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Sorgt Gmunder Kläranlage für schlechte Wasserqualität?

Von Löwis-Gutachten macht Ärger im Landkreis

Von Martin Calsow

Er wollte Zeit gewinnen. Aber hat Landrat Olaf von Löwis mit einem Gutachten, dass er am vergangenen Montag in Miesbach präsentierte, sich und den Kommunen im Landkreis einen Bärendienst erwiesen? In Gmund jedenfalls scheint man nicht sehr glücklich mit dem Verfahren der Miesbacher Behörde zu sein.

Das Klärwerk vom Tegernseer Tal. / Quelle: Martin Calsow

Wenn es stark regnet, Hochwasser droht, dann muss Wasser aus unseren Kläranlagen “abgeschlagen” werden. So kommt mit Coli-Bakterien verschmutztes Wasser in die Mangfall und Schlierach und später in das Grundwasser. Dort kann es in die Wasserversorgung der Münchner Stadtwerke geraten. Bemerken die Wassermeister der Städter die Verschmutzung, können sie die Versorgung abschalten und Wasser aus der Tiefe, welches einwandfrei ist, nutzen. Das sagt Uwe Tröger in seinem Gutachten, einer Auftragsarbeit des Landratsamts Miesbach. Und damit beginnt der Ärger.

Besel fordert mehr Kooperation

Der Professor Dr., Hydrogeologe aus Berlin, sieht sich als Experte für allerlei Wasserfragen. In einer Pressekonferenz war er zugeschaltet, erklärte sein Gutachten zur Wasserschutzzone. Im Kern ging es um zwei Verschmutzungen im letzten Jahr, die zu einer kurzfristigen Ableitung eines Teils des Trinkwassers für München aus dem Mangfalltal führte. Tröger machte örtliche Kläranlagen dafür eben verantwortlich und nicht die Rindviecher dreier Bauern vor Ort.

Also fragen wir den Verbandsvorsitzenden des Abwasserzweckverbands am Tegernsee, Alfons Besel, zudem Bürgermeister der Gemeinde Gmund, auf deren Flur die Kläranlage des Tegernseer Tals steht. Er zeigt sich überrascht: “Ich kenne das Gutachten nicht. Ich kenne lediglich die Pressemitteilungen hierzu”, und, deutlich angesäuert, hätte er sich mehr Kooperation im Vorfeld gewünscht, wenn er fordert:

Mein Wunsch wäre gewesen, dass Prof. Tröger im Zuge seiner gutachterlichen Tätigkeit mit dem Zweckverband Kontakt aufgenommen hätte.

Denn “seine” Kläranlage sieht er mitnichten in der Verantwortung. “Bei den genannten Niederschlagsereignissen im Februar bzw. August 2020 gab es keine Betriebsstörungen. Die Grenzwerte des wasserrechtlichen Bescheids wurden nicht überschritten, im Gegenteil sogar unterschritten. Es wurde kein ungeklärtes Abwasser, wie von Prof. Tröger anscheinend behauptet, „abgeschlagen”, stellt Besel uns gegenüber klar.

Von Löwis „Clusterfuck“

Das wird dem Landratsamt nicht gefallen. Denn schon die Regierung Oberbayern hat die Inhalte des Gutachtens rundweg abgelehnt, und den Landrat erneut aufgefordert, nun endlich die Schutzzonen auszuweisen. Bis Dezember 2021 bliebe ihm Zeit. Noch im letzten Jahr hatte von Löwis alle Bürgermeister im Tal und im Landkreis auf seiner Seite, waren alle gegen die Ausweitung der Schutzzonen. Zwar war jedem klar, dass es hier lediglich um die Interessen von drei Bauern ging, und im Hintergrundgespräch winkte so mancher Lokalpolitiker auch ab, sah keinerlei Chancen für einen Widerstand.

In der Öffentlichkeit wollten sich aber vor allem Politiker der CSU und insbesondere der Freien Wähler profilieren. Bürgermeister wie Norbert Kerkel, Andreas Hallmannsecker oder Klaus Thurnhuber sehen sich als Sachwalter alter Landwirtschaftskonzepte. Gern mit immerwährenden Stadt/Land-Konflikt gearbeitet, der Stoff für populäre Auftritte, persönlich wie auch digital, sichert.

Das Gutachten, welches von Löwis als Argument gegen die Anweisungen des Ministeriums und der Regierung Oberbayern ins Feld gezogen hat, könnte sich als Rohrkrepierer erweisen. Sollte der Experte recht haben, könnte das ein genaueres Hinschauen und gar einen Umbau unserer Kläranlagen bedeuten, finanziert wohl mit einer Erhöhung unserer Wasserpreise.

Ob und wie sich die Stadtwerke München an einer Aufrüstung finanziell beteiligen, ist nicht geklärt. Damit hätte von Löwis unfreiwillig die Bürgermeister gegen sich aufgebracht. Im Englischen sagt man da zu “Clusterfuck”. Gleichwohl gilt, dass von Löwis auch nur die “Kuh vom Eis bringen” will, er nicht als großer Ego-Stratege wie der Landesvater bekannt ist. Fraglich ist eben nur, ob es ihm mit aus der Hüfte geschossenen Gutachten gelingt.


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