Stillstand beim Thema Hochwasserschutz?

von Nicole Kleim

Der Verein „Rettet den Tegernsee“ kämpft seit mehr als einem Jahr gegen die Hochwasser-Situation im Tal. Eine Erhöhung des Schuhmacherwehrs kam nicht in Frage. Dann überraschte das Wasserwirtschaftsamt mit einer technischen Alternative. Aber wo ist die?

Am Mangfallsteg soll das Einlaufwerk entstehen,
Zur Entnahme aus dem See ist ein Einlaufbauwerk erforderlich, das an eine etwa 600 Meter lange Druckrohrleitung angeschlossen wird. / Archivbild

Vor gut einem Jahr diskutierte ein Arbeitskreis aus Wasserwirtschaftsamt, Bund Naturschutz, Bürgervertretern, Fischereivertretern und dem Landratsamt über technische und finanzielle Möglichkeiten eines Hochwasserschutz-Gesamtkonzeptes für das Tegernseer Tal (wir berichteten).

Das „Jahrhundert-Hochwasser“ am 3. Juni 2013hatte ein Umdenken erforderlich gemacht. An diesem Tag traten die Rottach und Weissach über die Ufer. Mit einem Pegelstand von mehr als 2,20 Meter über der kritischen Grenze konnte der Tegernsee die enorme Wassermenge damals nicht mehr speichern und überflutete sowohl die Rottacher Seestraße, die Schwaighofstraße als auch die Tegernseer Hauptstraße bis nach St. Quirin.

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Die Angst vor einer wiederkehrenden „plötzlichen Flut“ brachte die Verantwortlichen dazu, über geeignete Hochwasserschutz-Maßnahmen nachzudenken. Die Mangfall sollte um einen Meter vertieft, und das Schuhmacherwehr um riesige Betonwände erhöht werden. Dem Verein „Rettet den Tegernsee“ setzte sich vehement gegen diesen Vorschlag ein. Schließlich gelang es ihm, die Verantwortlichen dazu zu bewegen, nach Alternativen zu suchen.

Verein hat “Zweck” erfüllt

Im Juni 2016 überraschte das Wasserwirtschaftsamt dann mit einer neuen technischen Variante: Eine etwa 600 Meter lange Druckrohrleitung unter der Mangfallsohle bei Gmund, die in Seeglas beginnt und bis zum Schuhmacherwehr reicht, soll künftig den Hochwasser-Pegel regulieren.

Laut dieser Variante soll damit der Wasserstand im Tegernsee 24 Stunden vor dem Eintreten eines extremen Niederschlagsereignisses abgesenkt werden. Zur Entnahme aus dem See ist ein Einlaufbauwerk erforderlich, das wiederum an die Druckrohrleitung angeschlossen wird. Dieses Einlaufbauwerk soll nördlich des Fußgängerstegs am Seeauslauf im Bereich der linken Uferböschung liegen.

Die Druckrohrleitung endet in einem Auslaufbauwerk, welches in das Schuhmacherwehr integriert ist. Der Auslauf liegt dabei unter Wasser. Für die Neuerung wird das Schuhmacherwehr abgebrochen und an derselben Stelle mit den gleichen Ausmaßen wieder aufgebaut.

Das Schuhmacherwehr in Gmund – hier endet die Druckrohrleitung. / Archivbild

Ein möglicher Baubeginn des umstrittenen Projekts war für spätestens 2020 festgelegt worden, eine Bauzeit von drei bis vier Jahren angedacht. Damit hatte der Verein „Rettet den Tegernsee“ seine Mission, das Monster-Wehr zu verhindern, eigentlich erfüllt und war kurz davor, sich aufzulösen. Kurzfristig wurde diese Absicht dann aber auf den nächsten Hochwasserpegel verschoben. Glücklicherweise blieb der bislang aus.

Pläne liegen bei Regierung von Oberbayern

Mindestens ein bis zwei Jahre wollte der Verein bestehen bleiben, so die Aussage damals. Zumindest solange, bis die vom Wasserwirtschaftsamt vorgestellten Pläne umgesetzt werden, und die Bauarbeiten beginnen. Doch von Bauarbeiten ist bislang nichts zu sehen. Derzeit liege der Bauentwurf zur Prüfung bei der Regierung von Oberbayern, so der Chef vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, so Paul Geisenhofer auf Nachfrage.

Die Prüfung umfasse die technische Lösung und die geplante Steuerung. Die außerordentlich schwierigen Untergrundverhältnisse an der Mangfall im Bereich des Seeauslaufes können erhebliche Auswirkungen auf die Kosten und auch den Zeitplan haben, sagt Geisenhofer. Deshalb würden an der Entwurfsprüfung auch Spezialisten des Landesamtes für Umwelt mitwirken.

Projekt im Zeitplan

Demnächst wolle man sich zwar “zu einem Gespräch mit Regierungsvertretern” treffen, doch erst, wenn die Prüfung bei der Regierung abgeschlossen sei, werde man ins Planfeststellungsverfahren gehen können. Ein langwieriger Prozess, genau wie der Bau selbst: Der Einfluss an der Mangfall müsste komplett neugestaltet werden. Spezialmaschinen wären nötig, um das Flussbett auszubaggern.

Gegner befürchten negative Auswirkungen der Riesenbaustelle auf die Natur. Und auch für Florian Kohler hängt viel vom Bau ab. Wie berichtet kann er seine Siedlung am Schuhmacherwehr erst dann neu bauen, wenn klar ist, wann die Arbeiten und der damit verbundene Lärm abgeschlossen sind. Geisenhofer bleibt gelassen: „Die Regierung wird die Prüfung noch vor der Sommerpause abschließen. Das Projekt liegt nach wie vor im Zeitplan”.

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