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Nach der Katastrophe im Westen: Talgemeinden müssen Bürger aufklären

So geht es nicht weiter!

Von Martin Calsow

Nach der Unwetterkatastrophe in Teilen Deutschland wirft unser Kommentator Martin Calsow einen Blick auf das Tegernseer Tal und unsere Bürgermeister. Es gibt viele offene Fragen, zählt er auf, und hat eine zentrale Forderung.

Erst am 18. Juli stiegen die Pegel in Flüssen und Bächen rund um den Tegernsee rasant an.

Ein Kommentar von Martin Calsow:

Das Desaster hat vor allem eins gezeigt: Bauen gegen die Natur hat tödliche Folgen. Ob Häuser an Hängen, in Hochwasser-Gebieten, das exzessive Versiegeln unseres Bodens mit Parkplätzen, Tiefgaragen oder Gewerbeflächen – wer diese Entwicklung nicht rechtzeitig stoppt, wird alsbald mit dummem Gesicht in Fluten stehen und sich rechtfertigen müssen. Typischer Reflex bei Verantwortlichen: Ist doch nur Alarmismus. Nur: Das hätten die Bürgermeister von Erftstadt oder Ahrweiler vermutlich auch vor sechs Wochen noch gesagt. Sie wurden von den Fluten “überzeugt”.

Jeder halbwegs bei Verstand befindliche Tal-Bürgermeister muss nach dieser Katastrophe unruhige Nächte haben. Was, wenn seine Gemeinde von Fluten und Schlamm, Baumstümpfen und Gestein überrollt wird? Einfach nur als Gottes Wille abtun oder zufälliges Schicksal? Wohl kaum. Auf den Staat hoffen? Viel Glück.

Der hat schon in der Pandemie mit einigen Anforderungen seine intellektuellen und infrarukturellen Grenzen erreicht. Es muss vor Ort gehandelt werden. Wenn der Alpbach, die Rottach, der Zeiselbach zu reißenden Strömen werden, Hab und Gut oder Menschen mitreißen, wird man auf die Bürgermeister schauen.

Zeiten haben sich geändert

Es muss eine Bürgerversammlung in jedem Ort her. Vielleicht lädt man jene leidgeplagten Politiker aus den Katastrophengebieten ein, lässt sie berichten. Die Einwohner müssen, wenn nötig mehrfach, auf die Geo-Risiken der jeweiligen Gemeinden hin- und eingewiesen werden. Wenn Einheimische glauben, sie hätten qua Geburt das Wissen über neue Wetter-Szenarien durch ein verändertes Klima aufgenommen, irren sie. Zeiten haben sich geändert.

Welche Bäche können wie gefährlich werden? Wie sind wir vor Ort dazu aufgestellt? Wer muss helfen? Wie evakuieren wir? Wie verhalte ich mich bei Überflutungen, Stichwort: meiden des Kellers? Welche Sirenentöne sind zu beachten? Ältere Menschen kennen noch Katastrophenübungen, Jüngeren sind sie fremd. Welche Hänge sind risikobehaftet? Wo sind zwar Baurechte eingetragen, aber aus Sicht der Gemeinde heikel in Hinsicht auf Rutschungen etc.? Welche Versicherungen sind nun zwingend abzuschließen?

Was ist jetzt sofort zu tun?

Die Georisiken-Kartierung, die einige Gemeinden auf ihren Websites (möglichst versteckt) zeigen, sind meist von 2008. In den vergangenen 13 Jahren hat sich das Klima nach Angaben der allermeisten Experten verändert – mit massiven Folgen für den Voralpenraum: Starkregen zum Beispiel treten häufiger und heftiger auf,  und die Zunahme an Bautätigkeiten hat ebenso andere Fakten geschaffen.

Eine neue Modellierung der Karten wäre sicher angebracht. Damit wiederum müssen Landratsamt und Gemeinden neue Schlüsse für die Bebauung ziehen. Das, was gestern vielleicht noch galt, ist heute vermutlich überholt und kann somit ein weiterer Baustein in eine Katastrophe bedeuten.

Städte und Gemeinden werden sich auch in Zukunft nicht vollständig schützen können. Das ist so klar wie hart. Experten betonen, dass es wirtschaftlich und lebenspraktisch gar nicht möglich sei, alle Elemente unserer Kulturlandschaften und Infrastrukturen wegen solcher Extremereignisse nun pauschal neu zu bemessen, umzubauen und damit abzusichern. Umso wichtiger ist eine nachhaltige Aufklärung der Bevölkerung. Bürgerversammlungen sind da zwingend, aber nur der erste Schritt.


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