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Wiessees Grüner will Rathaus erobern

Von Miller sieht sich in der Stichwahl

Alte Strukturen aufbrechen und Neues wagen. Mit diesem Motto bewirbt sich Johannes von Miller als Grüner um den Chefsessel in Bad Wiessee. Damit könnte es noch einmal spannend werden um den Einzug ins Rathaus. Denn CSU-Kandidat Florian Sareiter ist mit Miller ein im Tal nicht unbebekannter Konkurrent erwachsen.

Heimatverbunden: der Grünen-Kandidat für Bad Wiessee, Johannes von Miller /
Foto: Klaus Wiendl

Die Tegernseer Stimme trifft sich mit Miller in seinem 300 Jahre alten Kainzenhof in Altwiessee. Der Blick von hier schweift über den ganzen Tegernsee. Entsprechend stilecht ist auch das Innere des Familienbesitzes aus dem 19. Jahrhundert in der vierten Generation, denn Miller ist gelernter Restaurator. Talweit kennt man ihn vor allem als Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT), für die er schon so manchen Strauß ausfocht. Sollte er den Sprung ins Amt des Bürgermeisters schaffen, würde er “aus Überzeugung viel an Lebensqualität dafür aufgeben”, sagt Miller.

TS: Warum steigen Sie erst im Alter von 57 Jahren in die Kommunalpolitik ein?

Johannes von Miller: Ich bin schon seit über 20 Jahren bewusst in der zweiten Reihe intensiv auf kommunaler Ebene überparteilich tätig. Sei es in der Schutzgemeinschaft als talweiter Verein oder in der Zeit des Vorgängers von Peter Höß, bei Herbert Fischhaber. Bei ihm war ich im Arbeitskreis Ortsentwicklung tätig. Doch leider ist alles in der Schublade verschwunden. Aber schon damals war die Spielarena ein großes Thema, nachdem die Tennishallen weitgehendst leer standen. Daraus ist dann das Schlechtwetterangebot für Kinder entstanden. Doch ich werde es nicht zum Wahlkampfthema machen, auch wenn die Spielarena ein Muss ist. Angeregt wurde von mir damals auch schon der Radweg nach Abwinkl, der aber dann an Nachbarn gescheitert ist.

TS: Hätten Sie sich nicht schon früher in den Gemeinderat beim Wiesseer Block oder die SPD einbringen können?

Von Miller: Schon vor 12 Jahren war ich bewusst auf einem hinteren Platz der SPD-Liste, aber nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil ich die Leute gut kannte und heute noch schätze. Auch Peter Höß unterstützte ich in seinen Anfängen, ohne auf seiner Liste zu sein. Ich mache Politik über das Reden mit den Leuten. So war ich dann auch in zwei Arbeitskreisen über die Ortsmitte und das Jodschwefel-Areal. Wiessee als Gesundheitsstandort ist mir ein ganz wichtiges Thema. Mein Anliegen ist es, sich konstruktiv und kritisch einzubringen. Denn ich komme aus einem konservativ grünen Elternhaus und wurde erzogen, immer kritisch aber sachlich zu sein.

Predigt des Pfarrers gab den Ausschlag

TS: Warum haben Sie sich nicht als Bürgermeisterkandidat des Wiesseer Blocks aufstellen lassen?

Von Miller: Dies wurde von verschiedenen Seiten schon seit langer Zeit an mich herangetragen. Nachdem sich aber die Grünen im Tal etablierten, wollte ich in Wiessee einen Neuanfang starten und mich nicht an diese alten Strukturen binden. Meine Seele und Themen sind grün, die nicht nur aus Häkeln, Sonnenblumen und Steine werfen bestehen. Da bin ich ganz anders. Wir sind auch ortspolitisch nicht belastet, wir sind neu. Dies sehe ich als große Chance.

Nachdem auch wir Grüne uns schwertaten, einen Bürgermeisterkandidaten zu finden, brachte mich wohl Pfarrer Steinmetz, den ich sehr schätze, in seiner Predigt am 1. Advent über den Klimawandel auf die Idee, zu kandidieren. Er sprach davon, dass jeder im Ort auf seine Weise dazu beitragen könne. Das brachte mich auf die Idee, dies nicht anderen zu überlassen, sondern selbst zu kandidieren.

Streitereien im Gemeinderat unter der Gürtellinie

TS: Glauben Sie als Mensch des Ausgleichs in Wiessee etwas bewirken zu können oder müsste man hier nicht einmal mit der Faust auf den Tisch hauen und kein weiter so fordern?

Auch wenn es ausgelutschte Worte sind, so liegt doch im Kompromiss und im Miteinander die Lösung. Denn oft musste ich als Zuhörer im Gemeinderat erleben, wie da Erwachsene teils unter der Gürtellinie miteinander umgegangen sind und es sich aber auch haben gefallen lassen. Da wurden die Köpfe eingezogen und das Gewitter zog vorüber. So etwas liegt mir gar nicht. Hier denke ich, muss man ganz klare Kante zeigen. Das könnte ich dann als Bürgermeister deutlich mehr als nur als Gemeinderat, wofür ich auch zur Verfügung stehe. Mit den vielen neuen Leuten im Gemeinderat wird es dann ohnehin einen Neuanfang geben, frei von Altlasten. Dies ist eine riesige Chance für jemanden, der für den Ausgleich steht.

