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Ein Kommentar vom altersmilden Kolumnisten zum Ausflugswahnsinn am Tegernsee

“Lasst es uns ertragen!”

Von Martin Calsow

“Der Tegernsee machte einen freundlichen Eindruck auf mich, wie auch seine Ufer viel Lachendes und Reiches haben. Der Ort selbst würde mir zu lebhaft sein für einen längeren Aufenthalt. Er ist im Sommer über beständig mit Fremden gefüllt.” Ein Kommentar.

Lasst es uns ertragen

Ein Kommentar von Martin Calsow

Das ist keine Notiz eines jammernden Besuchers in diesem Jahr. Das schrieb der Dichter August von Platen 1817 über die Ostbank-Gemeinde. Klagen über zu viele Fremde ist nicht neu. Es liegt als Fluch über unserem Tal wie der Hundedreck auf Berlins Bürgersteigen oder das schlechte Bier im Rheinland. Und ja, das Klagen hat seine Berechtigung. Für Menschen, die hier wohnen und nicht an den Heerscharen aus dem Norden verdienen, sind es zuweilen schwer zu ertragenden Situationen. Es wird enger im Tal. Und: Es ist noch nicht einmal August!

Aber: Ob sie Geld bringen oder nicht, diese Menschen, die Naherholung suchen, haben wie wir die letzten Wochen eine Pandemie erlebt. Viele auf engem Raum, viele mit Stress und Ärger. Viele in nicht so schönen Ecken Deutschlands.

Toleranz meint “ertragen”

Wir, die wir hier im März, April und Mai entspannt in die Berge gehen konnte, sollten Toleranz und Solidarität zeigen. Toleranz meint im ursprünglichen Sinne “ertragen”. Und so ist das auch. Lasst es uns ertragen, bleiben wir freundlich, weisen wir mit Geduld und Nachsicht auf folgenschwere Fehler hin (“Nein, mit Turnschuhen die Blauberge hoch ist nicht smart. Nehmt die Neureuth oder den Taubenberg.“) und atmen am Abend durch.

Auch wenn unsere eigenen Räume zeitweilig kleiner werden, wenn wir an der Fleischtheke warten müssen (“Haben Sie noch weiße Würste?“) und im kilometerlangen Stau rein und raus ins Tal mitstehen dürfen (und unsägliche Camperslogans wie “Reise vor dem Sterben, sonst reisen deine Erben” lesen müssen): Es ist Corona-Zeit. Es sind unsere MitbürgerInnen. Sie können nicht nach Djerba, Malle oder in die Dom-Rep ausweichen.

Mitte September wird es ruhiger. Versprochen. Dann haben wir den See und die Berge wieder allein für uns(bis auf die früh verrenteten Lehrer, die schwitzend und endlich mal ambitioniert auf die Gipfel büffeln). Einatmen. Ausatmen. Und freuen wir uns, dass Menschen wie Korbinian Kohler vom Boom profitieren.


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