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Grünes Wasserl: Biotop-Vergrößerung oder Naturzerstörung?

„Recht auf schöne Aussicht gibt es nicht“

Bis nach München drang die Kunde um den Streit über das Grüne Wasserl. Ein TV-Team sammelte eifrig Stimmen bei dem von Landratsamt angesetzten Pressetermin vor Ort. Es wollte damit nochmals klarstellen, dass mit der Splitthalle eine Vergrößerung des Biotops einhergehe. Doch manche Anwesenden waren davon wohl nur schwer zu überzeugen.

Reges Interesse auch der Medien am Ortstermin des Landratsamts / Fotos: K.Wiendl

Der Treffpunkt für Journalisten, Anwohner und engagierte Bürger war die planierte und damit versiegelte Kiesfläche am Grünen Wasserl. Ein trister Platz, plattgewalzt von Schutt. Da war es für Beobachter nur schwer vorstellbar, dass man Teilflächen davon auch wieder renaturieren könne. Geplant ist dort an der B318 jedenfalls ein Splitthalle errichtet werden, „aber nicht im Biotop“, wie Umwelt-Abteilungsleiter im Landratsamt, Thomas Eichacker, zu Beginn des Informationstermins betonte.

Dieser sei auch kein Erörterungstermin, „sondern eine Schilderung, was hier geplant ist“. Mit diesem Termin wolle er Pressemeldungen entgegen treten, das Grüne Wasserl werde „zugeschüttet, das Aus für das Biotop“. Das sei alles „völlig falsch“. Vielleicht wüssten eben viele nicht, was hier wirklich gemacht werde. Geplant ist dort eine 23 Meter lange, 14 Meter breite und 6,80 Meter hohe Lagerhalle für Splitt.

Jochen (mit Kappe) und Birgit Pagenberg als Klageführer gegen den Freistaat

Unmittelbar Betroffene sind Birgit und Jochen Pagenberg als Anlieger. Sie glauben zu wissen, was hier noch geschehe. „Es wird noch eine riesige Verschiebung von Erdmassen geben, damit sie auf den Wasserspiegel kommen“, so Jochen Pagenberg. Seine Frau ergänzte: „Man muss nicht die eine 23 Meter lange Splitthalle parallel zu unserem Grundstück errichten“, um weiter zum Kieswerk zu gelangen. „Das ist eine Wand“.

In ihrer Klage gegen den Freistaat berufen sich die Pagenbergs auf ein Schreiben aus Miesbach. Das Staatliche Bauamt hatte im Juli 2013 die Nutzung des seit 1972 bestehenden und nicht genehmigten Lagerplatzes untersagt und verlangt, dass die „Geländeauffüllungen beseitigt werden“. Zumal eine Erweiterung des Lagerplatzes auch „die Belange des Naturschutzes“ beeinträchtige.

Grünes Wasserl ist „wertvolles Quellgebiet“

„Das Grüne Wasserl ist Teil des ökologisch sehr wertvollen Quellgebiets und Teils des sogenannten Auwaldkomplexes der Ringbergbucht“, hieß es damals. „Die Flussachse Weissach-Mangfall ist von überregionaler Bedeutung“ und Teil des Arten- und Biotopsschutzprogramms des Landkreises. Doch „die neue Zufahrt zum Kieswerk bedrängt das Grüne Wasserl noch mehr“, klagen die Pagenbergs. Wegen vier Metern Fahrweg würde das Landratsamt das ganze „Biotop kaputtmachen“. Sie beklagen, dass da im Landratsamt „niemand aufgewacht ist“.

Für Eichacker seien Ausgangpunkt der ganzen Diskussionen „illegale Lagerplätze“, die sich immer weiter Richtung Biotop entwickelt und das Grüne Wasserl immer weiter eingeengt hätten. „Dies war dem Landratsamt schon1980 bekannt, aber es ist nie richtig eingeschritten“, musste Eichacker einräumen. Mit Beginn seiner Tätigkeit in Miesbach vor drei Jahren sei bereits der Antrag zum Bau einer Splitthalle vorgelegen. Wie berichtet https://tegernseerstimme.de/gruenes-wasserl-schlaegt-weiter-hohe-wellen/  hätten diese auch alle Talbürgermeister vor drei Jahren zur Versorgung aus der lokalen Region begrüßt.

