Waakirchner Golfplatz jetzt wieder "Chefsache"

Und wieder passiert in Piesenkam… nichts!

Von Sabiene Hemkes

Irgendwas ist immer bei Herrn Krutz! Der Tegernseer Investor kündigt gern an, liefert aber selten. Seit der Eröffnung des Golfplatzes in Piesenkam 2016 folgt auf die vollmundigen Ankündigungen das große Zurückrudern. Auch tritt Krutz augenscheinlich den Rückzug vom Rückzug aus dem operativen Geschäft an. Was läuft da am Golfplatz Piesenkam?

Es gibt einige neue Entwicklungen am Piesenkamer Golfplatz – aber eigentlich passiert wieder gar nichts

Seit vielen Jahren schon begleitet die Tegernseer Stimme die Aktivitäten des Geschäftsmannes aus Tegernsee. Zurzeit betreibt der ehemals in Sylt ansässige Immobilienentwickler Karl-Heinz Detlev Krutz zwei Golfplätze und arbeitet mit seinem Team an einem Hotelprojekt im Waakirchner Krottenthal.

Mit schöner Regelmäßigkeit kündigt Krutz die von Landkreis und Gemeinde seit Jahren immer vehementer eingeforderten Veränderungen am Piesenkamer Golfplatz an. Dabei geht es unter anderem um die Sicherheitsmaßnahmen beim Überqueren der Kreisstrasse MB6, die bei einer 18-Loch Runde zweimal gequert werden muss.

In diesem Jahr vermeldete der Immobilienentwickler die Verlegung der Spielbahn 17 und das Grün der 11. Bahn, zudem die Eröffnung der Clubgastronomie und die Wasserversorgung des Platzes. Überraschend präsentierte der Investor, gemeinsam mit seinem Architekten Georg Böhm, anlässlich eines Ortstermins mit Verantwortlichen vom Landratsamt und der Gemeinde Pläne für eine komplette Neugestaltung der Golfanlage.

Durch die Teilung des Platzes in einen 9-Loch und einen 18-Loch-Platz, jeweils auf einer Seite der Kreisstraße, sollte die seit der Eröffnung des Platzes geforderte Unterführung der Straße unnötig werden.

Neue Köpfe – und die altbekannten Probleme

Aber die neu aufgestellte Führung des Golfplatzes mit Dominik Krauss als Manager für den sportlichen Bereich und Felix Krebs dem Geschäftsführer der neuen Golfplatz Waakirchen Tegernsee Betriebs GmbH und der Golfplatz Besitzgesellschaft GmbH & Co. KG, konnten die Ankündigungen des Investors bis jetzt nicht umsetzen.

Die ersten Aktionen des Clubmanagers waren vielversprechend (wir berichteten). Eine Außenterrasse mit Tischen und Stühlen, ein Toilettenwagen und einige weitere, eher kosmetische Veränderungen waren im Juni zu erkennen. Von weiteren Bauarbeiten ist jedoch auf der Anlage seit Wochen nichts mehr zu sehen.

Die Schotterpiste, die zur Anlage führt, ist immer noch nur mit äußerster Vorsicht zu befahren. Nach der „neuer Clubgastronomie“ im Stadl sucht man ebenso vergeblich wie nach dem versprochenen Hofladen oder gar dem Spielplatz für die Piesenkamer Kinder. Auf dem Platz gibt es zwar inzwischen laminierte DIN A4 Bahninfos, doch diese lösen sich bei der Witterungslage langsam schon wieder auf.

Golfplatzmanger Dominik Krauss ist in Piesenkamm nicht mehr anzutreffen

Krauss will oder darf sich zum aktuellen Stand der Planungen nicht mehr äußern. Das sei jetzt Chefsache, informiert der Gmunder Golfplatzmanager und bittet darum, alle Anfragen direkt an Krutz zu richten. Er selbst ist am Golfplatz nicht mehr anzutreffen. Gerüchten zufolge soll es zwischenzeitlich schon eine Nachfolgerin gegeben haben. Das wird aber offiziell nicht bestätigt.

Verwirrung um zurückgezogenen Bauantrag

Die als Entgegenkommen promotete Aktion des Investors, die 17. Spielbahn und das Grün an Loch 11 zu verlegen, verpuffte. Der Bauantrag, den die Gemeinde ausdrücklich begrüßte, wurde vom Betreiber im Sommer in aller Stille wieder zurückgezogen.

