Brauhaus-Geschäftsführer schreitet ein

Spannung um Tegernseer Schlossbrennerei

Vor zwei Jahren war die Tegernseer Schlossbrennerei in die Zahlungsunfähigkeit geschlittert. Mit neuem Pächter und altem Wirt sollte die Gaststätte aus den Miesen gezogen werden. Ein Unterfangen, das sich schwierig gestaltet.

Die Schlossbrennerei hat einen neuen Pächter - der Wirt Guido Stocker bleibt.
Wirt Guido Stocker will künftig die Schlossbrennerei und den Altwirt in Reichersbeuern parallel führen. / Archivbild

Mit dem österreichischen Architekten Karl Klaus Nötzberger bekam die Tegernseer Schlossbrennerei im Juni 2016 einen neuen Pächter (wir berichteten). Seine Tochter Julia Stocker-Nötzberger hatte den Gasthof drei Jahre zuvor mit ihrem Mann Guido vom Herzoglichen Brauhaus übernommen, war aber gegenüber den Gläubigern, meist Lieferanten, im Laufe der Zeit in die Zahlungsunfähigkeit geschlittert.

Gleich zum Start vermasselte das Juni-Hochwasser 2013 den Wirten das Geschäft. Zwar blieben die Gasträume weitestgehend vom Wasser verschont, dennoch wirkten sich die tagelangen Regenfälle auf den Umsatz aus: Niemand kam zum Essen. Etwa 50.000 Euro fraß der Hochwasserschaden auf.

Altlasten blieben

Am 1. Juni 2016 bestellte das Amtsgericht Wolfratshausen dann die Rechtsanwältin Anke Keller als Insolvenzverwalterin. Noch im gleichen Monat präsentierte Julia Stocker-Nötzberger auf der Gesellschafterversammlung ihren Vater als neuen Pächter. Dessen cook & smile UG schloss einen Vertrag mit der Herzoglichen Brauerei. Altlasten wurden nicht mit übernommen.

Nötzbergers Schwiegersohn wurde Wirt. Der wiederum richtete sein Augenmerk insbesondere auf die schwachen Wintermonate. Mit Enten- und Kaiserschmarrn-Wochen im November sowie Weihnachtsfeiern versuchten die Betreiber, das Wintergeschäft zu beleben.

Es stehen Veränderungen an

Wie die TS letzte Woche erfuhr, spielen die Wirtsleute konkret mit dem Gedanken, die Schlossbrennerei zum Jahresende abzugeben. Auf telefonische Nachfrage bestätigt Pächter Karl Klaus Nötzberger, dass es “Veränderungen in der Schlossbrennerei geben wird”. Auf die Frage, warum seine Tochter und ihr Mann möglicherweise aufhören wollen, hält sich Nötzberger bedeckt. An seinen Worten ist aber zu erkennen, dass man finanziell wohl auf keinen grünen Zweig kommt:

Es ist die Wirtschaft, verstehen Sie? Wie überall.

Brauhaus-Geschäftsführer Christian Wagner hingegen hatte scheinbar keine Ahnung, was die beiden Wirtsleute planen. Am Telefon zeigte er sich gestern glaubhaft überrascht über die Information, dass die Schlossbrennerei zum Ende des Jahres aufgegeben werden soll. „Das wissen wir ja noch gar nicht. Das ist uns total unbekannt“, so Wagner auf Nachfrage. Prompt führt er ein Telefonat mit Guido Stocker.

Pachtvertrag läuft im nächsten Jahr aus

Kurze Zeit später erklärt Stocker, dass man – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – nicht aufhören wolle. Es habe ein “wohlwollendes Gespräch” mit Wagner gegeben. Weil Stocker mit seiner Frau den Gasthof Altwirt in Reichersbeuern übernehmen wird und den Pachtvertrag schon unterschrieben hat, wollte man sich ursprünglich “verkleinern”. Man habe jetzt aber gemeinsam beschlossen, die beiden Betriebe parallel laufen zu lassen. Nach dem Gespräch mit Wagner sei man zu der Überzeugung gekommen, dass eine Vergrößerung Sinn mache.

Der Altwirt wird gerade umgebaut und soll zum Jahresende fertig sein. Dann soll der zweite Betrieb der Stockers starten. Zwar habe es “stürmische Zeiten” bei der Schlossbrennerei gegeben, so Stocker weiter, aber von Anfang an sei das Verhältnis zum Brauhaus als Eigentümer sehr gut gewesen. Wie Stocker auf Nachfrage mitteilt, läuft der Schlossbrennerei-Pachtvertrag im April 2019 aus. Im Dezember dieses Jahres bestehe für beide Seiten dann noch die Möglichkeit, diesen aufzukündigen.

Ob es am Ende dazu kommt, ist dabei aktuell offen. Wie Julia Stocker-Nötzberger im Gespräch andeutet, sei die Konkurrenz durch das angrenzende Bräustüberl groß, das Geschäft in der Schlossbrennerei gleichzeitig weiterhin wechselhaft. Die Terrasse sei in guten Zeit gut besucht, aber in den Stuben sehe es oft anders aus. Für Stocker-Nötzberger jedenfalls hätte eine Verkleinerung auch einen gewissen Charme gehabt. Aber am Schluss, so die Wirtin, “haben die beiden Männer beschlossen, dass es auch mit zwei Gaststätten geht.”


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