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Dann waren’s nur noch Drei

Mihalovits bringt Bromme und Kreidl in Bedrängnis

Auf der Anklagebank im Landgericht ist wieder mehr Platz, nachdem Ex-Vorstand Roland Böck sein Verfahren mit einer Verwarnung bereits hinter sich hat. Heute ging es für die verbliebenen drei Angeklagten erneut um die Bürgermeisterfahrt 2012 nach Interlaken. Dabei platzte dem Chef der Kreissparkasse Martin Mihalovits der Kragen.

Martin Mihalovits (links) rechnete heute mit Georg Bromme und Jakob Kreidl ab. / Fotos: K. Wiendl

Der sündhaft teure Ausflug für 85.000 Euro von allen Landkreis-Bürgermeistern, Vorständen und Verwaltungsräten nebst Ehefrauen könnte für Ex-Sparkassenchef Georg Bromme und für Ex-Landrat Jakob Kreidl zum Fallstrick werden. Denn Brommes Nachfolger Martin Mihalovits beschuldigte heute in einer persönlichen Erklärung beide, dass diese viertägige Reise Ende April wenig mit einem „dienstlichen Charakter“ zu tun hatte, dieser aber im Vordergrund hätte stehen müssen.

Schon damals habe er sich des Eindrucks nicht verwehren können, so Mihalovits, dass es sich nach dem Ausscheiden Brommes zum 31. März 2012 drei Wochen später nur um eine Abschiedsfahrt seines Vorgängers handeln könne. Es habe ihn gewundert, warum Bromme auf Geheiß von Kreidl noch mit Hochdruck „unbedingt eine Bürgermeister-Dienstfahrt organisieren sollte“. Für ihn, so Mihalovits, habe es damals wichtigere Themen der durch Brommes Ausgabenpolitik in Schieflage geratenen KSK gegeben. Außerdem habe er sich „geärgert“, dass Bromme „ohne sachlichen Grund“ an der Reise teilnahm, obwohl er nicht mehr Organ der Kreissparkasse (KSK) gewesen sei.

„Bromme macht das schon“

Im Vorfeld der Reise hatte Mihalovits offenbar den damaligen Verwaltungsratsvorsitzenden Kreidl bereits seine Sorgen über den vermeintlich dienstlichen Charakter der Luxus-Reise mit 5-Sterne-Hotel in Interlaken mitgeteilt, nachdem er von einer ähnlichen Bürgermeisterfahrt unter Brommes Leitung 2009 nach Triest erfahren hatte. In Italien sei es demnach mehr um private als um dienstliche Obliegenheiten gegangen. Eine Wiederholung wollte Mihalovits verhindern.

Von Kreidl sei ihm mitgeteilt worden, dass Bromme ein entsprechendes Programm vorbereitet habe. Kreidl soll laut Mihalovits gesagt haben: „Bromme macht das schon, lassen sie ihn, denn damit ist er gut beschäftigt und lässt Sie in Ruhe arbeiten“. Außerdem sei diese Fahrt für Mihalovits eine gute Gelegenheit, sich bei den Bürgermeistern einzuführen und „Vertrauen aufzubauen“. Deswegen sollte ihn seine Frau bei der Reise unbedingt begleiten.

Sparkassenchef wird „Angst und Bange“

Da der Teilnehmerkreis auch aus wichtigen Kunden der KSK und Mitgliedern des Verwaltungsrats bestanden habe, „unterdrückte“ dies seine Bedenken, dass es sich um eine Abschiedsfahrt von Bromme handeln würde. Denn er hielt es damals für sinnvoll, so Mihalovits, vor der Finanzierung des Sudelfeld-Skigebiets ein anderes erfolgreiches Skigebiet zu besichtigen. Doch erst am Tag der Abfahrt am 20. April 2012 sei ihm nach einem gemeinsamen Frühstück in der Sparkasse das Ausmaß der Reise „richtig bewusst“ geworden.

Ihm sei “Angst und Bange“ geworden, als im Bus dann der Eigenbeitrag von 100 Euro der mitreisenden Ehefrauen „eingesammelt“ wurde. Da habe er über die Kosten der Reise gründlicher nachgedacht, erklärt Mihalivits vor Gericht, denn nun sei er ja der „Hauptverantwortliche“ für diese Ausgaben als Nachfolger Brommes. Bereits beim ersten Mittagessen, das er dann für die ganze Reisegruppe bezahlt habe, habe er Kreidl auf eine Kostenteilung angesprochen. Und dies bereits, obwohl sich die Gesamtkosten der Reise noch gar nicht abgezeichnet hätten.

Scheu vor der „Notbremse“

Er habe die Kosten in Kauf genommen und sie als „Ende einer Ära“ gesehen. Damit habe er aber „verdrängt“, dass Bromme noch ein letztes Mal den Entscheidungsträgern des Landkreises seine Wohltäterschaft demonstrieren wollte. Deshalb sei er auch nicht entsprechend eingeschritten. Denn vor dem Amtsende von Bromme am 31. März sei er der Meinung gewesen, ohnehin nichts gegen die Entscheidungen des Verwaltungsrates und des Vorstandes bewirken zu können, diese Reise wie geplant durchzuführen.

Und mit Amtsantritt habe er sich „gescheut“, die „Notbremse“ zu ziehen und die Fahrt abzusagen. Seiner Meinung nach wäre dies auch wegen der Stornierungskosten nicht mehr möglich gewesen. Außerdem befürchtete er, so Mihalovits, einen persönlichen Reputationsschaden, wenn er sich so kurz im Amt gegen den Verwaltungsrat hätte durchsetzen wollen.

Im Nachgang der Reise habe er dafür Sorge getragen, dass die für die KSK „überdimensionierten Kosten“ durch das Landratsamt als Auftraggeber mit 36.000 Euro „kompensiert“ wurden. Diese seien „eingefordert und vom Landratsamt bezahlt“ worden. An einem verbliebenen Schaden für seine KSK würde er sich im Rahmen einer Wiedergutmachung, so Mihalovits, „selbstverständlich beteiligen“. Die Beschuldigten Bromme und Kreidl wollten sich heute noch nicht zu den Vorhaltungen von Mihalovits äußern. Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt.


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