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Barfoothotel in Bad Wiessee legt neues Konzept vor

Hat Til Schweiger kalte Füße bekommen?

Von Sabiene Hemkes

70 Meter lang und 12 Meter hoch – das waren allein die Dimensionen des Hauptgebäudes auf dem 7.000 Quadratmeter großen Gelände an der Hirschbergstraße in Bad Wiessee. Damit war das neue Hotel in Bad Wiessee nicht gerade klein . Die Folge: Bürgerproteste. Der Bauherr zog jetzt die Pläne zurück. Und nun?

Auf der Brachfläche an der Hirschbergstraße soll ein 4-Sterne-Luxushotel entstehen

Wieso soll es Bad Wiessee besser gehen, als anderen Seegemeinden. Sagen wir Tegernsee mit dem Almdorf, Kreuth mit der Dr. May Klinik, Rottach mit der Seeperle und ebenfalls in Bad Wiessee dem Strüngmann Hotelprojekt. Bei diesen Mammutprojekten existiert seit Jahren eine rechtskräftige Baugenehmigung. Nur gebaut oder umgebaut wird noch nicht. Auf die Planungen folgen Neuplanungen und auf diese in schöner Regelmäßigkeit Bürgerproteste. So zieht sich der Stillstand mit ärgerlichen Brachflächen auf „Filetgrundstücken“ durch das Tal wie ein hässlicher Ausschlag.

Fast 40 Jahre wartet Brachfläche auf neue Bewohner

Seit Mitte der Achtziger Jahre liegt das Areal an der Hirschbergstraße in Bad Wiessee brach. Damals wurde das Kinderkrankenhaus auf dem 7.000 Quadratmeter großen Areal abgerissen. Vor nun fast 40 Jahren. Der vorherige Gemeinderat hat die Planungen für ein großzügiges Sporthotel genehmigt. Das aber natürlich aus vielfachen Gründen nicht erbaut wurde. Potenzielle Investoren sprangen ab.

Für die einheimischen Projektentwickler Rainer Leidecker und Ernst Tengelmann von den Tegernseer Grund Immobilien vor Ort eine neuerliche Herausforderung. Sie zauberten im letzten Frühjahr die arcona Hotels & Resorts als neuen Betreiber aus dem Hut. Mit an Bord auch pressewirksam ein Promi – das Multitalent Til Schweiger. Im April zeigte sich Leidecker begeistert von den neuen Partnern: „In einer sicherlich schwierigen Phase für Hotels haben wir unseren Wunschbetreiber gefunden“.

Ex-Partner rät zur Einbindung des „regionalen Aspekt“ in Hotelplanung

Schweiger sollte mit seinem Unternehmen „Barefoot Company“ für das Design des neuen Hotels in Bad Wiessee verantwortlich zeichnen. Mehr noch. Die arcona Hotels & Resorts GmbH planten mit Schweiger gleich eine neue Hotelkette zu etablieren: Die Barefoot Hotels. Bisher ist nur ein weiteres Hotel in Südafrika auf der Unternehmensseite zu finden. Und eben Bad Wiessee im Projektstatus.

Am Timmerdorfer Strand gab es bis zum letzten Jahr ein Barefoot Hotel. Die Lizenz allerdings wurde nicht verlängert. Geschäftsführer Mirko Stemmel sagte nach der Trennung auf Anfrage der TS, er könne das typische Barefood-Design „am schönen Tegernsee“ durchaus vorstellen. Der Hotelier aus dem Norden schränkte aber auch ein:

…sofern die regionalen Gegebenheiten für den Standort und damit verbunden im Designkonzept berücksichtigt und integriert werden.

Im Frühjahr 2021 präsentierten Projektentwickler Leidecker und der Architekt Christof Lampadius die ersten Pläne im Rat von Bürgermeister Robert Kühn (SPD). Es folgten weitere Sitzungen im Rat. Doch die Pläne stießen ob ihrer gewaltigen Dimension auf erste Skepsis.

