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Ein Kommentar zum politischen Gehabe an der Wiesseer Westbank

So geht das nicht!

Von Martin Calsow

Die Westbank Wiessee: Viele Projekte, wenig Kommunikation. Ob Jodschwefelbad oder Badepark – die Bürger werden nur allzu selten in die Gestaltung der Orts-Zukunft eingebunden. Stattdessen findet vieles in der Nichtöffentlichkeit statt. Unser Kommentator Martin Calsow wünscht sich mehr denn je ein Zauberwort ins Wiesseer Rathaus zurück: Partizipation.

Kehrt der Öffentlichkeit des Öftern den Rücken zu: Wiessees Bürgermeister Peter Höß (vorne im Bild) / Archivbild

Ein Kommentar von Martin Calsow:

Das Wort ist sperrig wie eine Teenager-Zahnspange: Partizipation. Es ist mit Teilhabe nicht so richtig gut übersetzt. Aber es ist das Zauberwort für kleine Orte wie Bad Wiessee. In der Gemeinde mit dem größten Entwicklungspotenzial am Tegernsee will die Kommunalpolitik von Teilhabe der Bürger wenig wissen.

Der Bürgermeister, sicher mit besten Absichten und einer Idee von einer Zukunft im Kopf ausgestattet, will einfach nicht erklären. Schweigt gern. Man hat den Eindruck, er flüchtet sich rasch ins Formelle. Das Jodschwefelbad-Projekt ist nicht nur ein Riesenstück Veränderung für so ziemlich alle sozialen Gruppen in seiner Gemeinde, sondern auch im gesamten Tal.

Er bewegt Millionen Euro, er verkauft gemeindeeigene Grundstücke (die im weiteren Sinne allen Wiesseer Bürgern gehören), um dieses Projekt wirtschaftlich zu stemmen. Land wird versiegelt, um mehr Land zu versiegeln. Wenige Großinvestoren wie Strüngmann und Haslberger dominieren mit ihren Zukäufen den Ort. Da ist viel Sprengstoff vorhanden.

Schweigen ist nicht gut fürs Klima

Aber Höß verhandelt im stillen Kämmerlein mit Investoren und Quertreibern wie dem Betonbaron aus Freising, rückt nur stückweise mit Informationen heraus. Das alles ist nicht gut fürs Klima. Und damit ist nicht das bekannte Heilklima im Ort gemeint. Vergessen wir einmal die üblichen Meckerzwiebeln, die zuweilen sehr persönliche Gründe für die persönlichen Attacken gegen den Bürgermeister haben.

Immer mehr Bürger haben den Eindruck, dass da entweder nichts vorangeht, oder wenn, dann nur sehr verschwurbelt. Das gilt ja nicht nur fürs Jodschwefelbad-Projekt. Der Geschäftsführer des Ortes verkriecht sich in seinem Büro, schweigt und „arbeitet sich ein“. Ein Stadtentwickler, der sehr exklusiv seine Ideen von Ortsgestaltung ausbreiten und meist auch umsetzen darf. Doch nur wenige sind mit den Ergebnissen seiner Arbeit zufrieden.

Bitte kein Hinterzimmer-Gewurschtel mehr

Da werden weder Vereine, Bürgergruppen oder andere Ehrenamtliche eingebunden. Besonders deutlich wurde das, als eine Privatinitiative einen Maibaum aufstellte. Einfach so, auf dem Pflaster-GAU, auch als Lindenplatz bekannt. Für einen Augenblick hatten sich Bürger ihren Raum zurückgeholt.

So ein Hinterzimmer-Gewurschtel war im letzten Jahrhundert möglich. Heute wollen Bürger mehr wissen, schneller und besser informiert sein und vor allem eingebunden werden. Da reichen das Gemeindeblättchen und sporadische Bürgerversammlungen nicht aus. Letztere haben dann auch eher den Charakter einer öden SED-Parteischulung, statt einer lebendigen Diskussionsrunde.

Wenn der aktuelle Gemeinderat und sein Bürgermeister nicht als verschwiegen und dennoch zerstritten in die Ortsgeschichte eingehen will, muss in diesem Jahr eine Trendwende her: Der Rathauschef muss mehr reden, erklären und werben. Der Gemeinderat sollte seine nichtöffentlichen Sitzungen auf ein absolutes Mindestmaß reduzieren. Sonst wird das nichts mit der großen Zukunft des kleinen Ortes auf der Westbank.


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