Krankenhaus Agatharied
Ohne Verschnaufpause in den dritten Corona-Winter

von Sabiene Hemkes

Fast schon hat man sich daran gewöhnt: Die Kälte kommt und mit ihr die steigenden Infektions- und Hospitalisierungsraten. Nur ist die Stimmung in der Bevölkerung ist eine andere als noch vor einem Jahr. Die Erfahrungen aus 2,5 Jahren Pandemie helfen. Auch im Kreiskrankenhaus Agatharied. Wäre da nicht …

Der dritte Corona-Winter im Krankenhaus Agatharied steht vor der Tür.

Sollte das Corona-Virus nicht erneut zu einer aggressiveren Variante mutieren, wovon die Wissenschaft zurzeit nicht ausgeht, bleiben uns Bilder, wie vor einem Jahr aus dem Krankenhaus im Landkreis erspart. Damals besuchte ein Mitarbeiter der TS die Intensivstation in Agatharied. Seine Schilderungen als auch Fotos haben das Elend der Auswirkungen der Pandemie auf Patienten und Mitarbeiter in erschreckender Weise dokumentiert.

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Trotz der “Normalisierung” unseres Alltags ist die Situation im Kreiskrankenhaus keineswegs entspannt. Aktuell werden 20 Personen mit coronabedingten Krankheiten stationär behandelt. Die Inzidenz im Landkreis ist weiterhin hoch. Zudem hat Bayern eine der höchsten Hospitalisierungsraten, was auch auf die Feieraktivitäten im September zurückzuführen ist (wir berichteten). Diese Faktoren sowie der inzwischen bekannte “Wintereffekt” bei der Pandemie bedeuten einen Mehraufwand im Krankenhaus. Zudem gilt auch für Agatharied die bundesweite “Einrichtungsbezogene-Impfpflicht”, was die angespannte Personalsituation noch einmal verschärfen könnte.

Die TS hat Melanie Speicher, Leiterin der Unternehmenskommunikations- und Presse-Abteilung des Kreiskrankenhauses, gebeten, mit uns über die aktuelle Situation an Agatharied zu berichten.

Hat der Sommer es möglich gemacht, Überstunden abzubauen und die Akkus etwas aufzuladen?

Melanie Speicher: Eine Sommerpause musste in diesem Jahr ausfallen. Natürlich gab es während der Sommermonate das reguläre Urlaubsgeschehen. Durch die sehr dünne Personaldecke und die Krankheitswelle zu Beginn des Sommers bedeutete dies jedoch für das anwesende Personal eine erhebliche Mehrbelastung. Dazu kommt, dass noch immer viele Corona-bedingt verschobene Behandlungen nachzuholen sind. Auch die vielen Projekte im Rahmen der strategischen Neuausrichtung des Krankenhauses sorgten für ein konstant überdurchschnittlich hohes Pensum ohne Verschnaufpause.

Derzeit schaltet das Krankenhaus Agatharied bei Jobs-Oberland 48 Anzeigen mit der Suche nach Mitarbeitern. Insgesamt werden 33 Fest- und 15 Teilzeitstellungen angeboten. Das hört sich nach viel an und klingt weniger nach Entspannung bei der Mitarbeitersituation.

Melanie Speicher: Bei fast 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist dies ein normales Maß. In vielen Fällen handelt es sich um Ersatzbeschaffungen, z. B. im Falle von Elternzeit. (Hintergrund: Für Schwangere gilt bei vielen Einsatzbereichen im Krankenhaus ein Beschäftigungsverbot aufgrund von Corona.)

Als die einrichtungsbezogene Impfpflicht im Frühjahr eingeführt wurde, war der Widerstand bei den Krankenhäusern dagegen groß. Nun hat Bayern den vom Bund ab Oktober geforderten Nachweis gestrichen. Nur noch bei Neueinstellungen sei der Booster Nachweis erforderlich. Entschärft das die Situation?

Melanie Speicher: Jegliche Lockerung entspannt die Situation. Im Krankenhaus Agatharied herrschte zu der Zeit aber bereits eine sehr hohe Impfquote. Vorstand Benjamin Bartholdt gibt zu bedenken:

Wir begrüßen ausdrücklich alle Maßnahmen, die dazu führen, übermäßige Bürokratie und übergroße Hürden in der Personalgewinnung abbauen. Leider haben wir derzeit das Gefühl, dass nur die bayerische Gesundheitspolitik in diese Richtung denkt und auf Bundesebene gerade neue bürokratische Hürden und Sanktionsmechanismen für die Krankenhäuser errichtet werden.

Wie hoch schätzen sie die Zahl der Mitarbeiter, die sich nicht impfen lassen wollten und deshalb die Arbeitsstelle bei ihnen gekündigt haben?

Melanie Speicher: Es sind keine Impfpflicht-bezogenen Kündigungen bekannt. Es wurde von Anfang an auch intern kommuniziert, dass sich die Klinikleitung dafür einsetzen wird, Kündigungen zu vermeiden. Das Krankenhaus braucht z. B. jede einzelne Pflegekraft, um auch weiterhin eine medizinische Versorgung für die Landkreisbevölkerung zu gewährleisten. Eine Garantie gab es natürlich nicht.

Ist auch nur einem Mitarbeiter im Krankenhaus gekündigt worden, weil er/sie sich weigerten, die einrichtungsbezogene Impfpflicht zu erfüllen?

Melanie Speicher: Nein.

Wie schätzen die Mediziner im Haus die Chance ein, durch den neuen Omikron-Impfstoff die Zahl der krankheitsbezogenen Ausfälle durch Coronainfektionen in der Belegschaft zu minimieren?

Melanie Speicher: Da der Impfstoff noch sehr neu ist, ist aus Sicht des Pandemie-Beauftragten des Krankenhauses, Dr. Steffen Herdtle, die Datenlage noch nicht ausreichend groß, um eine genaue Abschätzung abgeben zu können.

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