Ein Kommentar zur bevorstehenden Landratswahl

Es wird Kloppo gegen Streich

Man hat es geahnt – und der ein oder andere es sich vielleicht sogar gewünscht: Mit der Kandidatur von Olaf von Löwis von der CSU wird es spannend um das höchste Amt im besten aller Landkreise. Zwei Kandidaten im Vollkontakt mit der zarten schwarz-grünen Gesinnungsgrenze 2020 – das wird im besten Sinne amtlich! Ein Kommentar.

Unser Kommentator prognostiziert: Die bevorstehende Landratswahl wird ein Duell der sanften Giganten. / Quelle: Benno Kirschenhofer

Ein Kommentar von Benno Kirschenhofer:

Mir sei einleitend gestattet vorwegzuschicken, dass es mich beruflich einstweilen weg aus Holzkirchen, weg aus dem Landkreis und sogar weg aus Bezirk und Bundesland verschlagen hat. Und damit leider auch von der schönen Regelmäßigkeit, bei der Tegernseer Stimme gelegentlich das Wort für ein feines Miteinander zu erheben. Nun ist die Situation aber so formidabel, dass ich gerne aus der zugegebenermaßen protestantischen Ferne ein Plädoyer für diese Chance schicke, die dieses Duell für unseren Landkreis bedeutet.

Beppo gegen Olaf

Zum Hintergrund: Unseren Landrat nennen meinesgleichen nur Beppo, er ist alters- und „Mindset“-bedingt einer von uns und man möchte ihn zwar wegen der einen oder anderen Kleinigkeit manchmal am blonden Haupthaare raufen, aber dennoch grundsätzlich mit Amtszeiten überhäufen, weil er in diesen hässlichen Zeiten seit 2014 einfach der Gmunder Anti-Orban war und nach Kräften hochgehalten hat, wofür die Generation der Anständigen steht. Rzehak ist das Wappentier der Gemäßigten, der Demokraten, der Jungen und der Differenzierten. Schwer zu schreiben, leicht wiederzuwählen.

Zum weiteren Hintergrund: Unseren Bürgermeister nennen wir alle nur Olaf, und Olaf ist astrein. Wie der Beppo ist er integer, anständig und hat es verstanden, in der im Landkreis unbestritten wichtigsten und schnellsten Kommune ein Bürgermeister zu sein, der für eine neue CSU steht, der zwischen den Zeilen agiert und seinem Versprechen, ein besonnener und fairer Moderator zu sein, vollumfänglich nachgekommen ist. Natürlich hat er Holzkirchen nicht auf links ziehen können, aber wer kann das schon! Immerhin Geothermie, immerhin Streitkultur, immerhin Fortschritt. Das ist doch schon mal was.

Grün gegen Schwarz

Es wird also ein Duell der sanften Giganten. Aber es wird ein Duell. Freie Wähler, SPD, FDP und andere können sich also Kandidaten-Kür und das Papier für die Plakate schenken wie noch nie. Wirklich. Es ist quasi nach kommunalem Wahlrecht sofort Stichwahl.

Sicher, die AFD wird noch mitkeifen gegen das „Establishment“ und das vermeintlich generische „juste milieu“ – mit Wehrmachts-Helm-Posts und grottiger Grammatik in jedem schwarz-rot-goldenen Meme in den sozialen Medien. Aber bisschen Affenzirkus darf ja auch sein. Dieser Landkreis ist ja robust beim Thema Landrat…

Joppe gegen Janker

Spannend, und das mit vollem Ernst, wird nun aber in den nächsten Monaten, wie die beiden Kandidaten Themen besetzten, und das in Nuancen: Wohnen im Landkreis, Verkehr im Landkreis, Ressourcen, Energie, Natur, Finanzen, Tourismus, Standortpolitik. Zwei wirkliche Sympathieträger, die von vornherein in ein Kopf-an-Kopf-Rennen starten. Da verhelfen nicht allein Antipathien gegen das jeweils andere Parteibuch oder der Support durch den medialen Schulterschluss mit Parteigranden aus Land- oder Bundestag zum Wahlsieg.

Der demographisch starke und bereits dunkelgrüne Nordlandkreis gegen den überalternden Zweitwohnungs-Süden, würden die einen vermuten. Zugezogene gegen Doige. Erstwähler, Performer und Alte. Stur grün gegen stur schwarz. Und doch: Joppe gegen Janker. Es wird Kloppo gegen Streich.

Eine ganz diffizile Demarkationslinie. Es steht jetzt schon fest, es wird am Ende um eine zarte Mehrheit gehen – und die will mit Inhalten erarbeitet sein. Es wird anstrengend für die beiden – aber ein Fest für die Demokratie und Sachpolitik im besten aller Landkreise.


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