Chancenlos: die Wiederbelebung des Eisplatzes

Landratsamt erteilt Bad Wiessee eine Absage

Schmerzlich vermisst wird der Eisplatz an der Freihausstraße. Vor vier Jahren wurde er aufgegeben. Da der Ausweichplatz an der Hagngasse kein Ersatz war, wollte die CSU das Biotop im Wohngebiet reaktivieren. Ihr Antrag im Februar beschäftigte das Landratsamt. Doch aus Miesbach kam wenig Erfreuliches.

Wo einst der Eisplatz angrenzte, entstehen jetzt Häuser / Quelle: Klaus Wiendl

Der Natureisplatz neben dem Hotel Wilhelmy war bei Eisstockschützen, Eisläufern, Eishockeyspielern und Touristen seit mehr als 90 Jahren sehr beliebt, vorausgesetzt, die Winter spielten mit. Doch im Winter 2016 kam das Ende. Eine Einigung mit einer der drei Grundstückseigentümer war nicht mehr möglich, da sie das Baurecht auf dem angrenzenden 1.700 Quadratmeter großen Grundstück nutzen wollte. Dort entstehen derzeit unmittelbar am Biotop drei Einfamilienhäuser. Auch die drei Hütten für den Eissportbetrieb standen auf verschiedenen Grundstücken. Die mussten ebenso verschwinden, da sie den Bauplänen im Weg standen. Auch der Zugang von der Freihausstraße zur einstigen Eisfläche ist nicht mehr möglich, alles ist verbaut. Eine Infrastruktur dort wieder aufzubauen scheint schwierig bis unmöglich.

Dennoch ließ das Rathaus in Person von Maximilian Macco nichts unversucht, dem CSU-Antrag gerecht zu werden. Voraussetzung war laut Macco die „absolute Rechtssicherheit“, denn so ein Eisplatz habe gewisse Begleiterscheinungen. Bei der Nähe zu den Nachbarn könnten Konfliktpunkte durch Lärmemissionen entstehen. Deshalb seien die Anlieger „mit ins Boot geholt“ worden. Da die einstige Eisfläche im Biotop liegt, habe man sich zuerst an die Untere Naturschutzbehörde gewandt.

Mit deren Mitarbeitern und „erfahrenen“ Eisstockschützen hätte sich die CSU-Vertreter Georg Erlacher und Florian Sareiter sowie Macco selbst dann am 1. April zu einem Ortstermin getroffen, so Macco. Eine Ablehnung der Miesbacher Beamten habe er dabei nicht verspürt. Doch „eine Rückmeldung für meine Zusammenfassung der Gespräche blieb bis heute aus“, beklagte Macco. Auch die unmittelbare Nachbarschaft sei über die Planungen angeschrieben worden. Doch zurück kam ein „gemischtes Feedback“.

Eisschützen mit „hohen Pegelspitzen“

Vom Fachbereich Immissionsschutz des Landratsamtes sei dagegen zügig eine Stellungnahme gekommen. Diese beruft sich auf die Sportstätten-Lärmverordnung. Dabei wurde von der Größe der Eisfläche mit 40 auf 50 Metern ausgegangen und einem Eislaufbetrieb ohne Musikbeschallung mit sechs Stunden bis gegen 20 Uhr. Die zu erwartenden „Lautäußerungen“ der Eisläufer im Wohngebiet würden dabei deutlich über dem Immissionsrichtwert von 60 dB(A) liegen.

Bei weiteren zeitlichen Einschränkungen aber sei der Aufwand nicht mehr den Nutzen zu rechtfertigen. Noch kritischer wird die Nutzung durch Eisschützen gesehen, da bei ihnen „hohe Pegelspitzen“ auftreten würden. Das ernüchternde Fazit des Landratsamts: Das Biotop im Wohngebiet ist als Eisplatz „nicht geeignet“. Maccos Resümee: „So, wie wir uns das vorstellen, ist es nicht machbar“.

Maccos Alternativvorschläge: Die Wiederbelebung der Eisfläche südlich des Sportplatzes mit „Eisdisco“ oder eine künstliche Eisfläche im Ortsinneren, wie es Penzberg und Wolfratshausen vormachen würden. Dies würde jedoch einen sehr hohen technischen Aufwand mit einem „Eismeister“ erfordern. Entsprechend seien die Kosten. Als Richtpreis nannte Macco 75 Euro pro Quadratmeter und Monat. „Der Energieaufwand dafür ist in der heutigen Zeit ein ökologischer Irrsinn“, befand Fritz Niedermaier (Wiesseer Block).

Centercourt und Seepromenade als Alternativen?

Einen weiteren Alternativstandort brachte Florian Sareiter (CSU) ins Spiel, nachdem eine „jahrzehntelange Tradition zu Ende“ sei, den Centercourt-Tennisplatz der Spielarena. Diesen habe ihm Betreiber Josef Niedermayer angeboten, zumal die Infrastruktur schon vorhanden ist.

Ohne darauf einzugehen meinte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block): „Wir müssen der Realität ins Auge schauen, die Zeiten haben sich geändert“. Auch das Klima. Natürliches Eis gebe es im Winter nur noch selten. Wie auch immer eine Lösung aussehe, „der Kosten-Nutzen-Faktor muss gegeben sein“.

Die Stellungnahmen seien nicht anders zu erwarten gewesen, konzedierte auch Robert Huber (SPD). Man müsse daher aufpassen, dass man das „dörfliche Leben“ nicht abwürge. Weder Kindergärten noch Spielplätze seien „noch geduldet“. Alles werde an den Rand des Ortes gedrängt. Lärm eines Eisplatzes könne auch „Freude bereiten“.

Wie es weiter geht, ist unklar

Kurt Sareiter (CSU) könnte sich einen Eisplatz auch an der Seepromenade neben dem Pavillon vorstellen. Diesen habe es dort schon einmal gegeben, erwiderte Höß, doch der sei nicht angenommen worden. Ein Umdenken müsste stattfinden, forderte Georg Erlacher (CSU). Man könne sich nicht immer beschweren, dass Kinder vor dem Fernseher sitzen, ins Handy starren und zu wenig Bewegung haben. 90 Jahre habe es den Eisplatz gegeben. Jetzt sei er plötzlich nicht mehr möglich.

Man müsse nun konstruktive Lösungen finden und handeln, so Markus Trinkl (Wiesseer Block), denn „ein Eisplatz als wichtige Institution war immer Bestand des Ortes“. In Salzburg würden sie solche Anlagen „hinschnalzen“. Höß bedankte sich für die Plädoyers. Doch wie es weitergehen soll, wer nun die Initiative ergreift, wurde nicht erklärt.

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