Zufahrt zum Lagerplatz wird verlegt

Josef Lang (CSU) als Vize-Bürgermeister betonte heute nochmals, dass der „Bedarf der Halle im öffentlichen Interesse steht“. Da es im Zeichen des Klimaschutzes nicht angehen könne, dass wie bisher der Splitt aus Fischbachau und München herangekarrt werde. Nach zwei Jahren zähen Verhandlungen mit den Eigentümern des Kieswerks, der Firma Kandlinger, so Eichacker, habe man sich auf eine „Gesamtlösung“ geeinigt, wo jeder „etwas nachgibt“. Jeder würde nun davon profitieren, auch die Familie Pagenberg. Was diese aber nicht so stehen lassen wollten, denn mit ihnen als Nachbarn habe niemand gesprochen.

Die Einigung sehe vor, so Eichacker, „dass die Lagerhalle gebaut werden darf, aber nicht im Biotop, sonder auf bereits versiegelter Fläche“. Zu den Anliegern würden aus Gründen des Emissionsschutzes Lärmwälle gebaut. Auch die Zufahrt von der B318 werde verlegt, um etwa 50 Meter Richtung Rottach-Egern, um auch Radweg und Zufahrt zu entzerren und den Lärm für Anlieger erträglicher zu machen. Zumal die Zufahrt nun auch nicht mehr über Privatgrund erfolge. Eine Forderung seines Amts war, so Eichacker, „dass ein Teil der Lagerplätze zurückgebaut“ werde. Dies sei ein „Knackpunkt“ mit dem Eigentümer des Kieswerks gewesen.

Lagerhalle schränke das Landschaftsbild ein

Jetzt soll diese „Renaturierung auf Wasserhöhe tatsächlich stattfinden“. Bislang sind dort erste Abgrabungen am Wasserlauf sichtbar. Aus Sicht von Eichacker soll der Uferbereich „inselartig erhalten bleiben“. Eine andere Aufschüttung bis zum Steg bleibe dagegen bestehen. Aber mit der Renaturierung entstehe eine fünfmal so große Fläche. „Natürlich“ würden bei Ufer-Renaturierungen bestehende Ufer „beeinträchtigt oder beseitigt“. Dies gehe nicht anders. Aber die Natur würde sich den Raum wieder zurückholen und „letzten Endes davon profitieren“.

Diese zugeschüttete Fläche am Grünen Wasserl muss wieder renaturiert werden

Einräumen musste Eichacker mögliche „Einschränkungen des Landschaftsbildes durch die Halle“, das sei „Geschmackssache“. Er halte die Einschränkung für die Untere Naturschutzbehörde „überschaubar“. Sie hätte im Landschaftsschutzgebiet „nicht unbedingt sein müssen“, aber die „landschaftliche Einwirkung ist überschaubar“, meinte Eichacker  Dies sei eben das Wesen eines Kompromisses, allen Belangen gerecht zu werden. „Dies war die Herausforderung an diesem Ort“.

Keine Verschandelung des Baukörpers durch die Halle

„Wir haben uns als Talbürgermeister alle für diese Halle ausgesprochen“, sagte Kreuths Josef Bierschneider (CSU), „damit auch ein Zugriff im Winter besteht und man nicht riesige Kapazitäten an Lagerflächen in den Gemeinden schaffen muss“. Weiter sei wichtig, so Bierschneider, dass das Kieswerk einen langfristigen Bestand habe. „Damit das Geschiebe der Weissach in den Ringsee auch künftig ausgebaggert wird“. Seit nunmehr 20 Jahren als Bürgermeister begleite ihn der Streit um den Lagerplatz.

„Es kam nie zu einer einvernehmlichen Lösung“. Jetzt sei dies mit der Renaturierung überschütteter Flächen aber gelungen. Bierschneider glaubt, dass man die Halle optisch so schön gestalten könne, „dass der Baukörper das Ortsbild nicht verschandelt“. „Eine negative Einwirkung“ der Halle auf die Pagenbergs sieht Bierschneider nicht. Eichacker ergänzte: „Ein Recht auf schöne Aussicht gibt es nicht“.

Am Montagabend ist das Für und Wider zur Splitthalle auch Thema in der Abendschau des Bayerischen Fernsehens.

 


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