Wiesseer Gemeinderat vor „epochaler Entscheidung“

Strüngmann-Hotel bekommt Konturen

In einem Jahr soll der Spatenstich erfolgen. Bis dahin sind noch etliche planerische Hürden für das Luxushotel zu nehmen. Zuletzt ging es im Gemeinderat um weitere Nachbesserungen des mexikanischen Entwurfs.

Die Umrisse der Hotelgebäude anhand einer alten Luftbildaufnahme. Sie zeigt die neuen Baukörper, die deutlich von der Uferkante abgerückt sind. / Skizze: Athos

Es soll ein Luxushotel mit 17 Suitenhäusern und 90 Zimmern, Wellnessbereich, öffentlichem Restaurant, einem Dorfplatz sowie einen „Arrival“ auf dem 33.000 Quadratmeter großen Areal entstehen. Beim Erreichen des Empfangsgebäudes würde der Gast wegen der lichten Bauweise sofort wissen, warum er hierhergekommen sei: „Er kann den See sehen“, sagt Urs Fridrich, der für Thomas Strüngmanns „Athos Service GmbH“ die neuen Entwürfe im übervollen Rathaussaal dem Gemeinderat präsentiert.

Er rede aber noch „nicht besonders“ über die Architektur, sondern über den Städtebau. Die Architektur soll dann mit dem Bebauungsplan vorangetrieben werden. Des Weiteren sollen auch noch drei Wohnhäuser mit Mietwohnungen sowie zwei Gebäude mit Service-Apartments entstehen. Laut Fridrich gibt es im Hotelbereich keine großen Änderungen zu den Plänen, die erstmals Anfang August vorgestellt wurden.

Clubhaus für Kinder

Um dem Brandschutz zu entsprechen, mussten nun die Durchgänge zwischen den Gebäuden „durchlässiger“ werden. Das Haupthaus sei zum See hin orientiert, es bestehe „innen wie außen“ aus Holz mit großen Glasflächen, verdeutlicht Fridrich an den Planskizzen. An denen man jedoch noch „sehr viel arbeiten müsse“. Aber man sehe „den Duktus, die Diktion“, die das Team vorantreibe. Die Idee dieser lockeren Bauweise stammt von Manuel Cervantes, einem Architekten aus Mexiko. Der aber die geltende Arbeitsstättenverordnung offenbar noch nicht verinnerlicht hat. Denn er wollte die Büros der Mitarbeiter zunächst im Untergeschoß unterbringen. Dies erfolgt nicht. Dafür entsteht ein zweigeschossiges Gebäude nahe dem Eingangsbereich.

Es soll noch ein weiteres in Seenähe geben: ein Clubhaus für Kinder. Dieses jedoch missfiel an dieser Stelle „im absoluten Hochwasserbereich“ so manchem Gemeinderat, wie Florian Sareiter (CSU). „Braucht‘s das dort tatsächlich?“ Er finde es auch „nicht besonders charmant“, erwiderte Athos-Geschäftsführer Thomas Maier. Hier werde man noch Lösungen suchen. Dennoch wolle man am Kinderhaus festhalten, denn es gehöre zum Konzept.

Kein Grand Hotel

Zum Konzept gehört auch, dass alle Fahrzeuge aus dem Hotel- und Wohnbereich in der Tiefgarage Platz finden sollen. Für das Personal werden gegenüber im Haus Kureck Wohnungen und ein zweigeschossiges Parkdeck entstehen. Das Hotel mit Café wurde kürzlich von der „Bad Wiessee Service Wohnen 1 GmbH“ erworben, einer ebenfalls der Familie Strüngmann gehörenden Gesellschaft. Diese gehört seit Juli 2017 zu gleichen Anteilen Fabian, Fiona und Felix Strüngmann, sowie Janina Rummel, geb. Strüngmann. Das Familienunternehmen wolle bewusst kein Grand Hotel errichten, mit „livriertem Diener am Eingang, der die Autotür öffnet“, stellt Maier klar. Wer das wolle, müsse eben in die „Überfahrt“ nach Rottach-Egern gehen. Auch auf die Gefahr hin, so Maier, „dass damit der ein oder andere Gast, der eine Anzugskonformität erwartet, uns flöten geht“.

