Nach Tegernsee nun Rottach-Egern

Schicht im Schacht bei der Post

Während man in Tegernsee noch auf der Suche nach einer Postfiliale ist, haben Rottach-Egern wie auch Gmund wenigsten eine in einem Discounter. Doch diese Notlösungen befriedigen weder Kunden noch Bürgermeister, die von Unverständnis und schäbigen Verhalten sprechen.

An die Tristesse des verlassenen Postgebäudes werden sich Rottachs Bürger gewöhnen müssen / Klaus Wiendl

Gestern gingen in der Rottacher Postfiliale die Lichter aus. Und zwar am 12.12. um 12 Uhr. Was wie eine Schnapszahl aussieht, ist für Postkunden ärgerlich. Statt in der geräumigen und altehrwürdigen Schalterhalle an der Hauptstraße neben dem Rathaus müssen sie sich nun in eine Ecke am Eingang des Edeka-Marktes drängen. Von dem sich anbahnenden Verkehrschaos neben der Billig-Tankstelle ganz zu schweigen.

Doch ein Stellplatzproblem sieht Köck beim Edeka nicht. Denn die Parkplätze seien bereits vorhanden, zudem sei die Ladenfläche nicht vergrößert worden. Sie würde nur anders mit dem Postservice genutzt werden. Ein zusätzlicher Bedarf an Stellplätzen ergebe sich nur, wenn ein Anbau am Discounter erfolgen würde. „Wir müssen hier nichts unternehmen“, so Köck.

Die Postbank als Mieterin gibt für die Verschlankung auf einen reinen Brief- und Paketdienst wirtschaftliche Gründe an. Das Postamt hätte nicht mehr kostendeckend betrieben werden können. “Nur durch eine stetige Anpassung unseres Filialnetzes können wir langfristig unsere Rentabilität sicherstellen”, argumentiert Pressesprecherin Jasmin Feustel von der Postbank. Das Verhältnis zwischen Serviceleistungen und Neugeschäft bei Bankprodukten habe nicht mehr gestimmt.

Ende des Postamts ist „ein Einschnitt“

Verstimmt über die Informationspolitik der Postbank ist Rathauschef Christian Köck (CSU). Denn die Gemeinde als Nachbar sei über die bevorstehende Schließung nicht informiert worden. „Wir waren nun das letzte Postamt im Tal, das von der Schließungswelle betroffen ist“. Das sei mit Sicherheit „ein Einschnitt“, den Köck gerade vor Weihnachten nicht nachvollziehen könne. Zwar wäre die Schließung zum Jahresende auch schmerzhaft gewesen. Aber jetzt das ganze Weihnachtsgeschäft in den Supermarkt zu zerren, „finde ich grenzwertig“. Das sei nicht gerade „verbraucherfreundlich“.

Die Kunden: von der Halle im Postgebäude in den Discounter abgeschoben / Klaus Wiendl

Ihre Kunden scheint die Postbank ohnehin nicht im Blick zu haben. Nur in den weit entfernten Kopffilialen von Bad Tölz und Miesbach gebe es noch reine Bank-Beratungen. Postbank-Kunden im Tal müssen künftig ihre Bankgeschäfte über die Deutsche Bank, die Commerzbank und die HypoVereinsbank abwickeln, mit denen laut Köck Kooperationen bestehen.

Gemeinde hat Interesse am Post-Areal

Was mit dem 1926 erbauten Gebäude auf dem Nachbargrundstück passiert, „ist noch nicht geklärt“, so Köck. „Momentan läuft noch der Mietvertrag des Eigentümers Hermann Elmering mit der Post“. Die nun zweimal zahlt, an Edeka und Elmering. Der Unternehmensberater erwarb in den 90er-Jahren Post-Areale in Bad Tölz, Gmund, Tegernsee und Rottach-Egern. Drei der Immobilien hat der Tegernseer inzwischen verkauft. Das Postgebäude in Gmund erwarb die Gemeinde im Dezember 2005. In Tegernsee veräußerte Elmering das Postamt und den Kraftposthof an einen Bauträger.

Diese Gefahr könnte Rottach drohen. Denn laut Köck hätten Elmering schon „einige Anfragen“ erreicht. „Auch wir als Gemeinde haben in dieser Zentrumslage Interesse. Daher wäre es fahrlässig, wenn wir nicht auch unseren Hut in den Ring werfen würden“.

Post-“Service” im Edeka-Supermarkt / Klaus Wiendl

Anfang des Jahres will sich Köck mit Elmering treffen, um dessen Nachfolgepläne zu erfahren. Dieser sei über die Schließung genauso wenig informiert worden, wie die Mitarbeiter der Filiale. „Transparenz scheint nicht die Stärke der Post zu sein“, bedauert Köck. Transparenz ist offensichtlich auch nicht die Stärke von Elmering. Er ist auf Anfrage zu keiner Stellungnahme bereit.

Der nächste Weg nach Bad Tölz oder Miesbach / Klaus Wiendl

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