Sareiter bekommt SPD-Mitbewerber um Chefsessel

Kühn will Wiesseer Bürgermeister werden

Nachdem Florian Sareiter für die CSU als Bürgermeisterkandidat nominiert wurde, möchte die Orts-SPD ihm nicht das Feld allein überlassen. Ihr Vorsitzender Robert Kühn wirft auch seinen Hut in den Ring. Eine Entscheidung, die überraschend kommt.

Robert Kühn steigt in den Ring ums Wiesseer Bürgermeister-Amt. / Quelle: Klaus Wiendl

So manche Stimme war in Bad Wiessee zu hören, die davon ausging, nachdem Robert Huber fast ein Jahr als Interimsbürgermeister des erkrankten Rathauschefs agierte, dass er als 60-Jähriger die letzte Chance ergreifen wolle, den Bürgermeistersessel auf Dauer zu ergattern. Doch seit heute scheinen die Fronten klar zu sein. Nachdem Robert Kühn bei der letzten Landtagswahl noch klar scheiterte, will sich der SPD-Ortsvorsitzende nun mit Sareiter bei der Kommunalwahl im März kommenden Jahres messen. Kühn als selbstständiger Kaufmann und Vereinsvorstand der „Aktiven Wiesseer“ hat mit diesem Schritt vor, dass die Wiesseer Bürger „jetzt schon erfahren“, wen sie als Kandidaten zur Auswahl haben. Sie sollen sich ein Bild machen können, was ein SPD-Kandidat von den Vorgängen im Ort halte. Deshalb habe er für sich entschieden, „sich um das Amt im Rathaus zu bewerben“.

Ab einem gewissen Punkt müsse man den Mut haben, einen Schnitt zu machen und „nach vorne zu schauen“ und die „jungen Leute nach vorne zu schicken“, sagt der 36-Jährige. Für seine Kandidatur habe er den „Rückhalt des Ortsvorstands“. Eine Nominierungsveranstaltung soll zeitnah folgen. Ob es jemanden mit ähnlichen Ambitionen in seiner Partei gebe, „wisse man natürlich nie“. Dass aber Robert Huber nicht kandidiere, sei intern schon geklärt worden. Ein „Kernteam“ zur Wahl, auch mit jüngeren Köpfen, sei schon zusammengestellt worden.

Mehr Transparenz im Gemeinderat gefordert

Er halte sich zugute, andere Ideen zu haben und manche Dinge anders zu sehen. Beispielsweise nannte Kühn die drastische Erhöhung der Kurtaxe. „Das ist so unglücklich gelaufen, das kann man sich gar nicht schlechter vorstellen“. Obwohl seine SPD schon lange mehr Transparenz fordere. Wenn der Bürgermeister etwas in nicht-öffentlicher Sitzung behandelt, müsste die Tagesordnung anschließend veröffentlicht werden. Nur so könnten die Bürger an Entscheidungsprozessen des Gemeinderats teilhaben und erfahren, ob die Persönlichkeitsrechte Dritter geschützt werden müssen. „Da ist das Kind in den Brunnen gefallen“. Man sehe ja, zu welchen Entwicklung dies führe.

„Nur der informierte Bürger kann mitdenken und so fundiert an der Gestaltung unseres Heimatortes mitwirken“, steht bereits in einem Offenen Brief des SPD-Ortsvereins vom April 2017. Doch an der Realität hat sich nichts geändert. Auch nicht in dem knapp einem Jahr, als SPD-Interimsbürgermeister Huber das Ruder im Rathaus übernahm. Auch er hielt es mit der Geheimhaltung sensibler Themen. Kühn vermisst den „großen Plan“, alles sei immer nur Stückwerk mit Blick auf den Gesundheitsstandort.

Ich möchte eine Vision für Bad Wiessee haben und kein Insolvenzverwalter sein.

Man könne auch in kleineren Schritten den Ort voranbringen. Schwerpunktmäßig will Kühn etwas für „alle Bürger“ tun, und sich auch darum kümmern, die Versorgung von Senioren mit Heimplätzen und die Unterbringung der Kinder zu verbessern. „Das ist eine elementare Sache, für beide Gruppen die Infrastrukturen vorzuhalten“. Dies dürfe „nicht hinten runterfallen“, da man derzeit nur auf die großen Projekte im Ort blicke. Kühn plädierte mit Blick auf den Verkehr auch für weitere Ladestationen, den Ausbau von Radwegen und die kostenlose Ringlinie für alle mit viertelstündiger Taktung. Damit sei nach Kühns Ansicht die „Hemmschwelle“ der Bürger für das Busfahren zu überwinden.

Bei Großveranstaltungen seien Shuttlebusse, ob zum Spielbank- oder dem Volksfestparkplatz in Gmund, die einzige Möglichkeit, an solchen Tagen den Verkehrskollaps in Wiessee zu verhindern. „Man sollte große Parkplätze offensiv ausweisen und die Leute am Talanfang abfangen“. Dies alles sei schon „tausend Mal angedacht und tausend Mal verworfen“ worden.

„Irgendwann erwartet man vom Bürgermeister klare Worte und die Ankündigung von Konsequenzen“, ob nun beim Baustopp von SME oder ständig neuen Hotelplänen von Thomas Strüngmann. Der Stil, „wie eine Gemeinde geführt wird, muss sich grundlegend ändern“. Er glaube auch nicht, dass es Höß geschickter als sein Vertreter Robert Huber „gemacht“ hätte. „Jedes Unternehmen wird anders geführt. Die Gemeinde aber verwaltet auch Millionen“. Deshalb könne sich Wiessee niemanden leisten, „der sich in der Außenwirkung schlecht darstellt“. Kühn will als Kandidat „für ein weltoffenes Bad Wiessee stehen“.


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