Schaffen wir im Landkreis die Corona-Kurve?

von Martin Calsow

Vergessen wir für einen Augenblick die Fehler in der Vergangenheit. Den Schlingerkurs der Politiker, die Gier der Apotheker oder das feige Agieren der EU. Vergossene Milch. Schauen wir in die Zukunft. In den nächsten Monaten wird es darauf ankommen, wie schnell und effizient geimpft wird.

Ein Kommentar von Martin Calsow:
Das Schöne an Prozessen (nein, nicht die gegen korrupte Unions-Politiker) ist, dass man alle Wege der Produktion eines (Wirtschafts-)Gutes, gleich welcher Art, wunderbar nachverfolgen kann. Moderne, digitalisierte Prozessarbeit macht das möglich. Das gilt für Biontech genauso wie für Audi oder Ritter Sport.

Also: Wäre unser Staat wie ein im Wettbewerb stehendes Industrieunternehmen an schnellen, effizienten Prozessen interessiert, wüssten seine Behörden sehr wohl, wann und wieviel Impfstoff in den nächsten Wochen und Monaten aus den Fabriken läuft. Er müsste dann auch wissen, welcher Landkreis wieviel bekommt. Und das in Echtzeit. Keine Minute darf vertrödelt werden. Diese Lieferungen müssen auf ihren Wegen zu den Impfzentren oberste Priorität haben und in Echtzeit verfolgbar sein. Warum ist das wichtig? Man nennt es den Ketchup-Flaschen-Effekt. Erst kommt lange nichts, dann ploppt es in großen Mengen heraus, mehr als man verarbeiten kann.

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Mit modernen Prozessen hätte auch unser Landkreis die wichtigste Information, nämlich was auf sie an Impfstoff-Mengen zukäme. Jetzt muss der Impfstoff also nur noch in die Arme der impfwilligen Bürger gespritzt werden – wieder so schnell und unbürokratisch wie möglich. Denn jeder Tag kostet Leben, Gesundheit, Geld, Existenzen und Bildung.

Nehmen wir also an, dass beispielsweise Ende Mai genügend Impfstoff vorhanden ist, um alle Bürger impfen zu lassen. Dann muss doch jeder, der eine Spritze benutzen kann, an möglichst vielen Orten im Landkreis impfen. Schulen, Apotheken, Feuerwehrhäuser, Rettungszentren, Tierarztpraxen und klar, natürlich auch Hausärzte. Aber das muss rund um die Uhr geschehen. Hier zählt jeder Tag. Die Priorität wäre dann wurscht. Viel und schnell müsste das Motto sein.

Die Ministerialbürokratie versagt

Aktuell sieht das Bild leider anders aus: Die Impfzentren werden nach wie vor unzureichend informiert, ersticken in Formalien. Hausärzte werden unzureichend bis gar nicht informiert, sind aber das wesentliche Rückgrat der Impfversorgung in der Zukunft. Die Ministerialbürokratie, auf die man in Bayern so stolz ist, blockiert, verhindert und kommt mit wirren Auflagen. Denn das haben Beamte früh gelernt: Möglichst den eigenen Bereich schützen und Verantwortung ablehnen. Unternehmerisches Risiko, eigenverantwortliches Handeln – das ist der Beamtenblase fremd. Obwohl sie Amtseide geschworen haben, ducken sie sich weg. Sie vollziehen lediglich Befehle von oben, und sind vielfach hauptsächlich Bedenkenträger. Doch dieses Selbstverständnis dürfte den Prozess der Impfungen in den nächsten Wochen auf unerträgliche Weise verlangsamen.

Konkret heißt das: knapp 100.000 Einwohner hat unser Landkreis. Siebzig Prozent von ihnen sollten geimpft werden, damit so etwas wie eine Herdenimmunität aufgebaut werden kann, das Virus zurückgedrängt wird, und wir unser altes Leben zurückbekommen. Kleines Beispiel: Bei jeder Impfung muss ein Arzt anwesend sein. Warum? Ein möglicher allergischer Schock muss behandelt werden können. Wie oft traten diese auf? In den USA bei einer Millionen Impfungen waren es 12. Keiner war lebensbedrohlich. Aber Ärzte haben wir im Oberland genug (klar, bei dem Durchschnittsalter), über 700 sind im Kreisverband gemeldet. Dennoch gehen interne Schätzungen davon aus, dass mit vereinten Kräften maximal 1.000 Impfungen am Tag im Landkreis durchgeführt werden können, realistisch werden es 600 sein. Man kann in Mathe auch mal weggedämmert sein, um auszurechnen, wann die magischen siebzig Prozent erreicht werden…

Wer aber trägt in den nächsten Wochen konkret die Verantwortung? Es sind nicht ferne gesichtslose Systeme in Berlin und München. Hier vor Ort muss der Wille zur schnellen und reibungslosen Impfung kommen. Bürgermeister müssen den Druck machen, dass kommunale Infrastrukturen perfekt und pragmatisch eingesetzt werden. Auch sie stehen in der Pflicht, können sich nicht wegducken.

Landrat Olaf von Löwis, der vollmundig kürzlich davon sprach, eine Leitung ins Kanzleramt zu haben, sollte diese schnellstmöglich auch nutzen, wenn er nicht als Schwätzer dastehen will. Alexander Radwan und Ilse Aigner müssen sichtbar! und nachhaltig ihren Einfluss, so sie denn einen haben, geltend machen für unsere Region, unsinnige Regelungen notfalls aussetzen. Wer die Ehrenamtlichen, die Frauen und Männer an der Impffront im Regen stehen lässt, wer wie die Kanzlerin nur beschwichtigt und zum Zähne zusammenbeißen auffordert, verdient nicht unser Vertrauen.

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