TS: Wie wollen Sie den Ort wieder mit Lebensqualität erfüllen, wo doch Wiessee brach liegt?

Von Miller: Ich bin kein Freund des “weiter so”. Es muss sich was tun, doch die Versäumnisse reichen weit zurück. Dennoch ist nicht alles furchtbar gelaufen. Es ist viel Grundlegendes angeleiert worden, um Wiessee zukunftsfähig zu machen. Jetzt sind wir in einer Umbruchsphase, da auch die Vermieter wieder zunehmend auf Qualität setzen. Geregelt sind auch die Vorhaben wie Strüngmanns Hotel oder das Aktivitätshotel von SME auf dem Jodbadgelände. Sie müssen aber jetzt umgesetzt werden. Noch schaut der Ort als Baustelle furchtbar aus. Das ist schlecht in der Wahrnehmung. Auch wenn die Baustellen derzeit brachliegen, sie sind am Laufen. Dass nicht alles reibungslos geht, liegt in der Natur der Sache. Natürlich ist SME der Punkt, der klemmt. Aber da wissen wir zu wenig, da Stillschweigen vereinbart wurde. Da ich aber die Hintergründe beim Denkmalschutz für die Wandelhalle kenne, bin ich zuversichtlich. Auch wenn man noch den Kompromiss sucht.

Umnutzung von Fremdenheimen

TS: Was wollen Sie gegen den Leerstand im Ort und unbezahlbaren Wohnraum tun?

Von Miller: Meine Vision ist, auch wenn ein Bürgermeister keine Vorschriften bei Gewerbemieten machen kann, alle Vermieter von leerstehenden Läden an einen runden Tisch zu bringen. Man könnte probeweise auf ein Jahr günstige Mietkonditionen anbieten, denn Interessenten gibt es genügend. Und wenn der Laden gut läuft, kann man nachverhandeln.

Mietwohnungen könnte man auch durch Umnutzung von Fremdenheimen erreichen, wenn betagte Eigentümer den Betrieb aufgeben und ihn die Erben nicht weiterbetreiben wollen. Nicht nur so wäre günstiger Mietwohnraum geschaffen, den sich auch jüngere Familien leisten könnten, auch im Handwerkerhof oder dem Haus Rheinland wäre dies möglich, da es sich um Grundstücke der Gemeinde handelt. Potenzial gebe es auch auf dem Grün-Areal des ehemaligen Hotels Ritter. Um die Ortsmitte zu beleben, brauchen wir unbedingt auch wieder einen Drogeriemarkt. Das ist nicht meine Idee, der wird schon lange gefordert. Auch da kann die Kommune steuernd eingreifen. Der Ort muss wieder mit Leben erfüllt und das Kinderbetreuungsareal um die Schule herum entwickelt werden.

Reizthema Schnitzelsteuer

TS: Was soll mit dem Badepark geschehen?

Von Miller: Der müsste in ein talweites Kommunal-Unternehmen eingebracht werden, in dem auch das Kreuther und Rottacher Bad sind. Deren Defizite müssen alle Gemeinden schultern. Auch die Tegernseer und Gmunder gehen in die drei Schwimmbäder. Man kann bei einem Neubau Bad Wiessee nicht allein im Regen stehen lassen. Das muss aber schon vor der Planung geklärt werden. Auch Privatisierung wäre ein Thema.

TS: Vorausblickend auf den Wahltermin, sehen Sie sich in der Stichwahl?

Von Miller: Ja. Diesen Rückschluss ziehe ich aus der Resonanz meiner Kandidatur. Klimawandel ist das Pflichtprogramm aller Parteien, da heben wir Grüne uns nicht ab, aber vielleicht mit meiner Glaubwürdigkeit. Die Leute wissen, wofür ich stehe.

TS: Wie halten Sie es mit dem Reizthema Schnitzelsteuer, der CO2-Bepreisung landwirtschaftlicher Produkte, die Grünen-Chef Habeck fordert?

Von Miller: Ich esse Schnitzel gerne, wenn ich weiß, wo es herkommt. Wir Grüne im Tal haben das Glück, dass wir nicht mit den großen Themen konform laufen müssen, die ganz woanders entschieden werden. Dennoch sehe ich die CO2-Bepreisung längst überfällig, auch wenn sie unpopulär ist. Diese Misere hört beim Essen nicht auf. Ein gesund erzeugtes Schnitzel ist nun mal teuer, doch wir Deutschen sind billige Nahrungsmittel gewohnt.

Es kann aber nicht sein, dass Fleisch, vor allem aus der Massentierhaltung, so billig verramscht wird. Wir leben hier von der kleinteiligen Landwirtschaft und denen tun wir was Gutes, auch beim Milchpreis, wenn wir uns der Qualität bewusst sind. Hier hat es jeder selbst in der Hand, ob er beim Discounter einkauft oder auf mehr Nachhaltigkeit achtet.

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