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Giftmord-Prozess gegen Tegernseer Arzt-Witwe

Angeklagte streitet alles ab

Von Redaktion

Sie soll ihrem Mann erst Insulin, dann Morphium gespritzt und ihn damit getötet haben. Später soll sie sein Grab geöffnet und die Urne entwendet haben. Im Mordprozess gegen eine Arzt-Witwe kommen nach und nach abscheuliche Anschuldigen zu Tage. Jetzt sagte sie selbst vor Gericht aus.

Der Giftmord-Prozess gegen die Tegernseer Arzt-Witwe geht weiter. Am heutigen Verhandlungstag schilderte sie ihre Sicht auf den Verlauf des 8. August 2018. Unter Tränen habe sie laut Merkur zunächst beteuert: „Mein Mann war alles für mich.“ Sie habe nichts mit seinem Tod zu tun.

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Sie bestätigte die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft, dass das Ehepaar an besagtem Abend noch gemeinsam gegessen und Sex gehabt habe. Danach soll sie ihrem Mann laut Anklage im Schlaf Insulin und Morphium gespritzt haben. Die angeklagte Tegernseerin behauptet jedoch, zum Schlafen in eine andere Wohnung im Haus am Steinmetzplatz gegangen zu sein.

Angeklagte soll Ehemann tot im Bett gefunden haben

Erst morgens sei sie laut Merkur zurückgekommen, ihr Mann habe noch geschlafen. Erst gegen Mittag habe sie ihn nach eigenen Angaben tot im Bett aufgefunden. Er soll noch warm gewesen sein. Der Vorsitzende Richter Thomas Bott wollte daher wissen, warum sie nicht versucht hat, ihren Mann zu reanimieren oder den Notarzt zu rufen. Ihre Antwort: Ihr Mann habe am Abend vorher Suizidabsichten geäußert. Das habe sie respektiert.

Wie ihre DNA an die Spritze gelangen konnte, die unter dem Bett ihres verstorbenen Ehemanns gefunden wurde, konnte die 49-Jährige nicht erklären. Auch nicht, woher das Insulin stammt, das die Polizei bei ihr gefunden hat, oder ob eine mögliche Trennung des Ehepaares eine Rolle gespielt hat.

49-Jährige attackiert Familie und Richter

Zuvor waren während der Verhandlung auch ihre zahlreichen Affären Thema – mit dem 90-jährigen Nachbarn, einem 41-jährigen Elektroniker, einem Hausmeister und einem Juristen. Wie der Merkur berichtet, soll die Angeklagte zudem einer Freundin in einem Chat geschrieben haben, sie wolle ihre Zeit nicht mehr mit ihrem Ehemann vergeuden.

Richter Bott fragte nach den Umständen der Vereinbarung, dass im Falle seines Todes seine Ehefrau als Alleinerbin, im Falle ihres Todes hingegen seine Kinder als Erben eingesetzt waren. Die Angeklagte schilderte, dass ihr Mann sich von seiner Familie entfremdet habe. Danach wurde es hitzig: Die 49-Jährige wurde beinahe des Saales verwiesen, weil sie die Familienmitglieder des Opfers verbal angriff und dann auch noch den Richter anschrie. Der Prozess dauert an.

Ursprünglicher Artikel vom 06. September 2020 mit der Überschrift: „War Geldgier das Mord-Motiv?“

Am 08. August 2018 wurde der Tegernseer Arzt S. tot in seiner Wohnung am Steinmetz-Platz gefunden. Eine Spritze am Tatort warf Fragen auf. Die Kriminalpolizei Rosenheim sowie die Kriminalpolizei Miesbach nahmen Ermittlungen auf. Etwa vier Monate später wurde die damals 47-jährige Ehefrau des Arztes festgenommen.

Vor rund zwei Wochen begann nun der Prozess gegen die Tegernseer Arzt-Witwe. Die gelernte Krankenschwester soll ihrem Mann zunächst ein starkes Schlafmittel gespritzt und danach mehrere Dosen Insulin verabreicht haben. Doch ihr Mann starb nicht. Die darauffolgenden drei Ampullen Morphin sollen dann zum Tod geführt haben.

S. wurde eingeäschert und auf dem Tegernseer Friedhof bestattet. Laut der Anklage habe die Frau irgendwann nachts die Grabplatte mit einem Akku-Schrauber geöffnet und die Urne entwendet. Einen Teil der Asche soll sie in den Bezug ihres Kopfkissens gefüllt und sich darauf befriedigt haben, heißt es weiter.

Polizist hatte “eigenartiges Gefühl”

Seit dem ersten Prozesstag im September haben mittlerweile mehrere Zeugen vor dem Münchner Landgericht II ausgesagt. Wie der Merkur berichtet, schilderten zwei Polizisten und ein Arzt Details über den Fundort des Opfers. Der zum Tatort gerufene Arzt vermutete zunächst Suizid als Todesursache. Der Verstorbene soll über Depressionen geklagt haben.

Einer der Polizisten, die daraufhin die Wohnung untersuchten, sagte laut Merkur vor Gericht aus, dass er allerdings ein “eigenartiges Gefühl” gehabt und daraufhin die Obduktion des Leichnams angeregt hatte.

Geldgier als Motiv?

Am gestrigen Verhandlungstag beschrieb eine 83-jährige Zeugin die Geldgier der Angeklagten. Laut der Zeugin wollte die 49-jährige gelernte Krankenschwester nach dem mutmaßlichen Mord an ihrem Ehemann an das Vermögen eines wohlhabenden 93-jährigen Nachbarn, den sie betreute. Der Mann war laut Merkur früher als Immobilienmakler tätig.

Er erbaute auch den Gebäudekomplex am Steinmetz-Platz, in dem der Mord geschah, und besaß dort noch eine Wohnung. Diese verkaufte er, so berichtet der Merkur, der Angeklagten für einen Spottpreis von nur 60.000 Euro. Dieselbe Summe soll die Angeklagte auch für drei Garagen bezahlt haben, die ihr die Frau des 93-Jährigen verkaufte.

Kinder des Nachbarn sind Nebenkläger

Nach dem Tod ihres Mannes soll die 49-Jährige dann angeboten haben, den 93-jährigen Nachbarn bei sich in der Wohnung aufzunehmen. Dort könnte sie ihn besser pflegen. Wie der Merkur berichtet, waren die drei erwachsenen Kinder des Nachbarn als Nebenkläger bei der Verhandlung.

Für die Betreuung des 93-Jährigen hatte die Angeklagte bisher laut Aussage der Zeugin 3.000 Euro monatlich schwarz bekommen. Irgendwann soll sie dann auch noch versucht haben, an das Erbe des Sohnes zu kommen. Eine halbe Million Euro sollte er ihr geben, um sich später die Erbschaftssteuer zu sparen. Noch ist nicht alles gesagt. Bis November soll der Prozess andauern.


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