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„Höher und Größer“-Wahn in Bad Wiessee gestoppt?

Stunde null für „Schweigers Lifestyle-Hotel“

Von Sabiene Hemkes

Das Barefoot-Hotelprojekt in Bad Wiessee wird seit einem Jahr kontrovers diskutiert. Ein aufgestelltes Schaugerüst in der Hirschbergstraße fiel krachend durch. Für die gestrige Gemeinderatsitzung in Bad Wiessee kündigten die Tegernseer Projektentwickler im Vorfeld ganz neue Pläne und ein angepasstes Betreiberkonzept an. Und was kam?

Eine handkolorierte Zeichnung des „neuen Barefoot Hotels“ / Quelle: LSA Architekten München

Bad Wiessee bekommt ein neues Hotel. Ein richtiges Lifestyle-Hotel mit vier Sternen. Dazu einen Promi mit Til Schweiger, der für das neue Seehotel PR-wirksam die Einrichtung designen lässt. Gebaut werden soll in der Hirschbergstraße. Einen gültigen Bauplan gibt es für das Gelände seit 2013. Der aber erweist sich neuen Jahre später und nach dem Aufbau eines Schaugerüstes für Räte und Bürger als inakzeptabel. Eine festgefahrene Situation und viele negative Schlagzeilen. Gestern wurde das Projekt wieder einmal im Gemeinderat vom Bad Wiessee behandelt.

Die Zuschauerstühle im großen Saal des Rathauses von Bad Wiessee waren fast voll besetzt. Alexander Winkler, Betreiber der Barefoot-Hotels, ist extra für die Sitzung aus Rostock angereist. Winkler, der auch Geschäftsführer der Arcona Management GmbH ist, hatte neben Rainer Leidecker, dem langjährigen Projektentwickler des Grundstückes an der Hirschbergstraße Platz genommen.

Ebenfalls im Publikum befanden sich Vertreter der LSA, dem ausführenden Architekturbüro für das neue Lifestyle-Hotel. Und auch der zweite federführende Projektentwickler Ernst Tengelmann von der Tegernseer Grund GmbH war unter den Zuhörern. Selbst ein unerwarteter Pressevertreter, der für die BILD-Online Redaktion schreibt, beehrte die Gemeinderatssitzung an einem Donnerstagabend. Und nein – Til Schweiger wurde trotzdem wieder nicht gesichtet.

Die Präsentation war kurz, knapp und nichtssagend

Präsentiert wurde das Thema von Planer Christof Lampadius. In den nur knapp zehn Minuten seiner Präsentation zeigt sich der Architekt einsichtig und sehr verständnisvoll gegenüber der heftigen Kritik der letzten Monate an seinen eingereichten Bauplänen:

Spätestens bei der Aufstellung des Baugerüstes wurde uns allen klar, dass der geplante Baukörper als massiver Riegel mit seiner 70 Meter Länge und auch das Design der Architektur nicht viele Menschen hier erfreute.

Alle Beteiligten haben verstanden, welche Verantwortung für die Gemeinde und das Tal sie mit dem Großprojekt im Herzen Bad Wiessees übernommen haben. Der neue Vorschlag soll nun die „Sprache des Tals“ sprechen und den „Geist des Tegernsees“ im Hotel repräsentieren. Nach dieser leicht pathetisch angehauchten Einführung präsentierte der Planer auf dem Bildschirm eine handkolorierte Entwurfsskizze der Außenansicht des „neuen Barefoot Hotels“. Zudem eine neue Gebäudegliederung.

Wir haben den massiven Riegel um 90 Grad gedreht und in drei nur dreigeschossige Hauptgebäude aufgeteilt. Dazwischen befinden sich zweigeschossige Verbindungsbauten. Zwischen den Gebäuden sind Hofflächen geplant.

Lampadius selbst nennt die neue Gebäudestruktur ein „Doppel-H“ und beschreibt es als einen „luftigen“ Gebäudekomplex, der ganz im Gegensatz zu dem vorherigen massiven Baukörper stehe. Bei der Gestaltung der Außenfronten plane man jetzt ein Design, das sich harmonisch in die bestehende Architektur des Ortes einfüge. Das Hotel werde, erläuterte der Planer weiter, sowohl sehr nachhaltig als auch ökologisch verträglich gebaut werden.

Ein neuer Bauplan muss her – der Alte bringt’s nicht mehr

Lampadius ließ die Zuhörer noch wissen, dass sich die Bruttofläche durch die Neuplanung nicht verändert habe. Weitergehende Einzelheiten wollte Lampadius allerdings gestern nicht preisgeben. Jedem im Saal war jedoch klar geworden, dass der bereits 2013 genehmigte Bebauungsplan unzureichend für die Neuplanung sein werde. Ein neuer Plan muss also her.

Diese Einschätzung bestätigte auch Bürgermeister Robert Kühn auf Nachfrage. Daher beschlossen die 16 anwesenden Gemeinderäte im Anschluss an eine kurze und sehr einvernehmliche Diskussion einstimmig den Einleitungsbeschluss für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan. Übersetzt aus Beamtendeutsch bedeutet das: Der Bauherr reicht einen neuen Bebauungsplan für das Gelände in der Hirschbergstraße ein. Im Fortgang dieser neuen Planung wird Zug um Zug der alte und bereits genehmigte Bebauungsplan ungültig, wie Kühn erklärt.

Dieser Beschluss bedeutet faktisch einen Neuanfang der Gesamtplanung. Dass dieser Beschluss so überraschend einstimmig durch das Gremium auf den Weg gebracht wurde, ist wohl das Ergebnis einer guten Vorarbeit im Gemeinderat. Wie auch die Wortbeiträge in der vorangegangenen Diskussion deutlich machten. Ein Gemeinderat meinte:

Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem es nur noch besser werden kann.

Nach der gestrigen Sitzung ist Folgendes klar: Bad Wiessee bekommt ein neues 4-Sterne Hotel in der Hirschbergstraße. Es wird ein Barefoot Hotel. Til Schweiger, der deutsche Schauspieler und Regisseur, ist weiter als Testimonial an Bord. Es werden neue Pläne eingereicht durch die Investoren.

Doch wie das Hotel am Ende aussehen wird – wie hoch, breit oder lang es werden wird – bleibt ungeklärt. Denn außer einer Zeichnung und einer groben Projektskizze, die nicht an die Presse weitergegeben wurde, hat man gestern nichts Neues über das Hotelprojekt erfahren dürfen. Selbst das Modell der Neuplanung schaffte es nicht in den Sitzungssaal. Das blieb ungesehen irgendwo im Erdgeschoss des Rathauses stehen. Die gestrige Präsentation im Gemeinderat war nichts weniger als der „öffentliche Neuanfang“ für das Projekt – die Stunde null – wenn man so will.


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