Rottacher Gemeinde erbt Immobilie

Für 1,5 Millionen an Einheimischen zu verkaufen

Die Lage im ruhigen Ortsteil Sonnenmoos ist idyllisch. Entsprechend ist der Verkaufspreis im Bieterverfahren. 1,5 Millionen Euro will die Gemeinde mit dem geerbten Grundstück samt Einfamilienhaus mindestens erzielen. Doch das „Anheizen“ des Immobilienmarkts gefällt nicht Jedem.

Diesen Bungalow mit Swimmingpool und großem Grundstück will Rottach-Egern verkaufen / Foto: Gemeinde Rottach-Egern

Ausgeschrieben ist das renovierungsbedürftige Einfamilienhaus aus dem Jahr 1964 mit einem Grundstück von 1.900 Quadratmetern. Bis vor zwei Jahren lebte darin auf 105 Quadratmetern Wohnfläche eine alleinstehende alte Dame. Sie vermachte die Immobilie der Gemeinde. Die will sie nun veräußern. Inseriert wird der Bungalow im Internet auch mit einem sanierungsbedürftigen Swimmingpool. „Eine mögliche Neubebauung (EG+1 OG) nach einem eventuellen Abriss bietet eine Grundfläche von zirka 190 Quadratmetern zuzüglich Garage. Ein großer Teil des Grundstücks befindet sich im Außenbereich, der als Grün-/oder Gartenfläche genutzt werden kann“.

Doch Manchem im Ort missfällt, dass hier „wieder Wohnraum auf den Markt geschmissen“ und der „Wahnsinn“ weiter angeheizt werde, statt Zeichen zu setzen. Dort am Ruepp-Anger 44 könnten nach Ansicht von Kritikern auch sechs Wohneinheiten in Form von zwei 3-er Reihenhäusern in Erbbaurecht entstehen oder an junge einheimische Familien vergeben werden.

Vorwürfe, die Bürgermeister Christian Köck so nicht gelten lassen will. „Denn mit dem Erlös aus der Immobilie soll sozialer Wohnraum in Ellmösl geschaffen werden“. Die verstorbene Besitzerin habe in ihrem Nachlass verfügt, dass die Gemeinde zur Veräußerung des Grundstücks für ein sinnvolles Projekt berechtigt sei. „Wir verkaufen die Immobilie, um in Ellmösl ein Haus komplett zu sanieren. Ein anderes Haus wird weggerissen, dafür entstehen zwei neue“. Diese Baumaßnahmen schätzt die Gemeinde laut Köck auf sechs bis acht Millionen Euro. Dafür gebe es auch noch eine staatliche Förderung.

Wohnbauprogramme ohne Kredite

Obwohl Rottach finanziell „gut dasteht“, wolle man solche Wohnprogramme ohne Kreditaufnahmen stemmen. Ein Handicap für eine größere Bebauung des Grundstücks mit Reihenhäusern sei, dass es überwiegend dem „Außenbereich zuzuschlagen ist“. Deswegen die Einbeziehungssatzung zu ändern, komme nicht in Frage, da man als Gemeinde „baurechtlich sehr stringent“ sei. Ein „verkehrtes Signal“ wäre es, wenn sich die Gemeinde etwas genehmige, was sie anderen verweigere. Die Erblasserin habe lediglich 130 Quadratmeter im Innenbereich bewohnt. „Das Haus ist alt, klein und nur für ein oder zwei Personen geeignet“. Den Bungalow könne man nicht an eine Familie weitervermieten, da die Räumlichkeiten nur durch Umbauten dafür geeignet wären.

Der Kaufpreis von 1,5 Millionen Euro ist laut Köck von der Sparkasse vor zwei Jahren so geschätzt worden. „Wir haben bewusst nicht die aktuellen Preise genommen“. Man wolle es an einen Interessenten aus dem Ort verkaufen, „der bei uns lebt, den Bedarf dafür hat und hier seinen Erstwohnsitz“. Ein Weiterverkauf werde vertraglich nicht toleriert.

„Kein Spekulationsobjekt“

Man wolle nicht wie ein Bauträger „den Preis endlos in die Höhe treiben“. Sondern „verträglich“ soll es abgegeben werden, damit wieder „etwas Schönes“ dort entstehen könne. Außerdem strebe die Gemeinde an, auch hinter dem Feuerwehrhaus das Gelände mit sozialverträglichem Wohnungsbau zu entwickeln. Unklar sei noch, ob es ein Einheimischen Modell werde, oder sozialer Wohnungsbau. Der Bedarf an Wohnungen sei „derzeit so groß“, dass es wohl mehr Sinn mache, „möglichst viele Menschen“ dort unterzubringen. Der CSU-Bürgermeister betont:

Wir machen unsere Hausaufgaben und halten uns an das, was wir vor der Wahl versprochen haben.

Inzwischen gebe es für den Besichtigungstermin am Freitag bereits einige Interessenten. Danach entscheide der Gemeinderat anhand eines Kriterienkatalogs über den Verkauf. Dann zähle, ob jemand hier arbeite, eine Familie habe und sich in den Vereinen engagiere. „Keinesfalls darf es ein Spekulationsobjekt werden“.


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