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Tegernsee ringt mit dem Schlamm

Naturbad ist Nonsens

Bereits seit Februar verfolgt die Bürgerliste hartnäckig die Idee, in der Schwaighofbucht die verlandete Schlammfläche aufzuschütten und ein ökologisches Naturbad anzulegen. Doch auch diesmal stand Hammersteins Fraktion ziemlich allein im Stadtrat.

Die verschlammte Schwaighofbucht als Naturbad? Archivbild

Wie berichtet lagern an der Mündung der Rottach in Tegernsee-Süd etwa 60.000 Kubikmeter Schlamm. Bislang weiß niemand im Rathaus, was mit der wabernden Masse geschehen soll. Um dies zu klären, hatte die Stadt bereits ein Gutachten bei dem Münchner Unternehmen bioConsult in Auftrag gegeben. Es sollte klären, ob der Schlamm belastet ist oder nicht.

Erst wenn man dies weiß, will die Stadt über nächste Schritte nachdenken. So viel steht wohl schon laut Gutachten fest, dass eine Verklappung nicht für realistisch erachtet werde. Auch eine Untersuchung des Schlamms mit Bohrkernen würde keine Rückschlüsse auf die Gasbelastung von Methan und Schwefelwasserstoff ermöglichen. Stattdessen schlägt Gutachter Peter Nisslbeck ein Pilotprojekt vor, bei dem bis zu 1.000 Kubikmeter Schlamm entnommen werden sollen.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür sollen in einem Workshop erarbeitet werden, der nach den Pfingstferien stattfinden könnte. Dies wurde in der Sitzung des Stadtrats im Februar erörtert. Bekannt ist seitdem auch, dass die Fraktion der Bürgerliste (BL) mit zwei Anträgen andere Lösungsansätze hat. Sie will ein „Naturbad Tegernsee“ daraus machen. Dafür fordert sie eine Machbarkeitsstudie. In ihr sollen die Punkte „Verlanden lassen und Nachhelfen durch Aufschütten“ geklärt werden, um ein „ökologisches Naturbad“ zu erreichen.

Weitere Stellungnahmen im Gespräch

Doch so weit sei man noch nicht, entgegnete Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) nun gestern im Stadtrat, „denn die Erweiterung der bereits bestehenden Gutachten ist nicht möglich“. Diese hätten ausschließlich die Ausbaggerung und die abfallrechtliche Problematik zum Inhalt. Eine beantragte Aufschüttung sei damit „nicht abgedeckt“. Daher müsste für den BL-Antrag ein neues Gutachten in Auftrag gegeben werden, das für Hagn aber „noch zu früh“ komme.

Deshalb schlage er zunächst die Einholung von Stellungnahmen des Wasserwirtschaftsamts, der Seenverwaltung und des Fischereiverbandes vor. Eine Stellungnahme der Seenverwaltung hält Heino von Hammerstein (BL) für sinnvoll, „weil sie auch andere oberbayerische Seen im Blick hat“. Das Wasserwirtschaftsamt sei ohnehin „von Haus aus“ zuständig. Gegen die Einholung weiterer Stellungnahmen war Peter Schiffmann (SPD). Das Auffüllen zum Naturbad sei einfach „Nonsens“. Ihm gehe es darum, die Schwaighofbucht einigermaßen naturnah zu halten.

Schlamm als Sondermüll

Bei einem gewünschten Auffüllen müsste der Schlamm als Sondermüll behandelt werden. Damit sich die Leute darin „suhlen“ könnten, müsste dann eine Infrastruktur geschaffen werden. „Dies kann man nicht ernsthaft in Erwägung ziehen“, urteilte Schiffmann. Voll auf dieser Linie war auch Peter Hollerauer (FWG): „Ich gebe dir recht“. Über kurz oder lang werde man nicht daran vorbeikommen, die Bucht auszubaggern. Denn dies würde auch einen Rückstau der Rottach verhindern.

Florian Kohler als Mitunterzeichner des BL-Antrags sah den Sinn eines Gutachtens darin, dass dann Klarheit über die Möglichkeit eines Naturbades herrsche. Bevor man ein Urteil fälle, brauche man eine Analyse. Er wehrte sich gegen den Begriff Schlammbad, denn die BL habe ein Naturbad im Auge. Schiffmann ließ nicht locker. Der Stadtrat sei kompetent und ortskundig genug, dass er selbst eine Entscheidung fällen könne. Schließlich gebe es gleich neben an vor dem Warmbad einen herrlichen Strand als Naturbad.

Bakterielle Belastung bei Naturbad möglich

Norbert Schußmann (CSU) hielt ein Naturbad auch „wirtschaftlich nicht für machbar“. Dafür brauche es mehr Personal und Parkplätze. Der Aufwand lohne den Ertrag nicht. Dennoch sei er für neutrale Stellungnahmen von außen, obwohl er glaube, dass das Ansinnen der BL abschlägig beschieden werde. Ein neues Gutachten koste nur wieder „einen Haufen Geld“. Peter-Friedrich Sieben (FWG) sah in dem ganzen See ein Naturbad. Etwas Zusätzliches würde nur wieder Unterhaltskosten verursachen. Es müssten daher Kosten-Nutzen-Aspekt abgewogen werden.

Für Andreas Obermüller (FWG) sei die Einholung weiterer Stellungnahmen noch keine Entscheidung für ein Naturbad. Denn er glaube, dass ein solches abgelehnt werde. Sie habe sich über solche Naturbäder informiert, sagte Christine Laprell (CSU). Dabei habe sie festgestellt, „dass die meisten vorübergehend oder längerfristig geschlossen werden müssen, weil sie nicht die Wasserqualität erfüllen“.

Laura Mandl (SPD) gab zu bedenken, dass man bereits zwei kostenpflichtige Bäder habe. Ihre wäre es lieber, die Zugänge zum See kostenfrei zu halten. Hammerstein appellierte abschließend nochmals an das Gremium, die Verlandung nicht auszubaggern, sondern mit ihr „mitzugehen“ und sie zu nutzen. Hagns Kompromiss lautete: „Die beiden BL-Anträge werden so lange zurückgestellt, bis der Verwaltung die angesprochenen Behörden-Stellungnahmen vorliegen“. Mit einer Gegenstimme folgte der Stadtrat dem Beschlussvorschlag.


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