Mythen aus dem Tegernseer Tal
War der Ringberg ein Treffpunkt für Hexen?

von Nina Häußinger

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war die christliche Welt vom Hexenwahn befallen. Auch am Tegernsee glaubte man an Hexen. Auf dem Ringberg sollen sie getanzt haben. Und auch ein Hexenprozess ist überliefert.

Das Ringbergschloss.

Nur zwei Orte sind im süddeutschen Raum als angebliche Hexentanzplätze überliefert. Und die befinden sich ausgerechnet im Landkreis Miesbach, nämlich der Ringberg und die Brecherspitz am Schliersee. Der Redakteur und Heimatforscher Michael Heim (1936-2015) hielt es für möglich, dass auch der Wallberg im Volksglauben ein solcher Platz gewesen ist. Auf alten Karten hieß er nämlich immer „Walwer“, und das, so Heim, könne von „Walpurgis“ abgeleitet sein.

Das Kloster lieferte Ursula Löbl aus

Vom Tegernsee ist allerdings nur ein einziger Fall von Hexenwahn überliefert. Am 6. Mai 1645 wurde Ursula Löbl dem Pfleggericht in Wolfratshausen übergeben. Die Gerichtsakten sind nicht erhalten. Der Fall ist bekannt, weil er in der von Johann Nepomuk Kißlinger herausgegebenen Chronik des Egerner Pfarrers Obermayr erwähnt ist.

Demnach war Löbl eine „arbeitsscheue Person, die den Leuten vorspielte, verborgene Schätze finden zu können“. Ob sie wohl Geld für Hinweise zur Auffindung der Schätze genommen hat? Jedenfalls muss sie denunziert worden sein. Wer auf diese Weise in die Mühlen eines Hexenprozesses geriet, kam nur selten ohne Verurteilung davon. Tausende verloren ihr Leben unter der Folter und auf dem Scheiterhaufen.

Das Kloster Tegernsee hatte die niedere Gerichtsbarkeit. Nur über leichtere Vergehen, die mit Geld- oder Ehrenstrafen, manchmal aber auch mit Leibesstrafen belegt waren, konnte dort geurteilt werden. Zauberei galt allerdings als Kriminalfall. Die „Hexe“ Löbl musste deshalb nach Wolfratshausen überstellt werden. Sie soll in Gmund an der Brücke über die Mangfall auf einen Stein gesetzt und dort von Beauftragten aus Wolfratshausen abgeholt worden sein.

Tegernsee musste die Kosten tragen

Unter der Folter mit Daumenschrauben hatte Löbl dann gestanden, dass sie Gott und den Heiligen abgeschworen hat, beim Hexensabbat dabei war, mit dem Teufel gebuhlt und ihm ihr Blut gegeben sowie Vieh verhext zu haben. Trotzdem sah man in ihr wohl keinen schweren Fall von Hexerei. Denn sie landete nicht auf dem Scheiterhaufen, sondern wurde „gezüchtigt“. Hierfür wurde extra ein Scharfrichter aus München bestellt. Dann wurde sie des Landes verwiesen.

So mag die „Hexe“ Loibl auf Ihre Verbringung nach Wolfratshausen gewartet haben / „Tegernseer Tal Heft“ 1953/2 S. 35

Überliefert ist, dass der Tegernseer Abt die Kosten für die Züchtigung und für die Verpflegung der Ursula Löbl während fünf Monaten Haft bezahlen musste: 47 Gulden, 57 Kreuzer und drei Heller. Die Gmunder “Hexe” war bald vergessen. Lebendig blieb allenfalls die Erinnerung an den angeblichen Hexenplatz auf dem Ringberg oberhalb von Kreuth.

Als der Wittelsbacher Herzog Luitpold dort sein Schloss errichten ließ, beauftragte er den Maler Friedrich Attenhuber, im Erdgeschoß ein „Hexenzimmer“ zu gestalten. Noch heute können dort die Motive Attenhubers auf sechs Gobelins betrachtet werden.

Quellen:

  • Michael Heim, Franz [Friedrich] Attenhuber läßt uns rätseln: Die Ringberg-Hexen und der „Gletschermann“. In: Tegernseer Tal 112 (1993) 18-21.
  • Chronik Rottach-Egern am Tegernsee, I. Teil: Original-Nachdruck der Chronik der Pfarrei Egern am Tegernsee von Joh. Nep. Kißlinger bis 1900.
  • II.Teil: Nachtrag zur Chronik der Pfarrei Egern am Tegernsee von Hans Sollacher (1900-1984), Tegernseer-Tal-Verlag, Rottach-Egern 1984.


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