalten im Spa-Bereich bezahlt bekamen und teure Weine kredenzt wurden. Die Auswahl habe Bromme getroffen. Selbstredend sei es aber immer um das Wohl des dahinsiechenden Tourismus im Landkreis gegangen, wie bei der dreitägigen Bürgermeisterreise nach Serfaus und Interlaken im April 2012.

Bromme war zu diesem Zweitpunkt schon nicht mehr Sparkassenchef. Sein Nachfolger wurde drei Wochen zuvor Martin Mihalovits. Doch die Organisation der „Informationsfahrt“ sei ihm vom damaligen Landrat und Verwaltungsratsvorsitzenden Kreidl noch im Januar angedient worden, so Bromme. Weil er doch alle kenne und so gute Kontakte habe. Dem Vorwurf, es sei seine „Abschiedsfahrt“ gewesen, widersprach Bromme. 20 Stunden im Bus „ist kein Vergnügen“.

Zweck der Bürgermeisterfahrt mit Frauen, die sonst der Kreistag organisiere, seien Tourismus- und Zukunftsthemen für den Landkreis gewesen. Insgesamt hätte es in beiden Orten sieben Vorträge mit „hoch interessanten Persönlichkeiten“ gegeben. „Von den Österreichern können wir bei den Bergbahnen noch viel lernen“, meinte Bromme. So gebe es in Serfaus eine U-Bahn mitten ins Skigebiet, um die Orte mit zugeparkten Straßen zu entlasten. Diese Lösung der Verkehrsprobleme hätte er sich auch im Sutten-Skigebiet von Rottach-Egern vorgestellt.

Strapaziöses 3-Gänge-Menü

Und tags darauf in Interlaken, das der Größe Rottach gleiche, sei es um die Förderung des Fünf-Sterne-Leuchtturm-Projekts Grand Hotel Victoria-Jungfrau gegangen, das Bromme mit dem Bachmair am See damals gleichsetzte. „Immer mehr Rucksack-Touristen und reiche Russen, die sich im Ort einkaufen“. Da die KSK an der Spitzing-Bergbahn beteiligt ist und am Sudelfeld Investitionen anstanden, wollte man sich fachkundigen Rat holen.

Auch der „James-Bond-Erlebnis-Ausflug“ für knapp 9.000 Euro auf das knapp 3.000 Meter hohe Schilthorn mit einen 3-Gänge-Lachs-Menü sei kein Vergnügen gewesen. Zudem habe in der Bergstation drangvolle Enge geherrscht, erinnerte sich Bromme. Das klinge alles so, als sehr es sehr „strapaziös“ gewesen, „warum mussten da die Ehefrauen mit“, wollte Staatsanwalt Jürgen Rohrmüller wissen. Doch Nachfragen zu den Begleitungen wich Bromme aus. Er erwähnte lieber die Bedeutung der Reisen für den Tourismus im Landkreis. Das war seiner Sparkasse 85.000 Euro wert, wovon der Landkreis erst im Nachhinein 36.000 Euro übernahm.

Die Sparkassenprüfer hätten alles durchgewunken

All diese Reisen, ob nach Seiersberg in der Steiermark, nach Wien, ins Stubai, nach Serfaus und Interlaken, hätten mit den Ehefrauen aus Gründen der „Repräsentation“ stattgefunden und seien von keiner Prüfstelle beanstandet worden, so Kreidl. Wenn auch die „Weine bei diesen Fahrten immer zu teuer waren“, so habe „immer die Sinnhaftigkeit“ für die regionale Entwicklung im Landkreis gegolten. Er habe auch den Verwaltungsrat der Sparkasse nicht um Genehmigung ersucht, weil der Vorstand bereits seinen Segen dazu gegeben habe.

Eine ganz andere Auffassung dazu vertrat der Ausschuss für Kommunale Fragen des Landtags im Mai 2014. Er kam zu dem Schluss, dass für die Reise nach Interlaken Aufgabenbezug und unmittelbarer Nutzen für die KSK fehlen würden. Denn die von der Sparkasse vorgegebene regionale Wirtschaftsförderung „ohne konkrete Verknüpfung“ mit einer Tätigkeit als Finanzdienstleister seien keine Aufgabe der Sparkasse.

In diesem Hotel in Interlaken logierten die Bürgermeister des Landkreises. / Foto: Siegfried Platz 

Das Argument der KSK, es stünde eine Neugestaltung des Skigebiets Sudelfeld an und sie wolle sich durch Finanzierungen beteiligen, wurde vom Ausschuss nicht geteilt. Denn die besuchten Skigebiete Serfaus und der Jungfrauenregion würden beide über 1.400 bis 3.000 Metern Höhe der Zentralalpen liegen und daher mit dem Skigebiet Sudelfeld „nicht vergleichbar erscheinen“.

Die gewählten Ziele seien daher „eher eingeschränkt zur Informationsgewinnung geeignet“. Doch niemand erregte sich damals darüber. Nicht einmal der Sparkassenverband. „Der Prüfbericht für das Jahr 2012, vorgelegt im Mai 2013, thematisierte die Informationsfahrt nicht“, so der Landtag. Doch sie könnte den Angeklagten nun vor der Wirtschaftskammer zum Nachteil gereichen.


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