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Ein Kommentar von Martin Calsow

Schon mal mit Raclette-Pfannen üben

Von Martin Calsow

Es gibt ein bundesweites Böllerverbot. Eine gute Nachricht für alle Haus- und Wildtiere, eine schlimme Nachricht für Hobby-Sprengmeister. Wir haben eine Empfehlung. Gern geschehen…

Nase weg wegen Böller? Nicht in diesem Jahr. / Quelle: Pharao Insatete

Ein Kommentar von Martin Calsow:
Das Los von Kindern mit alten Eltern: Immer gab’s Sprüche, die heute als schwarze Pädagogik gebrandmarkt werden. Dennoch waren es Wirkungstreffer: Neben „Stell dich nicht so an. Nimm dich nicht so wichtig. Kino? Den Film gibts in fünf Jahren im Fernsehen“, gab es auch diesen hier: “Die hätten es nie übers Haff geschafft”. Gemeint waren weinerliche Zeitgenossen, denen mein Vater eine erfolgreiche Flucht aus Ostpreußen nicht zugetraut hätte.

Wie komme ich zu diesem Bild gerade? Ach ja, das bundesweite Böllerverbot. Kaum ausgesprochen, heulen meist Männer über diese Maßnahme wie Goldstaubkinder aus der Waldorfschule. “Nichts darf man mehr. Alles verboten. Früher war mehr Lametta. Will aber zischen und böllern”, greint die adulte Knalltüte.

Es ist vornehmlich das Weinerliche, dieses frühpubertäre, auf dem Boden aufstampfende Verhalten vieler Schall und Rauch-Zeitgenossen, das uns nervt. Es sind eben nur Knallfrösche, die ihre persönliche Gestaltungsfreiheit über das Zünden von Sprengmitteln definieren. Jetzt mal unter uns: In einer Region, in der Menschen sich nicht impfen lassen, lieber Pferde-Entwurmungsmittel schlucken und generell an Hagelflieger glauben, ist man froh, wenn diese sich von Sprengstoffen aller Art fernhalten. An anderer Stelle machte ich bereits einen Vorschlag zur Güte. Noch einmal, und wegen meiner auch zum Ausschneiden und an den Kühlschrank kleben:

Kurz vor Silvester-Mitternacht geht der beschwipste Böllermann in die Küche, greift sich eine Bratpfanne, passiert freudige, mit Sekt anstoßende Menschen, stapft hinaus in die vor sich hin nieselregende Nacht, stellt sich unter eine Laterne, schwingt die Bratpfanne drei Mal kräftig, ruft laut dabei “Prosit” und „Ich bin ein freier Mensch und will leben…LEBEN!“, zimmert sich dann das gusseiserne Kochgerät auf die Kopfplatte. Ein Böller, der sofort wirkt. Wer noch Kraft und Muße hat, kann sich mit einem zweiten Schlag auch das Gesicht selbst neu modellieren (Instagram-Trend? Fisch-Preysing oder Einstecktuch-Kühn fragen). Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, gerade zu Jahresbeginn schmückt eine geschwollene Nase enorm.

Die Einschlagkraft ist enorm wichtig. Der Profi weiß: Sie sollte jenseits des Schädelbruchs liegen, nicht zum Hospitalbesuch führen, denn dort liegen auch ungeimpfte Helden mit Tubus im Hals und warten auf Langzeitstudien. Die Wucht sollte aber noch genug feierliche Wirkungen wie stechenden, fast zischenden Schmerz, und viele kleine Sternchen im Sichtbild hervorrufen, um das alte Silvestergefühl wieder aufkommen zu lassen. Liegt man erschöpft, aber irgendwie glücklich dann am Boden, darf sich die Böllerbeule über den Haushund freuen, der angesichts der Ruhe dem Opfer dankbar durchs Gesicht leckt. Auf der Intensivstation in Agatharied wird dann vielleicht nur der Ungeimpfte betreut… In kurzer Form für unsere kognitiv Herausgeforderten: kein Bumm=kein Aua=kein Stress im Krankenhaus.

Der ein oder andere Böllerfreund (hier geht der Rat an alle Erstböller raus), darf schon einmal mit kleinen Raclette-Pfannen zwischen den Jahren üben. Fängt das Jahr mit einer griabigen Gehirnerschütterung an, kann in den nächsten Monaten nichts schiefgehen.


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