Rottachs Christbaum ist endgültig Geschichte

Von Nicole Kleim

Die als Christbaum genutzte Fichte war 130 Jahre alt und hatte ihren Platz in der Seestraße. Dann kam der Borkenkäfer – und der große Baum verschwand.

Seit etwa zwei Wochen steht sie nicht mehr da: Die Fichte in der Rottacher Seestraße.

Vor etwa zwei Wochen wurde die 130 Jahre alte Fichte in der Rottacher Seestraße gefällt. Diagnose: Borkenkäferbefall. „Bedauerlicherweise wurde der Baum durch die Schädlinge so stark angegriffen, dass er zu großen Teilen bereits abgestorben war“, so Rottachs Bürgermeister Christian Köck im September.

Damals hatte die TS bereits darüber berichtet, dass die Gemeinde schnell handeln müsse, wolle sie ein Übergreifen auf umliegende Bäume und Nachbargrundstücke vermeiden. Georg Erhard, Vorarbeiter im gemeindlichen Bauhof, hatte die Gemeinde auf den Schädlingsbefall aufmerksam gemacht.

Der Borkenkäfer als Übeltäter

Der Borkenkäfer soll sich zu diesem Zeitpunkt bereits in die Baumrinde gebohrt und das Käferweibchen seine Eier abgelegt haben. Die Larven, die sich von den saftführenden Schichten der Fichte ernähren, hatten die Lebensader des Baumes angezapft. Und so war die Fichte durch den Befall dem Tode geweiht. Dass schnelles Handeln erforderlich war, hätte ein Gutachten von Experte Georg Hiemenz ergeben. Durch den akuten Borkenkäferbefall sei die Fichte „irreparabel geschädigt“, so hieß es seitens der Gemeinde.

Hier stand sie noch schön geschmückt im Kurgarten: die 130 Jahre alte Fichte / Archivbild

Bedauerlich insbesondere deshalb, weil der imposante Baum Rottachs „Wahrzeichen“ in der Adventszeit gewesen war. Als riesiger Christbaum stand die Fichte geschmückt in der Kuranlage. Nur: Genauso schnell wie sie vom Erdboden verschwand, schien auch das von Bürgermeister Christian Köck, als Erklärung für die Fällaktion, ins Spiel gebrachte Gutachten abhanden gekommen zu sein.

Köck hatte es „leider nicht mehr auf seinem PC gespeichert“, wie er auf Nachfrage mitteilt, Bauamtsleiterin Christine Obermüller kann es auch nicht mehr finden, und bei Bauamts-Kollege Stefan Staudinger hatte es ebenfalls niemand hinterlegt. Selbst bei Georg Erhard vom Bauamt heißt es: „Keine Ahnung“.

Nachgebohrt

Erhard hat allerdings ein paar Fotos, auf denen die Fichte samt Borkenkäferbefall zu sehen ist. Wo aber ist das Gutachten? Die Lösung kommt schließlich von Georg Hiemenz selbst. Er habe lediglich „einen Vierzeiler“ geschrieben, dass der Baum „irreparabel geschädigt“ sei, teilt er auf telefonische Nachfrage mit.

Das bestätigt Rottachs Geschäftsleiter Gerhard Hofmann: „Die Bewertung von Herrn Hiemenz liegt mir vor. Diese sagt klar aus, dass eine sofortige Fällung notwendig war.“ Weil den Fichten dieses Jahr die Wasserversorgung aufgrund der anhaltenden Hitze und Trockenheit entzogen worden war, habe der Borkenkäfer ideale Voraussetzungen gehabt, um sich in den Baum zu bohren.

Die Fotos, die Georg Hiemenz vor der Fällung von der Fichte gemacht hat.

Das Einzige, was den Borkenkäfer hätte aufhalten können: ein extrem langer und strenger Winter – und Frost. Der Harzaustritt aus den Bohrstellen im oberen Drittel der Fichte in der Seestraße habe gezeigt, so Hiemenz, dass sich der Baum bereits gegen den Borkenkäfer gewehrt habe. Weitere vom Borkenkäfer befallene Bäume habe er im näheren Umkreis allerdings nicht entdecken können. Die alte Fichte sei inzwischen samt den Schädlingen verbrannt worden.

Heuer soll ein Ersatzbaum aufgestellt werden. Die Gemeinde hofft auf eine Baumspende. Bürgermeister Köck hatte allerdings schon angekündigt, dass dies „keine dauerhafte Lösung“ sei. Im nächsten Jahr werde man auf alle Fälle über eine Ersatzpflanzung nachdenken.


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