„Das haben wir auf Anraten des Bauamtes getan“, informiert Krutz auf Nachfrage. Außerdem habe man etwas am Abschlag an der 17. Spielbahn geändert. Diese Maßnahme sei ausreichend. „In diesem Jahr ist es auch noch zu keinen Zwischenfällen gekommen“, bekräftigt Krutz seine Einschätzung. Im Bauamt sieht man die Sache mit dem Bauantrag etwas anders, wie eine Sprecherin des Landratsamts Miesbach erklärt:

Natürlich empfiehlt das Landratsamt Bauherren nicht, ihren Bauantrag zurückzuziehen. In diesem Fall hätte der Bauantrag jedoch keine Aussicht auf Genehmigung gehabt. Es geht wie immer um die Straße, die durch den Golfplatz führt.

Dem Bauherrn seien vielmehr Maßnahmen aufgezeigt worden, die zu einer Genehmigung führen würden, ergänzt das Landratsamt in der schriftlichen Stellungnahme. Für den Landkreis habe die „Sicherheit der Verkehrsteilnehmer und der Golfer“ oberste Priorität. Daher müsse der Bauantrag für den Golfplatz ein Gesamtkonzept zur sinnvollen Personen-Lenkung enthalten, damit er genehmigungsfähig ist, heißt es weiter.

Blick auf das umstrittene Grün der Bahn 11 und die gefährliche Querungsstelle über die Kreisstraße MB6

Im Klartext heißt das, das Landratsamt wird einer „Teilumbaumaßnahme“ nicht zustimmen. Und das bedeutet: Ein weiteres Jahr wird ins Land ziehen, ohne, dass sich etwas an der prekären Situation ändert.

Betreiber und Gemeinde bilden wohl keine Einheit mehr

Denn das von Krutz und Böhm überraschend im Dezember 2020 vorgelegte Konzept zum Umbau des bestehenden Golfplatzes in zwei eigenständige Anlagen blitzte erstmal im Waakirchener Gemeinderat ab. Dort steht man den Aktivitäten des Betreibers nach den jahrelangen Querelen, Hinhaltetaktiken und nicht eingehaltenen Versprechungen äußerst kritisch gegenüber. Der Waakirchner Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG) stellt unmissverständlich klar:

Wenn der Golfplatzbetreiber diese Pläne einreicht, werden wir ganz genau hinschauen. Herr Krutz wird diesmal keinerlei Spielraum mehr bekommen, uns weiter hinzuhalten.

Die Gemeinde verlangt verbindliche Garantien vom Betreiber, um überhaupt über den Umbau der Anlage zu beraten. Dazu gehört zum Beispiel der Nachweis über Pachtverträge, die bei einem Umbau der bestehenden Anlage notwendig werden. Zudem die Fertigstellung der Wasserversorgung des Platzes. Zusätzlich planen die Gemeinderäte, die Baugenehmigung durch einen städtebaulichen Vertrag abzusichern. Dadurch soll gewährleistet werden, dass der Betreiber in einem festgelegten zeitlichen Rahmen handeln und verbindlich alle Vorgaben erfüllen muss.

Planer der neuen Teilung des Golfplatzes nicht mehr im Team

Allerdings wird Krutz in Zukunft ohne Architekten Georg Böhm auskommen müssen. „Ich bin raus. Meine Zusammenarbeit mit Herrn Krutz ist beendet“, informiert Böhm am Telefon. Es gebe unüberbrückbare Differenzen, so der verantwortliche Planer des Golfplatzes weiter, dem ein Bedauern über die aktuelle Situation durchaus anzumerken ist.

Golfplatzarchitekt Georg Böhm ist immer noch überzeugt vom Potential des Piesenkammer Areals

„Das Areal des Golfplatzes bietet unglaubliches Potential für einen öffentlichen Golfplatz“, berichtet der Planer und fügt an, dass dieses in der aktuellen Konstellation leider nicht ausgeschöpft werden könne.

Krutz bestätigt im Telefonat gegenüber der TS die Gespräche „mit einigen neuen Golfplatzarchitekten“ zur Neugestaltung des Platzes. Für den Umbau sei seiner Einschätzung nach auch keine Erweiterung der gepachteten Flächen nötig: „Unsere 100 Hektar sind völlig ausreichend für die Neugestaltung.“ Piesenkam scheint kein leichter Kurs für Golf-Investoren zu sein…


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