30 Jahre Mauerfall

Ossis im Tal – kein Klagelied

Morgen feiert Deutschland 30 Jahre Mauerfall – das mag für das Tal weit weg sein. Überhaupt ist doch schon alles darüber geschrieben worden. Und: Was geht es uns hier im Süden an? Eine Menge findet unser Kolumnist.

30 Jahre Mauerfall – das geht auch das Tal etwas an, findet unser Kolumnist

Eine Kolumne von Martin Calsow:

Sie stehen hinter der Theke, sie arbeiten in der TTT, sie pflegen unsere Grünanlagen, sie sind unter uns. Menschen, die vor vielen Jahren ihre alte Heimat im Osten aufgegeben haben, hierher gezogen sind. Viele von ihnen kurz nach der Wende. Das wird als selbstverständlich gesehen. Hier gab es Verdienstmöglichkeiten. Hier war alles schön.

Gern wird dabei vergessen, was für einen fulminanten Wechsel diese Zugezogenen hinter sich bringen mussten. In einem völlig neuen System, mit völlig neuen Arten des Umgangs, der persönlichen Geflechte und Abhängigkeiten, haben unsere Landsleute aus Thüringen, aus Mecklenburg oder Sachsen diese Heimat für sich erobert. Sie haben den ein oder anderen Spott herunterschlucken müssen, sich vieles still abgeschaut und übernommen. Ich bin mir nicht sicher, ob jeder von uns, der eine wesentlich leichtere West-Vita hatten, das so mit Bravour ebenfalls geschafft hätten.

Stück für Stück in eine neue Heimat

Es wird derzeit viel über „den Osten“ sinniert und gejammert. Undankbar und zurückgeblieben. Wir können das hier nicht bestätigen. Wir sehen Menschen, die sich ihre Existenz Stück für Stück aufgebaut haben, die kleine Geschäfte haben, sich alsbald Wohnungen und gar Häuser kaufen konnten, fleißig waren und sind.

Schon einmal hatte Bayern einen großen Zuzug von Neuen aus dem Osten erlebt. Die Integration der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg war weitaus größer, aber auch weitaus härter und zuweilen gnadenloser. Ich ziehe jedenfalls am morgigen Tag vor jenen den Hut, die klag- und meist geräuschlos ein kreativer, fleißiger Teil unserer Gemeinschaft geworden sind.


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