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Runder Tisch zu den Problemen mit den neuen BRB-Zügen

Lösungen für die „Quietschbahn“ am Tegernsee?

Von Nina Häußinger

Die neuen Züge der BRB sorgen im Oberland für ordentlich Ärger. Sie seien nicht behindertengerecht und machen einen Höllenlärm, so die Vorwürfe. Jetzt gab es ein Treffen aller Beteiligten. Welche Maßnahmen können helfen?

Vor dem Holzkirchner Rathaus versammelten sich einige Mitglieder der Bürgerinitiative ‚Endstation LINT‘.

Draußen steht eine kleine Gruppe. Alle tragen Masken. Die Polizei beobachtet aus ein paar Metern Entfernung das Geschehen. Auf einem großen Schild steht: Bürgerinitiative Endstation LINT.

Im Inneren des Holzkirchner Rathauses versammeln sich zur gleichen Zeit alle Wichtigen aus dem Landkreis Miesbach. Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Landrat Olaf von Löwis, zahlreiche Bürgermeister, Verantwortliche von BRB und BEG und die Behindertenbeauftragten des Landkreises.

Keine Neuigkeiten – aber Austausch

Der Grund für den ganzen Trubel: Die neuen Lint 54-Züge, die die alten Integrale im Oberland vor einigen Monaten ersetzt haben. Die neuen Fahrzeuge brachten keine Verbesserung – der Ärger ist eher noch größer geworden. Die Züge seien nicht behindertengerecht, vor allem der Einstieg wird von Betroffenen massiv kritisiert. Außerdem verursachen die Züge an manchen Stellen derartigen Lärm, dass sich zahlreiche Anwohner im gesamten Landkreis massiv gestört fühlen.

Nun endlich wollten sich alle am Debakel Beteiligten an einen großen Tisch setzen. Über zwei Stunden lang durfte jeder sagen, was er zu sagen hatte und besser wissen, was er glaubte, besser zu wissen. Am Ende gab es keine Neuigkeiten – aber immerhin einen Austausch.

Warum der Lint 54?

Thomas Prechtl, Geschäftsführer der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), betonte erneut, dass es mit den alten Zügen vor allem im Winter große Probleme gab. 2018 sei Transdev dann auf die Idee bekommen, die Integrale durch eine komplett neue Fahrzeugflotte auszutauschen, um Stabilität und Komfort zu verbessern.

Europaweit gebe es nur noch zwei Dieselhersteller. Beide hätten früher Fahrzeuge mit einer anderen Einstiegshöhe herausgegeben. Doch seit fünf Jahren gebe es hierfür keine Zulassung mehr. Da der zweite Anbieter eine Motortechnik verbaut, die nicht mehr zulässig sei, sei quasi nur noch der Lint 54 übrig geblieben, so Prechtl. Er betonte:

Es gibt keine Alternativen zu diesem Fahrzeug.

Auch Florian Liese aus der Planungsabteilung der BEG erklärte, dass man sich durchaus viele Gedanken gemacht habe. Auch ihnen sei die schlechtere Einstiegsmöglichkeit bewusst gewesen. Dem gegenüber habe es aber viele positive Aspekte gegeben. Zum Beispiel, dass man jetzt eine einheitliche Flotte habe und ab Ende des Jahres, wenn die restlichen sechs Züge ankommen, einen Halbstundentackt Richtung Tegernsee und Lenggries einrichten könne. „In der Summe wird der Zug eine Verbesserung für das Oberland sein“, betonte Liese.

Heute trafen sich Vertreter der Politik, der BRB und Behindertenbeauftragten in Holzkirchen.

Hybridzüge von Siemens seien in Deutschland noch nicht zugelassen und auch die Akkulaufzeit sei nicht gesichert. Das sah Heino Seeger, Geschäftsführer der Tegernseer Bahn, etwas anders. Er unterstrich, dass aktuell ein Testbetrieb mit Fahrgästen in Deutschland laufe.

Tölzer Landrat spricht Klartext

Der Tölzer Landrat Josef Niedermaier wollte davon nichts hören. „Das ‚Wir probieren aus‘ hat mich auf die Palme gebracht. Wir waren schonmal Versuchskaninchen. Das muten wir unseren Bürgern und Pendlern nicht zu. Ausprobieren im Oberland kommt nicht in Frage.“

Das sah auch Alfons Besel, Bürgermeister von Gmund, so. Er war außer sich. „Wir wollen nicht mehr Testobjekt sein. Was die Geräusche angeht, sind unsere Bürger jetzt Testobjekt.“ Dass die BRB kommende Woche diesen Lärm messen will, sei laut Besel eindeutig zu wenig. „Viele Worte, wenig Taten“, fasste er seinen Unmut zusammen. Man sei hier schließlich auch eine Tourismusdestination.

Und wir können unseren Gästen nur diese Quietschbahn bieten. Ich erwarte ad hoc Maßnahmen.

Vor allem beim Lärm war man sich einig, dass dringender Handlungsbedarf bestehe. Konkret will man an verschiedenen Stellen nachbessern. Die Druckluft, die man vor allem morgens an den Startbahnhöfen brauche, könne zukünftig vielleicht extern produziert werden. In Bayrischzell hat man dazu schon einen Test installiert. In Tegernsee würde das aber erst mit dem Umbau des Bahnhofs in zwei Jahren kommen.

Auch beim sehr lauten Piepsen der Türen wolle man nochmal prüfen, was möglich ist. Allerdings gebe es hier strikte Vorgaben. Für das größte Problem – das Quietschen beim Bremsen und in den Kurven – hatte man aber noch keine konkrete Lösung parat. Die Erfahrung zeige, dass es beim Bremsen mit der Zeit nachlassen würde. Wie lange genau die Anwohner dann aber noch damit leben müssen, blieb offen. Für die Kurven hatte man ebenfalls keine richtige Lösung dabei. Hier muss man wohl noch tüfteln. Am Ende einigte Mann sich in regelmäßigen Abständen den Sachstand abzufragen. Das Problem BRB wird uns alle also wohl noch eine Weile begleiten.

Hier geht’s zum Artikel über die Demo gegen die neuen Lint-Züge.

Hier geht’s zur Stellungnahme der BRB zu den Vorwürfen.


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