Die Idee sei ein unkonventioneller und offener Hotelbetrieb. Beispiel dafür ist der Verzicht auf Zäune und Hecken bei den Außenanlagen. Nur Gräser- und Schilfzonen an den Terrassen sollen die Hotelgäste von der Öffentlichkeit an der Seepromenade etwas abschirmen. Die Stufen zu den Chalets auf Stelzen würden schon den privaten Bereich andeuten. Die Hotelanlage soll einen urbanen Charakter haben. Laut Fridrich wird es auch einen kleinen Sportladen geben, „wo man sich seine Skier, das Surfbrett oder Radl holt“.

Bauen im Hochwassergebiet

Insgesamt sei man unter den Höhenvorgaben der Gemeinde geblieben. Selbst das höchste Haus treffe nicht die Traufkante ehemaliger Gebäude, wie das einstige „Lederer-Hotel“ oder die frühere Spielbank auf diesem Gelände. Die einzeln aufgereihten und bis zu dreigeschoßigen Suitenhäuser parallel zum Seeufer sind mit einen unterirdischen Servicegang für das Personal verbunden. Die Gäste wandeln oberirdisch ungeschützt von Wind und Wetter zwischen Restaurant und Chalet, maximal etwa 120 Meter.

Der lange Fußweg brachte, wie schon bei der Vorstellung im August, erneut Ingrid Versen (CSU) auf die Palme. „Weiß denn der Architekt in Mexico, dass bei uns sechs Monate Winter ist?“. Wenn Eltern mit zwei Kindern im Winter zum Essen gehen wollen, müssten sie sich dick anziehen und mit Moonboots ins Restaurant gehen, stellte Versen klar. Dies wiederum forderte Jupp Brenner (Wiesseer Block) heraus: „Lassen sie den Leuten doch ihr Hotelgeschäft machen“.

„Viel Hirnschmalz“

Ansonsten gibt es im Gemeinderat deutlichen Zuspruch. Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) sprach von einer „epochale Entscheidung, die in den nächsten Monaten auf den Weg gebracht werden muss“. Rolf Neresheimer (ranBW) erfreute sich an dem „vielen Hirnschmalz“, das von Athos in das Projekt gesteckt worden sei, „um das Ding zum Fliegen zu bringen“. Das Hotel müsse so konzipiert werden, „dass es profitabel ist, aber auch in unsere Umgebung passt“. Er sei sich sicher, so Neresheimer, „dass wir zu etwas Gutem kommen“.

Für Bernd Kuntze-Fechner (SPD) ist es „ein sehr durchdachtes Konzept“, das an der Seepromenade entstehen soll. Für ihn sei der Platz für Kinder in Seenähe „sinnvoll“. Fraktionskollegin Klaudia Martini erinnerte an den Hochwasserschutz, denn „das nächste Hochwasser wird immer das höhere werden“. Wenn schon in die Hochwasserlinie mit gestelzten Häusern gebaut werde, müsse auch eine Retentionsfläche als Ausgleich geschaffen werden. Wie groß diese werde, hänge noch vom Geländeverlauf ab, erwiderte Fridrich.

Erster Spatenstich in einem Jahr

Wiessees Städteplaner Eberhard von Angerer lobte die „schönen Sichtachsen zum See“. Er hatte anhand der Entwürfe einen Bebauungsplan erarbeitet, den der Gemeinderat gegen die Stimme Versens absegnete. Ausgelegt wird er zwischen 26. November und 7. Januar im Rathaus. Der Durchführungsvertrag zwischen Gemeinde und Athos, der Zweitwohnungen ausschließt, soll parallel erarbeitet werden. Insgesamt sei der Zeitplan sportlich, hieß es, denn der Satzungsbeschluss soll noch vor der Kommunalwahl am 15. März durch den amtierenden Gemeinderat erfolgen.

Sollte eine erneute Auslegung erforderlich sein, könnte diese verkürzt stattfinden und der Satzungsbeschluss dann in der Sitzung am 21.04.2020 gefasst werden. Wenige Tage später, am 1. Mai, tritt der neue Bürgermeister seinen Dienst an. Am 7. Mai konstituiert sich dann der Gemeinderat. Auch Athos nennt einen Zeitpunkt: Im vierten Quartal 2020 soll der erste Spatenstich erfolgen.


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