Ein Gastkommentar: Wie man anderen die Party vermiest

Silvester-Spaßbremsen

Von Margot Dehrendorf

Der verehrte Kollege Martin Calsow hat auf dieser Seite das Böllern und Krachen des gemeinen Volkes gerügt. Besonders das eigene Geschlecht sei hier zu verdammen. Denn Frauen machen sowas nicht. Damit reiht sich der Kollege brav in die Reihe der wohlmeinenden Autoritären ein, die anderen gern erklären, was sie falsch machen, findet unsere Gastkommentatorin.

Die Initiative „Feiern statt Feuern“ kämpft gegen große Feuerwerke im Tal. / Archivbild Rottacher Seefest

Ein Kommentar von Margot Derendorf

Also, Böllern geht nicht. Macht Dreck und ist Gift für die Umwelt. Nichts ist für chronische Klassensprecher schöner, als anderen die Party zu vermiesen, und dabei als moralisch sicherer Sieger im Türrahmen zu stehen. Sich über die Dummheit anderer zu erheben, gefällt uns allen. Und wenn dann einige etwas völlig Sinnloses tun, dann kann man den Moralknüppel erst recht aus dem Sack lassen. Denn der Mensch selbst ist ja derzeit in allem was er tut, ein großes Problem. Frisst Flächen, schießt Schnee aus Kanonen, produziert CO2, lässt Flüchtlinge ertrinken, macht Kriege und staut sich im Tegernseer Tal. Da kann man gar nicht genug mahnen und vorwerfen.

Das sich hinter dem Böllerverbot aber eine tiefe grüne Spießigkeit verbirgt, wird vom MM selten erwähnt. Denn genauso gut könnte er alle Rockfestivals oder Demos für den Klimawandel verbieten. Ach ja, und dann die Tierschützer, die ungefragt Fotos ihrer Köter herumschicken. Die einstmals stolzen Wolfsnachfolger sitzen da meist vor „Bitte nicht böllern“ Plakaten. Ich habe Angst“: Der Hinweis dieser Lobbyisten in eigener Sache ist natürlich wohlfeil. Ausgerechnet jene, die jahrein jahraus mit den Hinterlassenschaften und Bell/Beißattacken ihrer Vierbeiner die Umwelt nerven und verdrecken, mucken auf, wenn sie für einen Tag ihre Butzibärlis wegsperren müssen.

Dann wäre noch das Wildtier. Kein Förster mit Verstand wird bestätigen, dass sich Wild im Bergwald davon signifikant erschrecken oder gar gefährden ließe. Aber es passt so schön: Das arme Bambi, dass zusammenzuckt und dann bitterlich im tiefen Schnee erfrieren muss. Diese naive Natursicht könnte nur ein müdes Lächeln verursachen. Es kommt aber mit dem autoritären Willen zum Verbot daher. Denn neben Wurst, Fußball liebt der Deutsche auch das Verbot. Kann man daraus nicht einmal eine neuen Hymnentext komponieren? Robert Habeck, übernehmen Sie!


Unternehmen aus unserer Region

Die neuesten Artikel

Die Redaktion empfiehlt


Aktuelle Jobangebote aus der Region
Tegernseerstimme

Tegernseerstimme