Schaugerüst bringt Rückzug der Pläne

Auch in der Bevölkerung regte sich Widerstand. Frei nach dem von Kühn getragener „Bad Wiesseer Transparenz“ Credo musste ein Schaugerüst her. Die Investoren ließen sich nicht lumpen und ließen im November auf dem Gelände ein gewaltiges Stahlgerüst, um die Vision des Architekten Lampadius erlebbar zu machen. Anwohner wie Bürger von Bad Wiessee und auch die Gemeinderäte waren sichtlich geschockt beim Ortstermin.

Der Planer machte aber deutlich, dass es eine gewisse Mindestgröße brauche für ein modernes Hotel entstehen zu lassen. Insgesamt sollte ein vierstöckiger Baukörper das neue 4-Sterne Hotel beherbergen. Geplant waren 105 Zimmer und Suiten. Dazu ein 800 Quadratmeter großer Wellnessbereich und 158 Tiefgaragenplätze.

So sah das neue Barefoot Hotel im ersten Entwurf 2021 aus / Quelle: barefoot HOTEL Tegernsee – LSA Architekten

Damit ein Hotel dieser Dimension wirtschaftlich betrieben werden kann, muss es nach den neuesten Standards gebaut werden, betonte der Planer. Und das bedeute möglichst viel Platz auf der begrenzten Fläche zu bebauen – aber auch eine entsprechende Höhe, so der Architekt damals. Die in den ersten Plänen, die inzwischen zurückgezogen wurden, geplante Höhe von 12 Metern und die Länge von 70 Metern sei mit dem bestehenden Bebauungsplan von 2013 im Einklang, betonte Lampadius noch im November 2021. Doch wurde das Konzept kurz nach dem Ortstermin von den Bauherren zurückgezogen.

Gemeindechef Kühn bleibt entspannt und ist gespannt

Der Bürgermeister erwartet nun voller Spannung den neuen Anlauf. Robert Kühn sieht darin einen positiven Prozess. Es sei doch ganz normal, dass sich Planungen ändern. Auch bei einem Hotel, wie er sagt. Selbst bei den kleineren Projekten in der Gemeinde sei es normal, dass die Genehmigung mehrere Phasen durchlaufe und sich Gemeinde und Bauherr langsam annähern. Auf das Hotelprojekt bezogen ergänzt der Gemeindechef:

Wir in der Gemeinde sind froh, dass die neuen Betreiber sich mit den Bürgern und dem Rat austauschen und auf geäußerte Kritik annehmen und entsprechend reagieren.

Ob die neue Planung wirklich in der nächsten Gemeinderatssitzung am 19. Mai vorgestellt werde, wollte Kühn nicht bestätigen. Noch habe er keine konkreten Vorschläge gesehen. Aber Kühn ist sich sicher, dass die Barefoot Betreiber einen Kompromiss zwischen den berechtigten Interessen der Bürger und der Gemeinde und den wirtschaftlichen Notwendigkeiten anstreben. Denn, so sagt der Bürgermeister, es liege ja in ihrem Interesse ein homogener Bestanteil der Gemeinde Bad Wiessee zu werden.

Objektentwickler kündigen Präsentation des neuen Konzeptes für Mai an

Augenscheinlich freuen sich auch die Verantwortlichen der Tegernseer Grund Immobilien auf die Präsentation des neuen Konzeptes in der Gemeinde Bad Wiessee. „Es wird komplett anders aussehen“, erklärt Leidecker auf dem Portal von t-online. Mehr wollte der Projektplaner aber noch nicht preisgeben. Er kündigte aber an das „neue Konzept“ auf der nächsten Gemeinderatssitzung, der Öffentlichkeit präsentieren zu wollen.

Im gleichen Interview bestätigte Leidecker auch: „Noch sei auch Schweiger an Bord“, was den anderslautenden Gerüchten im Tal den Wind aus den Segeln nehmen könnte.

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